Bayer

14.12.18
CFO

Johannes Dietsch wird ThyssenKrupp-CFO

ThyssenKrupp ist eine hochkarätige Verpflichtung gelungen: Der Industriekonzern, der sich aufspalten will, holt den ehemaligen Bayer-CFO an Bord.

ThyssenKrupp holt den ehemaligen Bayer-CFO Johannes Dietsch in den Vorstand. Der Personalausschuss des Aufsichtsrats werde dem Kontrollgremium vorschlagen, den 56-jährigen zum neuen Finanzchef zu berufen, teilten die Essener am heutigen Freitag mit. Dietsch soll das Amt im kommenden Februar mit einem Vertrag über drei Jahre antreten.

Der neue Chef des Industriekonzerns, Guido Kerkhoff, wird sich damit bald erstmals ganz auf seine neue Führungsaufgabe konzentrieren können. Der 51-Jährige leitet seit 2011 das Finanzressort von ThyssenKrupp. Im Sommer wurde er nach dem Abgang von CEO Heinrich Hiesinger zunächst interimistisch und schließlich dauerhaft zum CEO befördert.

Noch in seiner Funktion als Interims-CEO hatte Kerkhoff einen massiven Umbau des Konzerns angekündigt: Er will ThyssenKrupp in zwei Unternehmensbereiche aufteilen – Industrials für das Industriegütergeschäft und Materials als Werkstoffsparte. Kerkhoff reagierte damit auf den Druck der aktivistischen Investoren Cevian und Elliott, die sich für eine Zerschlagung stark gemacht hatten.

ThyssenKrupp-Vorstand wieder komplett

Die hochkarätige Unterstützung durch Johannes Dietsch kann ThyssenKrupp sehr gut gebrauchen. Seit Sommer herrscht in der Führung des Industriekonzerns enorme Unruhe. Hintergrund war ein massiver Richtungsstreit über die weitere Zukunft des Konzerns. Im Juli warf zunächst der damalige ThyssenKrupp-Chef Hiesinger das Handtuch. Kurz darauf schmiss auch Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hin.

Mit der Berufung von Dietsch ist der Vorstand von ThyssenKrupp nun wieder vollständig. Bei der Besetzung des Aufsichtsrats gehen die Debatten allerdings weiter. Wirtschaftsprofessor Bernhard Pellens, der zuvor den Prüfungsausschuss leitete, wurde zum neuen Chefaufseher berufen.

Allerdings kann Pellens den Posten nur bis 2020 ausführen, da er bereits 2005 in das Gremium berufen wurde und damit die maximale Amtszeit ausgeschöpft ist. Medienberichten zufolge wird nun die ehemalige Bosch-Managerin Martina Merz, die erst vor kurzem in den Thyssen-Aufsichtsrat einzog, als mögliche Chefin des Kontrollgremiums gehandelt. Gespräche mit externen Managern, wie etwa Daimler-CFO Bodo Uebber, waren zuvor gescheitert.

Dietsch arbeitete sich bei Bayer hoch

Für Johannes Dietsch beginnt mit dem CFO-Posten bei ThyssenKrupp ein ganz neues Kapitel. Der Rheinländer hat seine gesamte bisherige Karriere bei dem Pharmakonzern Bayer absolviert: Von einem auszubildenden Industriekaufmann in einem Leverkusener-Werk arbeitete sich der heute 56-jährige zum Konzern-CFO hoch.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere entschloss sich Dietsch im April 2017 Bayer zu verlassen. Ein Jahr später – im Mai 2018 – kehrte er dem Unternehmen dann den Rücken, wenige Tage vor dem Abschluss der 62-Milliarden-Dollar-schweren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto.

Den bahnbrechenden Deal, der Bayer in den vergangenen Monaten allerdings einen heftigen Kurssturz einbrachte, hatte der CFO in den vorherigen zwei Jahren maßgeblich begleitet.

FINANCE-Köpfe

Johannes Dietsch, ThyssenKrupp AG

Im Anschluss an seine Ausbildung nimmt Dietsch Leitungsfunktionen in verschiedenen Abteilungen des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer wahr. Auslandserfahrung sammelt er in zwei mehrjährigen Aufenthalten bei Bayer Japan, zuletzt als CFO für den Finanz- und Verwaltungsbereich.

2001 wird Dietsch in Leverkusen die Abteilungsleitung Corporate Finance innerhalb des Konzernbereichs Finanzen übertragen. Am 1. Juli 2002 übernimmt er die Leitung des Bereichs Finanzen im Corporate Center der Bayer AG. In diesen Zuständigkeitsbereich fallen die Ressorts Treasury, Corporate Finance, Financial Controlling, Asset Management Pensions, Mergers & Acquisitions und Taxes.

Im September 2011 wechselt Dietsch als Landessprecher und CFO Greater China zu Bayer China mit Sitz in Shanghai. Drei Jahre später im September steigt Johannes Dietsch zum Konzer-CFO bei Bayer auf. Sein Vertrag wurde bis Ende Mai 2018 verlängert. Im Anschluss verließ er das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Ab Februar 2019 wird Dietsch als CFO das Finanzressort bei dem Industriekonzern ThyssenKrupp leiten.

zum Profil

Dietsch ist also krisenerprobt: Die Aufspaltung des ThyssenKrupp-Konzerns – auch mit den unterschiedlichen Interessen der eher traditionell ausgerichteten Krupp-Stiftung auf der einen und den aktivistischen Investoren auf der anderen Seite – dürfte ihn kaum schrecken. Spannend dürfte die Zusammenarbeit mit seinem CFO-Vorgänger Guido Kerkhoff als neuem Chef werden. Er kenne und schätze Dietsch seit vielen Jahren, lässt sich Kerkhoff zitieren. Dietsch sei ein absoluter Finanzexperte und starker Teamplayer.

Dietsch wird die Bereiche Controlling, Rechnungswesen, Finanzen und Steuern sowie die IT, den Einkauf und die Global Shared Services verantworten. Die Funktionen Investor Relations und M&A sowie Kommunikation und Strategie verbleiben allerdings auch in der neuen Aufstellung im Ressort von Guido Kerkhoff.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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