Der zukünftige Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp? Noch-Daimler-CFO Bodo Uebber.

Daimler

13.11.18
Wirtschaft

Daimler-CFO bei ThyssenKrupp im Gespräch

Daimler-CFO Bodo Uebber ist als Überraschungskandidat für die heikle Aufgabe als Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp im Gespräch. Kann der erfahrene Finanzchef das Machtvakuum bei dem Traditionskonzern füllen?

Der scheidende Daimler-CFO Bodo Uebber wird als Aspirant für das Amt des Chefaufsehers bei ThyssenKrupp gehandelt. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Insider berichtet, will der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns Uebber zunächst einen der beiden vakanten Plätze anbieten und ihn anschließend zum Aufsichtsratsvorsitzenden machen.

Stimmen die Quellen des „Handelsblatts“, ist Uebber offenbar auch dazu bereit, die Herausforderung anzunehmen. Darauf deutet unter anderem auch hin, dass er eine entsprechende Anfrage des „Handelsblatts“ nicht dementierte, sondern an ThyssenKrupp verwies. Der zweite vakante Platz im Aufsichtsrat des Mischkonzerns soll an die ehemalige Bosch-Managerin Martina Merz gehen.

Bodo Uebber brächte das richtige Netzwerk mit

Uebber brächte einiges mit, was im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp momentan fehlt. Seit Dezember 2004 ist er schon Daimler-CFO. Sein Netzwerk und sein Ansehen am Kapitalmarkt sind beträchtlich. Der äußerst erfahrene Finanzchef hätte wohl das nötige Format, um die widerstreitenden Interessen der verschiedenen Akteure bei ThyssenKrupp ausgleichen und gleichzeitig dem Konzern wieder ein besseres Standing bei den Investoren verschaffen zu können.

Doch die Ausgangslage ist nicht einfach. Die Aktie der Essener hat seit Januar rund ein Drittel an Wert verloren. Vorige Woche gab es eine Gewinnwarnung. Im Aufsichtsrat ringen aktivistische Aktionäre, Hedgefonds, Arbeitnehmervertreter und die Krupp-Stiftung um die Macht. Dem jetzigen Aufsichtsratschef, dem erst seit sechs Wochen amtierenden Hochschulprofessor Bernhard Pellens, trauen es die Meisten nicht zu, Herr über die unübersichtliche Lage zu werden.

Zeitlich dürfte die Anfrage aus Essen Uebber durchaus gelegen kommen. Nachdem er beim Ringen um die Nachfolge von Konzernchef Dieter Zietsche den Kürzeren gezogen hatte – neuer Daimlerchef wird  Forschungsvorstand Ola Kallänius –,  gab Uebber bekannt, seinen bis Dezember 2019 laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass der 59-jährige den Autokonzern schon früher verlassen wird. Als Ausstiegstermin wird die nächste Daimler-Hauptversammlung im Mai gehandelt. Noch aber hat Daimler die Suche nach einem neuen CFO nicht abgeschlossen.

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Bodo Uebber, Daimler AG

Uebber beginnt seine Karriere im Produktions-Controlling 1985 bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm im Unternehmensbereich Verteidigungstechnik. Ab 1988 leitet er für diesen Bereich die Kosten- und Ergebnisrechnung. Im Jahr darauf wechselt er als Leiter Betriebswirtschaft zur DASA-Verteidigungstechnik. 1992 bis 1995 verantwortet Uebber das Controlling bei Dornier Luftfahrt und 1995 bis 1998 das Controlling des Bereichs Raumfahrt/ Verteidigung und Zivile Systeme bei  der DASA. 1998 wird Uebber zum Mitglied der Geschäftsführung für Finanzen/ Controlling und IT/Services bei MTU Aero Engines ernannt.

2001 wird Uebber CFO und Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler Services AG. 2003 übernimmt er zusätzlich die Verantwortung des stellvertretenden Vorstandsmitglieds bei DaimlerChrysler sowie des Vorstandsvorsitzenden bei DaimlerChrysler Services. Seit Dezember 2004 ist er CFO von Daimler. Im Oktober 2018 wird bekannt, dass Uebber das Unternehmen im Dezember 2019 verlassen wird.

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Uebbers Berufung könnte auch ThyssenKrupp-CEO Guido Kerkhoff etwas Luft verschaffen. Beide Manager sind von Hause aus CFOs. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sollen sich Kerkhoff und Uebber auch persönlich gegenseitig schätzen.

Führungskrise schickte Thyssen-Krupp-Aktie in den Keller

Aufsichtsrat von ThyssenKrupp fehlt starker Anführer

Das Machtvakuum im Aufsichtsrat existiert seit dem Abgang von Aufsichtsratschef Ulrich Lehner im Sommer. Die Suche nach einem hochkarätigen Nachfolger führte zu keinem Erfolg: Sowohl Airbus-Chef Tom Enders als auch der ehemalige Bayer-CEO Marijn Dekkers sollen Anfragen abgelehnt haben.

Aus der Not heraus entschieden sich die Kontrolleure schließlich für Pellens als neuen Aufsichtsratschef. Dass dieser nur eine Übergangslösung ist, ergibt sich schon allein aus der Amtszeitbeschränkung für Aufsichtsräte in Deutschland. Das Limit liegt bei 15 Jahren, und Pellens rückte schon im Jahr 2005 in den ThyssenKrupp-Aufsichtsrat ein. Spätestens übernächstes Jahr muss er das Gremium verlassen.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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