Bayer

07.05.18
CFO

CFO des Monats: Johannes Dietsch

Wird der „Day One“ des Monsanto-Deals für den scheidenden Bayer-CFO Johannes Dietsch gleichzeitig auch der letzte Tag vor seinem großen Sabbatical? Dietschs bemerkenswerte Karriere könnte mit einem echten Highlight enden.

In der Finanzabteilung von Bayer werfen zwei Großereignisse ihre Schatten voraus: der „Day one“, an dem der Dax-Konzern mehr als 50  Milliarden US-Dollar an die Monsanto-Aktionäre überweisen muss, und der Abschied von CFO Johannes Dietsch, eines echten Bayer-Urgesteins. Bei beiden Ereignissen läuft es terminlich auf Ende Mai hinaus.

Erhielte Bayer in den USA wie erhofft in diesen Tagen die letzte wichtige Behördengenehmigung für die Monsanto-Übernahme, würde Dietsch etwas schaffen, was nur den wenigsten gelingt: nach vier Jahren als CFO und über 36 Jahren bei Bayer auf dem Höhepunkt seiner Karriere abzutreten. Diese führte ihn von seinem ersten Tag als Azubi im Bayer-Konzern über Auslandsstationen in Tokio und Schanghai sowie die Abspaltung der Chemietochter Lanxess, die Dietsch maßgeblich managte, bis in den Vorstand des Riesenkonzerns. 

Johannes Dietsch hinterlässt viel Arbeit

Seinem Nachfolger Wolfgang Nickl hinterlässt Dietsch ein gut bestelltes Feld – das aber in den kommenden Jahren noch schwer beackert werden muss. Eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar hatte Bayer sich garantieren lassen. Diese muss der Dax-Konzern nach und nach über den Kapitalmarkt ablösen. Nickl wird die weiteren Finanzierungsschritte begleiten und die Nettoschulden von bald wohl 40 bis 50 Milliarden Euro zügig abtragen, damit Bayer bilanziell wieder ausreichend Wasser unter den Kiel bekommt. Parallel dazu steht die Kärrnerarbeit der Post-Merger-Integration an, die bei dem selbstbewussten US-Target Monsanto kein Sonntagsausflug sein wird.

Johannes Dietsch, ThyssenKrupp AG

Im Anschluss an seine Ausbildung nimmt Dietsch Leitungsfunktionen in verschiedenen Abteilungen des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer wahr. Auslandserfahrung sammelt er in zwei mehrjährigen Aufenthalten bei Bayer Japan, zuletzt als CFO für den Finanz- und Verwaltungsbereich.

2001 wird Dietsch in Leverkusen die Abteilungsleitung Corporate Finance innerhalb des Konzernbereichs Finanzen übertragen. Am 1. Juli 2002 übernimmt er die Leitung des Bereichs Finanzen im Corporate Center der Bayer AG. In diesen Zuständigkeitsbereich fallen die Ressorts Treasury, Corporate Finance, Financial Controlling, Asset Management Pensions, Mergers & Acquisitions und Taxes.

Im September 2011 wechselt Dietsch als Landessprecher und CFO Greater China zu Bayer China mit Sitz in Shanghai. Drei Jahre später im September steigt Johannes Dietsch zum Konzer-CFO bei Bayer auf. Sein Vertrag wurde bis Ende Mai 2018 verlängert. Im Anschluss verließ er das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Ab Februar 2019 wird Dietsch als CFO das Finanzressort bei dem Industriekonzern ThyssenKrupp leiten.

zum Profil

Immerhin hat Dietsch auf der Zielgeraden seiner Karriere noch zwei wichtige Pflöck eingeschlagen: Mitte April schoss der Singapurer Staatsfonds Temasek über eine Kapitalerhöhung 3 Milliarden Euro in Bayer ein.  Am vergangenen Freitag dann warf Bayer den Großteil seines noch übrig gebliebenen Anteils an der Ex-Chemie-Tochter Covestro auf den Markt. Erlös dieser Tranche: 2,2 Milliarden Euro. Gesamterlös: über 9 Milliarden Euro – „mehr als erwartet“, sagt Dietsch: „Das werden wir beim Umfang der Barkapitalerhöhung zur Finanzierung der Monsanto-Übernahme berücksichtigen.“

Das dort noch benötigte Volumen wird also immer kleiner. Das erhöht die  Erfolgschancen der Transaktion, die im Sommer kommen dürfte, erheblich. Sobald das Eigenkapital wie geplant gestärkt ist, will Bayer auch den Bondmarkt mit neuen Papieren anzapfen. Es ist damit zu rechnen, dass der Dax-Konzern einen Großteil dieses Feuerwerks an Neuemissionen noch im zweiten Halbjahr dieses Jahres abbrennen wird. 

Mehr Geld als das BIP von Bulgarien

Wie Dietsch in einem langen und sehr persönlichen Interview für die aktuelle Ausgabe des FINANCE-Magazins erklärte, hat er zwei große Wünsche: Der eine ist, „Day One“ noch im Amt mitzuerleben. Den Tag des Closings der Monsanto-Transaktion will der 56-Jährige in New York verbringen, um von dort aus zu nächtlicher Stunde persönlich die europäischen Banken zu koordinieren, damit zur richtigen Zeit die Gelder über den großen Teich geschickt werden.

„Die neue Freiheit, darauf freue ich mich total.“

Johannes Dietsch, CFO, Bayer

Die Summe von 57 Milliarden Dollar, die Dietsch die Banken für die Monsanto-Finanzierung garantieren ließ, liegt höher als das Bruttoinlandsprodukt von Bulgarien. Spektakulärer kann man als CFO nicht abtreten.

Dietschs zweiter Traum ist die große Freiheit, die er nach seinem Rückzug Ende des Monats nun zunächst einmal genießen wird. „Ich habe die einmalige Gelegenheit, dann für einige Zeit nichts zu tun“, sagte er im großen FINANCE-Interview (als e-Paper erhältlich hier). „Und diese Gelegenheit werde ich nutzen.“ Der Bayer-CFO will mehrere Monate durch Europa, die USA, den Nahen Osten und Asien reisen. „Die neue Freiheit, darauf freue ich mich total“. Beneidenswert.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Vom Lehrling zum CFO: Mehr über den einzigartigen Werdegang des scheidenden Bayer-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Johannes Dietsch.

Eine Übersicht über alle bisherigen CFOs des Monats gibt es auf der dazu gehörigen FINANCE-Themenseite „CFO des Monats“.

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