N26

29.04.19
CFO

N26 Bank findet neuen Finanzchef

Die N26 Bank hat in Richard Groeneveld einen neuen Finanz- und Risikochef gefunden. Dieser arbeitete zuvor bei der kriselnden DZ-Bank-Tochter DVB und soll die Prozesse des Fintechs auf das nächste Level heben.

Das Fintech N26 Bank hat einen neuen Finanzchef gefunden. Wie die Online-Bank auf FINANCE-Nachfrage bestätigte, wird der Niederländer Richard Groeneveld seinen Vorgänger Matthias Oetken als Finanz- und Risikovorstand beerben. „Finanz-Szene“ hatte zuerst über die Personalie berichtet. Die N26 Bank ist eine Tochtergesellschaft der N26 GmbH, bei der Mitgründer Maximilian Tayenthal den CFO-Posten besetzt. 

Im Januar war bekannt geworden, dass Matthias Oetken die Online-Bank noch in diesem Jahr verlassen wird, um sich eigenen beruflichen Projekten zuzuwenden. Sein Nachfolger Groeneveld ist seinem LinkedIn-Profil zufolge Mitgründer des Software-Entwicklers Aumentar und saß in Deutschland zuletzt im Beirat der niederländischen Bank NIBC. 

Zuvor arbeitete Groeneveld über 16 Jahre bei der kriselnden DVB Bank, in der die DZ-Bank-Gruppe ihr Transportfinanzierungsgeschäft bündelt. Bei der DVB war der Niederländer zunächst Finanzchef, später als Chief Operating Officer aber auch für das operative Geschäft verantwortlich. N26-Gründer Maximilian Tayenthal lobt in einem schriftlichen Statement gegenüber FINANCE vor allem Groenevelds Erfahrung bei Prozessverbesserungen, im Risikomanagement und beim Skalieren und Sichern von Prozessen.

N26-Prozesse müssen mitwachsen

Bei N26 wird Groeneveld auch dafür sorgen müssen, dass die internen Prozesse und Strukturen mit dem rasanten Wachstum des Fintechs Schritt halten. Anfang des Jahres hatte sich N26 in einer Finanzierungsrunde 300 Millionen Dollar (damals umgerechnet rund 260 Millionen Euro) besorgt, wodurch die erst im Jahr 2013 gegründete Online-Bank mit 2,7 Milliarden Dollar bewertet wurde.

Mit dem Geld plant N26 unter anderem den Eintritt in den US-Markt. Später sollen auch die Banking-Märkte in Australien, Brasilien, Kanada und Mexiko erschlossen werden. Mittelfristig will das Fintech weltweit 50 bis 100 Millionen Kunden betreuen.

Offenbar hält aber schon der Kundenservice mit dem rasanten Wachstum nicht mehr Schritt: In den vergangenen Wochen war N26 größerer Kritik ausgesetzt, als die mobile Bank für einen Kunden, dem Cyberkriminelle Geld entwendet hatten, nicht erreichbar war. Und auch die Finanzaufsicht Bafin soll laut einem Handelsblatt-Bericht zuletzt zahlreiche Mängel festgestellt haben, die die Bank nun beheben muss.

Neu-CFO Groeneveld bringt Compliance-Erfahrung mit

Es wird eine von Groenevelds Kernaufgaben sein, solche weiteren Entwicklungen bei N26 zu verhindern. Einer Sprecherin zufolge war der Niederländer bei der DVB auch Mitglied des Group Audit Komitees und dafür verantwortlich, neue Compliance-Richtlinien zu verankern und regulatorische Anforderungen an weltweiten Standorten umzusetzen. Vom Hause aus sei Groeneveld Wirtschaftsprüfer und Operational Auditor.

Wie wichtig es bei einer rasanten Wachstumsstrategie ist, dass die internen Prozesse und Strukturen mitwachsen, zeigt aktuell die hitzige Debatte um das im Dax notierte Vorzeige-Fintech Wirecard, das von der „Financial Times“ hart angegangen wird und zum Spielball von Shortsellern geworden ist. Die Zeitung meint, unter anderem Unregelmäßigkeiten bei der Niederlassung in Singapur entdeckt zu haben. Wirecard kämpft seitdem damit, seine Investoren zu besänftigen und die verschreckten Aktionäre zu beruhigen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de