Bei Gerresheimer kehrt keine Ruhe ein. CFO Bernd Metzner wird das Unternehmen zum 31. August verlassen, wie Gerresheimer am heutigen Freitagmorgen mitteilte. Damit endet seine Amtszeit früher als geplant: Sein Vertrag lief eigentlich noch bis Mai 2027. Wohin es ihn zieht, ist bisher nicht bekannt.
AOC forderte „Review“ von Metzners CFO-Posten
Zuvor ist der Verpackungsspezialist ins Visier des aktivistischen Investors Active Ownership Capital (AOC) geraten. Dieser war in der vergangenen Woche bei den Düsseldorfern eingestiegen und hatte weitreichende Reformen gefordert.
AOC kritisierte auch explizit den Finanzvorstand. „Vor dem Hintergrund der anhaltenden Underperformance und des Vertrauensverlustes im Kapitalmarkt sieht Active Ownership die Notwendigkeit eines Management-Reviews, insbesondere im Hinblick auf die Position des Finanzvorstands“, verkündete der aktivistische Investor in einem Statement.
Gescheiterte M&A-Gespräche bei Gerresheimer
Die Forderung kommt nicht von ungefähr, der Finanzvorstand stand schon länger unter Druck. So musste Metzner Mitte Juli die Prognose für 2025 drastisch nach unten korrigieren. Statt ursprünglich anvisierter 3 bis 5 Prozent beim organischen Umsatzwachstum werden nun nur noch 0 bis 2 Prozent erwartet. Die bereinigte Ebitda-Marge soll statt 22 Prozent nur etwa 20 Prozent erreichen.
Auch der Börsenwert von Gerresheimer litt unter den vergangenen Ereignissen. So rutschte der Aktienkurs des Verpackungsherstellers seit dem Hoch im August 2023 (knapp 120 Euro pro Aktie) ab auf derzeit weniger als 45 Euro.
Zudem scheiterten im Juli Gespräche mit Private-Equity-Investoren über ein mögliches Übernahmeangebot. Eine Fortsetzung der Gespräche sei „nicht im besten Interesse unseres Unternehmens und seiner Stakeholder“, hieß es damals vom Vorstandsvorsitzenden Dietmar Siemssen.
Hat Metzners vorzeitiger Abgang mit AOC zu tun?
Eine von Metzners letzten Amtshandlungen war indes die Optimierung der Finanzen des Verpackungsspezialisten. Die Düsseldorfer haben in dieser Woche zwei Darlehen in Höhe von insgesamt 200 Millionen Euro zur vorzeitigen Ablösung eines Teils der Brückenfinanzierung für die Akquisition von Bormioli Pharma aufgenommen. Zudem wurden Vertragsbedingungen für zwei Darlehen flexibler gestaltet.
Dennoch stellt sich die Frage: Hat das vorzeitige Aus von Metzner mit den harten Forderungen von AOC zu tun? Gerresheimer dementiert dies auf Nachfrage von FINANCE. Es bestünde kein Zusammenhang zwischen den aktuellen Geschehnissen und dem Wechsel von Metzner, so das Unternehmen. Metzner habe das Unternehmen auf eigenen Wunsch hin verlassen; er wolle sich neuen beruflichen Herausforderungen widmen.
Wolf Uwe Lehmann wird CFO von Gerresheimer
Metzners Nachfolger ist indes schon bekannt. Wolf Uwe Lehmann übernimmt zum 1. September den Posten von Metzner. Lehmann blickt auf viel Erfahrung als CFO zurück. So war er für Momentive, Wilsonart International und GE Bayer Silicones, ein Joint Venture von Bayer und General Electric, als CFO tätig.
Seine längste Rolle als CFO hatte er jedoch bei Befesa inne. Bei dem ehemaligen Private-Equity-Portfoliounternehmen bekleidete er die Rolle von 2014 bis 2023 und verdiente dort zuletzt rund 3 Millionen Euro. Zuletzt sammelte Lehmann Erfahrung bei dem Private-Equity-Investor Triton Partners, dem Ex-Eigentümer von Befesa, wo er als Operating Partner tätig war. Auf die Erfahrungen kann er bei den Gesprächen mit AOC zurückgreifen.
Neben Lehmann gibt es zudem weitere Veränderungen im Vorstand der Düsseldorfer. Achim Schalk wird zum 1. November 2025 auf Lukas Burkhardt folgen. Schalk wird die Verantwortung für die Business Units Moulded Glass, Tubular Glass und Syringe Systems im Vorstand übernehmen. Aufgrund dieser Veränderungen im Vorstand wird Gerresheimer außerdem den ursprünglich für den 15. Oktober 2025 geplanten Kapitalmarkttag auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
