Tritt in der kommenden Woche vom CFO-Posten bei dem Wiener Gummihersteller Semperit zurück: Frank Gumbinger.

Semperit

10.03.20
CFO

Semperit-CFO Frank Gumbinger geht

CFO Frank Gumbinger verlässt den kriselnden Gummihersteller Semperit. Sein Nachfolger muss das Unternehmen endlich wieder in die Spur bringen – und einen Käufer für das Sorgenkind Sempermed finden.

CFO-Wechsel bei dem österreichischen Gummihersteller Semperit: Wie das börsennotierte Unternehmen heute bekanntgab, will Finanzchef Frank Gumbinger das Unternehmen verlassen. Gumbinger habe den Aufsichtsrat gebeten, seinen laufenden Vertrag „aus persönlichen Gründen“ vorzeitig zu beenden, heißt es in der Mitteilung. Sein Dienstverhältnis als CFO endet am 19. März. Bis Mitte August wird Gumbinger dem Gummihersteller aber noch beratend unterstützen.

„Herr Gumbinger hat sich in seiner Zeit bei Semperit große Verdienste um die Transformation des Unternehmens erworben. Wir bedauern sein Ausscheiden, respektieren jedoch seine persönlichen Beweggründe und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg“, sagt Walter Koppensteiner, Vorsitzender des Semperit-Aufsichtsrats.

Petra Preining folgt auf CFO Frank Gumbinger

Wohin Frank Gumbinger wechselt, teilt das Unternehmen nicht mit. „Herr Gumbinger hat sich entschieden, eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen und nach Deutschland zurückzugehen“, sagte ein Unternehmenssprecher auf FINANCE-Nachfrage.

Semperit präsentiert auch gleich eine vorläufige Nachfolgerin für Frank Gumbinger: Bis eine langfristige Lösung gefunden ist, wird Petra Preining neue Interims-Finanzchefin der Wiener. Preining sitzt seit 2017 im Aufsichtsrat und im Prüfungsausschuss von Semperit.

Gumbinger sollte eigentlich Kontron-CFO werden

Gumbinger wurde vor etwas mehr als drei Jahren Finanzchef bei Semperit. Seine Berufung kam allerdings überraschend, denn eigentlich sollte er als CFO von dem Papierproduzenten Progroup zu dem Augsburger IT-Unternehmen Kontron wechseln. Doch er trat das Amt nicht an – „aus persönlichen Gründen“, wie es seitens Kontron hieß.

Damals befand sich Kontron in einer Unternehmenskrise. Nachdem Prognosen kassiert werden mussten, setzten die Großaktionäre Warburg Pincus und Triton den Vorstand vor die Tür. Gumbinger sollte in diesem Zuge auf CFO Michael Boy folgen. Stattdessen übernahmen zunächst Restrukturierungsexperten das Ruder, bis Kontron Thomas Riegler als Interims-CFO einstellte.

FINANCE-Köpfe

Frank Gumbinger, Semperit AG Holding

Nach seinem Studium ist Frank Gumbinger von 1996 bis 1998 als Wirtschaftsprüfer und Berater bei PwC tätig, ehe er 1999 zu Delton in Bad Homburg wechselt, einer Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Stefan Quandt. Dort hat er bis 2008 verschiedene Führungspositionen innerhalb der zugehörigen Unternehmen inne. Von 2001 bis 2005 ist er bei der Delton-Beteiligung Heel Leiter des Controllings und baut in dieser Zeit auch den Bereich Unternehmensentwicklung und Strategie auf. Anschließend wechselt Gumbinger als CFO zu der Industrieholding Ceag, ebenfalls ein Teil des Delton-Imperiums.

Von 2009 an ist Gumbinger bei der Progroup, einem Hersteller von Papier- und Wellpappeformaten, in Landau als CFO tätig. 2016 zieht es ihn zum österreichischen Gummi- und Kautschukspezialisten Semperit, der ihn zum Finanzvorstand beruft. Im März 2020 wird bekannt, dass Frank Gumbinger das Unternehmen aus persönlichen Gründen verlassen will. Wohin es ihn konkret zieht, ist nicht bekannt. Seine nächste Station soll aber in Deutschland sein.

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Semperit mit zwei Abschreibungen in Medizinsparte

Statt des Wechsels zu Kontron folgte für Gumbinger die Station bei Semperit – die er jetzt wieder verlässt. Seinem Nachfolger hinterlässt er ein Unternehmen im Umbruch. Im Geschäftsjahr 2018 stagnierte der Umsatz faktisch bei 878,5 Millionen Euro, während der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von über 37 Millionen Euro auf einen Verlust von fast 50 Millionen Euro abrutschte. Die Zahlen für 2019 will Semperit am 20. März präsentieren.

Sorgen bereitete schon vor einem Jahr vor allem die Medizinsparte Sempermed, die 2018 einen Umsatzrückgang um 7,6 Prozent auf 337 Millionen Euro verzeichnete. Nach einer Abschreibung von über 50 Millionen Euro fiel das Ebit sogar von einem Plus von knapp 40 Millionen Euro auf ein Minus von 70 Millionen Euro. Schon damals arbeitete man mit „höchster Konzentration am dringend erforderlichen Turnaround der Sempermed“, versicherte der Vorstand.

Semperit will sich von Medizinsparte trennen

Im laufenden Geschäftsjahr hat sich die Lage aber nicht verbessert. Im Dezember gab das Unternehmen eine weitere Wertminderung von knapp 50 Millionen für Sempermed bekannt, wenige Wochen später kündigten die Wiener schließlich den Verkauf der Medizinsparte an.

„Wir sehen uns im Sektor Medizin einer drastisch verschärften Wettbewerbsdynamik gegenüber; der kapazitätsseitige Abstand zu den Marktführern wird immer größer. Daher sind wir fest davon überzeugt, dass unser Medizingeschäft durch andere Eigentümer besser fortgeführt und entwickelt werden kann“, hieß es zur Begründung. Die Wiener bevorzugen einen Verkauf der Sparte als Ganzes, erwägen aber auch einen Teilverkauf.

Semperit muss weiter restrukturieren

Nun legt Semperit das Augenmerk auf die aussichtsreichere Industriesparte. Diese hatte sich wesentlich besser entwickelt, 2018 legte der Umsatz um fast 6 Prozent auf 567 Millionen Euro zu, das Ebit verdoppelte sich sogar auf knapp 45 Millionen Euro. Im Rahmen der Restrukturierung hat Semperit das Programm „SemperGrowth200“ aufgesetzt. Das Ziel: „Die Potenziale im Industriesektor sollen künftig durch eine deutliche Erhöhung der Kundennähe, eine marktorientiertere Ausrichtung der Gesamtorganisation und verstärkte Anwendungsfokussierung besser genutzt werden.“

Bis 2024 soll Semperit sowohl organisch als auch anorganisch auf „deutlich mehr Umsatzvolumen anwachsen“, sagt das Unternehmen, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen. War bisher eine Ebitda-Marge von 10 Prozent ab 2020 angestrebt, will Semperit nun eine Marge von 13 Prozent bis 2024 erreichen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Mehr über den Noch-CFO von Semperit erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Frank Gumbinger.