Ströer

28.11.18
CFO

Ströer-CFO Metzner wechselt zu Gerresheimer

Der Werbevermarkter Ströer verliert seinen Finanzchef Bernd Metzner an Gerresheimer. Der Pharmazulieferer kompensiert damit den Abgang von Rainer Beaujean mit einem CFO, unter dem Ströer rasant gewachsen ist und der eine schwere Shortseller-Attacke abgewehrt hat.

Der Finanzchef des Werbevermarkters Ströer, Bernd Metzner, wechselt zum Düsseldorfer Pharmazulieferer Gerresheimer. Dies gaben beide Unternehmen kurz nacheinander bekannt. Bei Gerresheimer folgt Metzner auf Rainer Beaujean, der im September angekündigt hatte, das Unternehmen Ende April kommenden Jahres zu verlassen.

Einen Nachfolger für Metzner will Ströer im ersten Quartal bekanntgeben. Metzner kam im Juni 2014 zu Ströer und beerbte dort Alfried Bührdel. Davor war Metzner drei Jahre Finanzchef bei dem Familienunternehmen Döhler gewesen. Begonnen hat er seine Karriere im Bayer-Konzern, wo er unter anderem an der Abspaltung von Lanxess beteiligt war.

Bernd Metzner lieferte Umsatz- und Ebitda-Wachstum

Unter Metzners Führung hat Ströer im Geschäftsjahr 2016 beim Umsatz erstmals die Milliardenmarke geknackt. Der Umsatz legte zwischen 2014 und 2017 um rund 84 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) hat sich im gleichen Zeitraum von 148 auf 331 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Das Wachstum geht zu großen Teilen auf eine intensive M&A-Strategie zurück, dazu gehört unter anderem die Übernahme von T-Online im Jahr 2015. Daher ist unter Metzners Führung auch die Nettoverschuldung seit dem Geschäftsjahr 2014 um 66 Prozent auf 457,1 Millionen Euro an gestiegen.

Die Finanzierungsbasis passte Metzner an die gewachsene Unternehmensgröße an: Im Dezember 2016 stockte der CFO eine 480 Millionen Euro schwere Kreditlinie um 120 Millionen Euro auf. Die Finanzierungskosten konnten dabei nach Unternehmensangaben pro Jahr um rund 1 Million Euro gesenkt werden, da die Konditionen an den Investmentgrade-Status von Ströer angepasst worden seien. Metzner sicherte sich damals zudem das Recht, die Linie um weitere 100 Millionen Euro aufstocken zu können. 

Shortseller-Attacke durch Muddy Waters

Metzner hatte in seiner Zeit bei Ströer aber auch unangenehme Phasen zu überstehen, vor allem im April 2016. Damals ging der Shortseller Muddy Waters in einem 60-seitigen Bericht Ströer hart an. Die US-Amerikaner warfen Ströer unter anderem Insidergeschäfte und Bilanzierungsfehler vor. Ströer wies die Anschuldigungen entschieden zurück.

Der Leerverkäufer legte wenig später zwar nochmal nach, aber bis heute haben sich die Anschuldigungen nicht erhärtet. Dennoch kostete Ströer diese Attacke zwischenzeitlich rund ein Drittel des Börsenwertes. Dass die Aktie nicht noch stärker eingebrochen ist, dürfte auch an der Überzeugungsarbeit von Metzner in zahllosen Investorengesprächen zu dieser Zeit gelegen haben.

Ströer-Aktienkurs verdreifacht sich unter CFO Metzner

Unter dem Strich hat sich die Ströer-Aktie während Metzners Amtszeit positiv entwickelt. Notierte sie bei seinem Amtsantritt Mitte Juni 2014 noch bei 16 Euro, kostet sie heute 47,50 Euro und hat sich damit beinahe verdreifacht. Ende 2017 erreichte die Ströer-Aktie bei rund 65 Euro ihr Allzeithoch.

Wann genau startet Metzner bei Gerresheimer?

Ein kleines Tauziehen zwischen Metzners altem und neuem Arbeitgeber deutet sich hinsichtlich des genauen Datums seines Wechsels an. Formell ist Metzner ab dem 1. Juli nächsten Jahres frei für einen Start bei Gerresheimer. Der im MDax gelistete Pharmazulieferer deutet mit der Formulierung „spätestens zum 1. Juli“ aber an, dass er Metzner gerne schon früher an Bord holen möchte – aus gutem Grund, denn Noch-CFO Beaujean wird schon im Frühjahr gehen.

Ströer hingegen schreibt in einer eigenen Mitteilung, dass der Konzern im zweiten Quartal „einen reibungslosen Übergang“ von Metzner zu seinem noch zu bestimmenden Nachfolger „gewährleisten“ wolle.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de