Der CIRO: Pflicht für IR-Profis?

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13.11.14
CFO

Der CIRO: Pflicht für IR-Profis?

Die Berufsgruppe der IR-Manager ist bunt gemischt. Das Weiterbildungsprogramm „Certified Investor Relations Officer (CIRO)“ will die ehemaligen Controller, Analysten, BWLer, Juristen, Germanisten und Journalisten auf die IR-Arbeit vorbereiten. Was das Programm auszeichnet, zeigt Teil 3 unserer Serie „Karriereturbo Weiterbildung“.

„Der IR-Job ist ein typischer Quereinsteiger-Job“, sagt Patrick Kiss, Head of Investor & Public Relations der Deutschen EuroShop. „Es ist ein Nischenberuf, auf den man eher zufällig stößt.“ Da verwundert es nicht, dass diese Berufsgruppe bunt gemischt ist: Ehemalige Controller, Analysten, BWLer, Juristen, Germanisten und Journalisten arbeiten heute als IR-Manager. Viele von ihnen haben sich mit Hilfe von Zusatzqualifikationen auf ihren Tätigkeitsbereich als IR-Manager vorbereitet.

Eines dieser Weiterbildungsprogramme ist der „Certified Investor Relations Officer (CIRO)“, den der Deutsche Investor Relations Verband (DIRK) zusammen mit der Frankfurt School of Finance & Management entwickelt hat. Seit 2001 wird dieser Zertifizierungskurs ein- bis zweimal im Jahr – je nach Nachfrage – angeboten.

Damit ist der CIRO eine noch sehr junge Zusatzqualifikation. Insgesamt gibt es dem Deutschen Investor Relations Verband zufolge 197 CIRO-Absolventen. „Die Anzahl der Kursteilnehmer liegt jedoch deutlich über 250“, sagt Kay Bommer, Geschäftsführer des DIRK. Aber die Teilnehmerzahl bleibt absolut gesehen gering, was angesichts von derzeit rund 1.000 IR-Managern in Deutschland nicht verwundert.

Investor Relations als mögliches Karrieresprungbrett

Es ist deshalb auch davon auszugehen, dass keiner der heute in Deutschland tätigen CFOs einen CIRO-Abschluss hält. Das könnte sich in Zukunft ändern, denn immer wieder steigen IR-Manager zum CFO auf. Der Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori Seiki (ehemals Gildemeister) hat in diesem Frühjahr beispielsweise seinen bisherigen Leiter Capital Markets und Investor Relations, André Danks, zum neuen Finanzvorstand bestellt. Der heutige Haniel-CEO und frühere Lufthansa-Finanzchef, Stephan Gemkow, leitete von 1997 bis 2001 den Bereich Investor Relations bei der Deutschen Lufthansa. Der heutige Merck-CEO Karl-Ludwig Kley war von 1982 bis 1998 bei Bayer tätig und leitete dort zuletzt die Ressorts Finanzen und Investor Relations.

„Investor Relations ist für viele ein Karrieresprungbrett“, sagt Bommer. In vielen Fällen wirke der CIRO-Abschluss auch als Karrierebeschleuniger. Die Zahl der Stellenanzeigen im Bereich Investor Relations, die bevorzugt nach CIRO-Absolventen suchen, steigt ebenfalls beständig.

Das sechsmonatige CIRO-Weiterbildungsprogramm richtet sich an Arbeitnehmer, die im Bereich Investor Relations arbeiten wollen oder deren Unternehmen einen Börsengang planen oder sich stärker auf den Kapitalmarkt ausrichten möchten. „40 bis 50 Prozent der CIRO-Teilnehmer haben einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund, 30 bis 40 Prozent kommen aus dem kommunikationstechnischen Bereich“, sagt der DIRK-Geschäftsführer. Die restlichen Teilnehmer haben einen eher exotischen Hintergrund und sind Biochemiker, Historiker, Naturwissenschaftler, oder Juristen.

Sie werden im Rahmen des CIRO-Weiterbildungskurses in verschiedenen Themengebiete wie die Funktionen und Instrumente des Kapitalmarkts, Rechnungslegung und Analyse, rechtliche Rahmenbedingungen der Investor-Relations- Arbeit sowie Formen und Instrumente der Kommunikation eingeführt. Dabei setzt der Kurs sowohl auf das Selbststudium mit Hilfe von Studienbriefe als auch auf Online-Tutorien sowie fünf zweitägigen Präsenzveranstaltungen.

CIRO: endgültige Durchfallquote vergleichsweise gering

Eine schriftliche und mündliche Prüfung schließen den CIRO-Weiterbildungskurs ab. Die Durchfallquote variiert. „Wir haben von 0 bis 80 Prozent je Studiengang schon alles gehabt“, sagt Bommer. Die meisten Teilnehmer, die durchfielen, schafften die Prüfungen aber dann in einem der folgenden bis zu drei möglichen Wiederholungen. „Die Quote derjenigen, die endgültig durchfallen, ist vergleichsweise gering“, sagt der DIRK-Geschäftsführer.

Inwiefern sich der CIRO nach erfolgreichem Bestehen auf das Gehalt auswirkt, ist nicht pauschal zu beantworten. Je nach Verhandlungsgeschick dürfte sich diese Zusatzqualifikation aber wie auch der MBA und der CFA bemerkbar machen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Das Weiterbildungsprogramm Certified Investor Relations Officer (CIRO)

Anbieter: Deutscher Investor Relations Verband (DIRK) in Zusammenarbeit mit der Frankfurt School of Finance & Management
Inhalte: In den fünf Kapiteln ‚Grundlagen der Investor Relations‘, ‚Der Kapitalmarkt – Funktionen und Instrumente‘, ‚Rechnungslegung und Analyse‘, ‚Rechtliche Rahmenbedingungen der Investor Relations‘ sowie ‚Kommunikation – Formen und Instrumente‘ soll den Teilnehmern vor allen Dingen die Breite und Vielschichtigkeit der Aufgaben eines IR-Managers vermittelt werden.
Aufwand: berufsbegleitend über sechs Monate, fünf Mal zweitägige Präsenzveranstaltungen, Bestehen der Abschlussprüfung
Kosten des Programms: Der Preis für den gesamten Studiengang beträgt für DIRK-Mitglieder 9.500 Euro und für Nicht-Mitglieder 11.000 Euro. Die Buchung einzelner Module ist möglich. 2.000 Euro für Modul A, B und D, alle anderen Module sowie die Prüfung 2.500 Euro. Für Nicht-Mitglieder beträgt der Preis pro Modul jeweils 500 Euro mehr). Die Preise verstehen sich jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer.

Quelle: Deutscher Investor Relations Verband (DIRK)

Weitere Informationen zu anderen Zusatzqualifikationen finden Sie auf unserer Themenseite Weiterbildung im Finanzbereich.