Christina Johansson ist ab dem 1. Dezember neue Finanzchefin des Industriedienstleisters Bilfinger.

Bilfinger, Montage von FINANCE

30.11.18
CFO

Die Baustellen der neuen Bilfinger-CFO

Christina Johansson tritt morgen ihren neuen Posten als Finanzchefin von Bilfinger an. Sie soll den seit langem strauchelnden Industriedienstleister zurück ins Investmentgrade führen – eine schwierige Aufgabe.

Am morgigen 1. Dezember tritt Christina Johansson offiziell die Stelle als Bilfinger-Finanzchefin an. Bei dem Industriedienstleister wird die 1966 geborene Managerin die vierte CFO seit 2015. Sie folgt auf Klaus Patzak, der die Mannheimer Ende September verlassen hat.

Ihre neue Aufgabe ist keine leichte: Bilfinger leidet immer noch unter einem aggressiven M&A-Kurs, den das frühere Management um CEO Roland Koch und CFO Joachim Müller vor einigen Jahren vorangetrieben hat. Der Plan damals war, Bilfinger vom Baukonzern zum Industriedienstleister umzubauen.

Jedoch hakte es vor allem bei der Integration der zahlreichen Zukäufe, weshalb Bilfinger immer wieder seine Prognosen revidieren musste. Regelmäßig medial hochkochende Compliance-Skandale setzten das Unternehmen zusätzlich unter Druck. 

Aktienrückkauf von Bilfinger abgeschlossen

Das hat den Aktienkurs in den vergangenen Jahren massiv belastet: War ein Bilfinger-Wertpapier 2014 noch über 90 Euro wert, notieren die Aktien derzeit knapp über 30 Euro. Genau hier wird CFO Johansson, die die schwedische und schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt, ansetzen müssen.

Bei der Wiederbelebung des Kurses des SDax-Konzerns kämpft sie allerdings mit verschiedenen Störfaktoren. Zum einen ist vor kurzem das 150 Millionen Euro schwere Aktienrückkaufprogramm von Bilfinger ausgelaufen. „Dieses hat dem Kurs immer einen Boden gegeben“, kommentiert ein Analyst, der anonym bleiben will. „Es trauen sich kaum Shortseller in eine Aktie, wenn sie wissen, dass das Unternehmen notfalls Wertpapiere aufkauft.“ 

Entwicklung der Bilfinger-Aktie seit April 2014

Erschwerend kommt hinzu, dass Bilfinger bis Oktober von einem hohen Ölpreis profitiert hat, der in den vergangenen Wochen aber massiv eingebrochen ist. Bilfinger macht einen großen Teil seines Umsatz mit der Öl- und Gasindustrie, weshalb der Aktienwert stark mit den Rohstoffpreisen korreliert.

Den Unwägbarkeiten zum Trotz wird die neue Finanzchefin die kommenden Wochen nutzen müssen, um das Vertrauen des Kapitalmarkts und der Investoren zu gewinnen. Eine wichtige Voraussetzung dafür bringt sie schon einmal mit: Die vergangenen zwei Jahre war sie CFO des in der Schweiz notierten Maschinenbauers Bucher Industries und ist somit ein bekanntes Gesicht am Kapitalmarkt.

CFO Johansson soll Bilfinger ins Investmentgrade führen

Das Vertrauen der Investoren wird Johansson schnell auf die Probe stellen müssen. In fast genau einem Jahr läuft eine Bilfinger-Anleihe über 500 Millionen Euro aus. Medienberichten zufolge hatten die Mannheimer im Oktober versucht, einen Bond zu platzieren, den Versuch aber aufgrund widriger Marktbedingungen wieder abgesagt.

Bilfinger verfügt über eine Nettoliquidität von 16 Millionen Euro.

Wie Bilfinger die Anleihe aus dem Jahr 2013 refinanziert, wird eine der ersten wichtigen Entscheidungen von CFO Johansson sein. Der Industriedienstleister verfügt über eine Nettoliquidität von 16 Millionen Euro und hat somit etwas finanziellen Spielraum, um sich mit verschiedenen Refinanzierungsoptionen zu beschäftigen.

Die Refinanzierung könnte dann die Grundlage für einen wichtigen Meilenstein sein, den Finanzchefin Johansson erreichen soll: Bilfinger will mittelfristig zurück ins Investmentgrade, wie das Unternehmen unlängst bei der Veröffentlichung des Neunmonatsbericht verkündet hat. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet das Unternehmen mit „BB“ derzeit noch eine Stufe darunter. 

Bilfinger will 2018 Breakeven erreichen

Dass Vorgänger Patzak ihr ein aufgeräumtes Finanzressort hinterlässt, spielt Christina Johansson beim Abarbeiten der zahlreichen Baustellen in die Hände. Die Restrukturierung ist größtenteils abgeschlossen, die Umsätze und Aufträge steigen wieder. Im laufenden Geschäftsjahr will Bilfinger nun den Breakeven beim Nettoergebnis erreichen.

Dadurch könnte Johansson die erste neue Bilfinger-Finanzchefin seit langer Zeit sein, die sich nicht allzu sehr mit Altlasten herumschlagen muss. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern scheint sie zumindest eine realistische Chance zu haben, sich langfristig bei den Mannheimern halten zu können.

jakob.eich[at]finance-magazin.de