Air Berlin

05.01.16
CFO

Air-Berlin-Krise: Etihad schlägt harsche Töne an

Im Streit um die Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad schießt Etihad-CEO James Hogan gegen die Lufthansa und den deutschen Staat. Im Gesellschafterkreis der Berliner wächst die Nervosität – am Kapitalmarkt noch nicht.

Etihad Airways gibt im Kampf um die Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin nicht auf: Die arabische Fluggesellschaft hat Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg eingereicht, um die sogenannten Code-Share-Verbindungen doch noch durchzudrücken. „Wir werden alle Schritte einleiten, um unsere Investition, unsere Partnerschaft mit Air Berlin und das wettbewerbsfähige Angebot der deutschen Luftfahrt zu schützen”, sagt Etihad-CEO James Hogan. Die Airline hält seit 2011 insgesamt 29 Prozent an Air Berlin.

Das Verwaltungsgericht Braunschweig hatte Etihad und Air Berlin vom 16. Januar an die Gemeinschaftsflüge auf 31 der insgesamt 83 Code-Share-Verbindungen untersagt und damit eine Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums aus dem vergangenen Oktober bestätigt. Nach Etihad-Angaben handelt es sich lediglich um 29 Verbindungen.

Etihad-CEO James Hogan schießt gegen Lufthansa

CEO Hogan findet harsche Worte für diese Entscheidung, die sowohl auf den deutschen Branchenprimus Lufthansa als auch auf den deutschen Staat zielen. In einer Mitteilung wirft Etihad dem deutschen Verkehrsministerium vor, die Code-Sharing-Flüge mit Air Berlin vor allem aufgrund von Lobbyarbeit durch die Lufthansa gestrichen zu haben, nachdem man sie zuvor jahrelang ohne Bedenken habe durchführen können.

In der Tat hat das Bundesverkehrsministerium unter Alexander Dobrindt seine Genehmigungspraxis für die Gemeinschaftsflüge geändert und damit das bestehende Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten anders ausgelegt als in der Vergangenhiet. Der Streit schwelt schon seit zwei Jahren und war im Oktober eskaliert, als Dobrindt ankündigte, die Code Shares „letztmalig“ bis 15. Januar zu genehmigen. Die Bemühungen um eine bilaterale Neuverhandlung des Abkommens laufen derzeit noch ins Leere.

Hogan zeigt sich entrüstet: „Wir wurden ermutigt, in Air Berlin zu investieren. Seit der anfänglichen Investition mussten wir uns jedoch mit zahlreichen großen Herausforderungen beschäftigen“, so der CEO und schickt eine deutliche Warnung an die Politik hinterher: „Sofern die deutsche Regierung ihr Engagement für alle deutschen Unternehmen nicht sicherstellt, steht ihr Ruf als sicheres Land für Investitionen auf dem Spiel“.

Code Sharing ist extrem wichtig für Air Berlin

Ein Erfolg vor Gericht wäre für die angeschlagenen Berliner extrem wichtig, denn Vieles hängt von dem Code-Sharing ab: Seit 2012 habe die gemeinsame Auszeichnung von Flügen mit Etihad laut Hogan 252 Millionen Euro zum Gewinn von Air Berlin beigetragen und sei vor vier Jahren ein entscheidendes Kriterium für die Investitionsentscheidung der Araber gewesen.

Ginge der Kampf vor Gericht verloren, könnte es düster für Air Berlin werden, denn ein uneingeschränktes Bekenntnis zur Berliner Airline lieferte Etihad-CEO Hogan nicht. Er betonte zwar die „unveränderte Unterstützung“ für Air Berlin, zielt danach aber vor allem auf den Gerichtsentscheid ab.

Noch kein großer Druck vom Kapitalmarkt

Ohne die Erträge aus dem Code-Sharing mit Etihad und den regelmäßigen Cash-Injektionen des arabischen Großaktionärs wäre Air Berlin nur schwer in der Lage, diese Fremdmittel zu tilgen oder zu refinanzieren. Doch das Schicksal der Berliner liegt nicht nur in der Hand der Richter, sondern auch der Politik. Es gibt Stimmen, wonach die jetzt erfolgte Eskalation des Code-Sharing-Streits den bilateralen Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten Arabischen Emiraten neue Ernsthaftigkeit verleihen könnte. Ein politischer Deal zwischen Berlin und Abu Dhabi könnte mittelfristig sogar den Weg für eine Ausweitung der Code-Share-Verbindungen von Air Berlin und Etihad ebnen.

Gut für Air Berlin: Der Druck vom Kapitalmarkt ist derzeit nicht besonders hoch, da erst im Herbst eine ausstehende Anleihe planmäßig getilgt worden ist. Bis zur nächsten Fälligkeit sind es noch mehr als zwei Jahre hin – knapp die Hälfte dieser Zeit dürfte Air Berlin haben, um auf politischer oder juristischer Ebene das Code-Share-Problem zu lösen.

Doch sollte sich in den nächsten Monaten keine Bewegung in dieser Sache abzeichnen, könnte es den Bonds von Air Berlin wie jenen des Schrottrecyclers Scholz gehen. Lange Zeit ignorierten die Investoren die sich zuspitzende Situation des Unternehmens, bis plötzlich im November vergangenen Jahres die ausstehende Anleihe des Familienunternehmens förmlich einbrach, als sich die Gelassenheit der Investoren verflüchtigte. Inzwischen notiert Scholz nur noch bei 40 Prozent des Nennwerts.

Air Berlin hängt am Tropf von Etihad

Sollte das Oberverwaltungsgericht aber gegen Etihad und Air Berlin entscheiden und sich in der politischen Arena nichts tun, wäre es fraglich, ob Air Berlin für die Araber noch einen langfristigen strategischen Wert haben kann. Die Zahlen sehen düster aus, nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015 liegt das Ebit Air Berlins bei minus 94 Millionen Euro und der Konzernverlust bei 191,4 Millionen Euro. Air Berlin schreibt seit dem Börsengang 2006 nahezu durchgängig rote Zahlen.

Gleichzeitig ist Air Berlin finanziell von Etihad abhängig, die Araber stellen ein Gesellschafterdarlehen über 255 Millionen Dollar, eine Wandelanleihe über 300 Millionen Euro sowie eine Sammelanleihe, aus der Air-Berlin-CFO Arnd Schwierholz erst vor wenigen Monaten 118 Millionen Euro erhalten hat. Ohne diese Mittel wäre das Liquiditätspolster von Air Berlin nach der Rückzahlung des im vergangenen November ausgelaufenen Bonds über rund 200 Millionen Euro wohl sehr schmal geworden. 

Die beiden ausstehenden Anleihen liegen derzeit unter 100 Prozent: Die Anleihe 2018 steht aktuell bei 96,2 Prozent, die Anleihe 2019 bei 91,5 Prozent. Das Gesamtvolumen der ausstehenden Bonds beträgt 395 Millionen Euro.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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