Ralph Breuling

03.05.16
CFO

CFO des Monats: Ralph Breuling

Am Markt für Mittelstandsanleihen gibt es keinen Hoffnungsschimmer. Keinen? Doch: Karlsberg. CFO Ralph Breuling hat bei der Emission hoch gepokert – und gewonnen.

German Pellets: pleite, Steilmann: pleite, Singulus und Scholz: Haircut unausweichlich. Allein in diesem Jahr gab es schon eine Reihe von Hiobsbotschaften für das Mini-Bond-Segment. Erfolgreiche Neuemissionen suchte man vergebens. Bis Karlsberg-CFO Ralph Breuling kam: 40 Millionen Euro sammelte die saarländische Brauerei mit ihrer zweiten Mittelstandsanleihe ein. Bereits am ersten Zeichnungstag waren die Orderbücher um 14 Uhr so stark überzeichnet, dass Karlsberg die Transaktion schließen konnte.

Für Finanzchef Breuling ist das ein großer Erfolg. Anderthalb Jahre vor der Fälligkeit hat er die 2012 emittierte Anleihe refinanziert und dabei auch noch die Zinskosten gesenkt: Statt 7,375 Prozent muss Karlsberg für den neuen Bond nur noch 5,25 Prozent zahlen. Und ganz nebenbei hat der CFO auch noch bewiesen, dass das Segment Mittelstandsanleihe für Emittenten mit einem ordentlichen Track Record durchaus noch zugänglich ist. „Ich hoffe, dass unser Erfolg auch ein Signal an andere solide Emittenten ist: Es geht noch etwas“, sagte Breuling gegenüber FINANCE.

Karlsberg-CFO Ralph Breuling refinanziert vorzeitig

Offenbar waren aber auch Karlsberg und die beiden Emissionsbanken, das Bankhaus Lampe und die IKB, von dem Ansturm auf das Papier überrascht. Breuling hatte eine Mindestschwelle von 30 Millionen Euro bei der Emission eingerichtet. Bei weniger Nachfrage hätte Karlsberg die Transaktion abgeblasen: „So wollten wir vermeiden, dass wir am Ende zwei Finanzierungen aufnehmen müssen, um die 2012er-Anleihe zu refinanzieren“, erklärt der seit 2010 amtierende CFO. Mutig findet er das nicht: „Wir hätten ja noch anderthalb Jahre Zeit gehabt für die Refinanzierung.“

Karlsberg hat das Papier konservativ bepreist: Der Kupon von 5,25 Prozent lag am unteren Ende der Preisspanne. „Das legt nahe, dass vielleicht sogar noch mehr drin gewesen wäre. Allerdings stand für uns die Transaktionssicherheit im Vordergrund“, sagt Breuling. Dass Karlsberg das Pricing nicht ausreizen wollte, war auch den schlechten Erfahrungen anderer Emittenten geschuldet: Schließlich wurde die Mehrzahl der zurückliegenden Emissionen von Mittelstandsanleihen entweder abgeblasen oder deutlich unterhalb des Zielvolumens platziert, beispielsweise bei dem österreichischen Immobilienentwickler Eyemaxx und dem Spielwarenhändler Royalbeach.

Breuling lässt sich von Mini-Bond-Skandalen nicht verunsichern

Breulings Aussagen zufolge war es aber nicht der Mangel an Alternativen, der Karlsberg erneut den Mini-Bond-Markt anzapfen ließ: „Wir hätten auch eine Bankfinanzierung oder einen Schuldschein machen können“, behauptet der CFO. Bei letzterem habe man bereits sehr konkrete Prüfungen angestellt, sich aber dagegen entschieden: „Wir wollten eine wirklich bankenunabhängige Finanzierung in unserem Mix.“ Bei Schuldscheinen treten in der Regel Banken als Investoren auf.

Angst davor, mit anderen Skandalemittenten von Mittelstandsanleihen in einen Topf geworfen zu werden, hatte der CFO nicht: „Wir wussten, dass wir in den vergangenen vier Jahren gute Arbeit geleistet haben – sowohl im Hinblick auf unser operatives Geschäft als auch bei der Kapitalmarktkommunikation.“ Nie habe man eine Frist ausgereizt, immer habe man zeitnah kommuniziert und sei sehr transparent gewesen. Der Kapitalmarkt hat das honoriert: Die 2012er Anleihe von Karlsberg notierte trotz der Querelen des Segments immer über ihrem Nennwert.

Aber was ist mit Investoren, die sich im Angesicht der jüngsten Skandale völlig von dem Segment zurückgezogen haben? „Das war in der Tat der größte Unsicherheitsfaktor bei der Transaktion“, räumt Breuling ein. „Es gibt einige institutionelle Investoren, die gemäß ihrer Vorgaben grundsätzlich nicht mehr in Mittelstandsanleihen investieren dürfen.“ Der CFO schätzt aber, dass etwa ein Drittel der institutionellen Anleger dem Unternehmen treu geblieben sind: „Bei den privaten Anlegern waren es deutlich mehr.“

Breuling kam Anfang 2009 als Restrukturierungsberater zu Karlsberg

Bemerkenswert ist aber nicht nur die jüngste Transaktion von Breuling. Der CFO, der Anfang 2009 als Restrukturierungsberater bei Karlsberg angeheuert hatte, formte aus dem ehemals verschwiegenen Familienunternehmen einen kapitalmarktorientierten Mittelständler. „Schon allein aus diesem Grund wollten wir uns jetzt nicht wieder vom Kapitalmarkt verabschieden“, sagt Breuling. „Wir wollen die entsprechenden Finanzierungsinstrumente dauerhaft für uns erschließen.“

Der ehemals selbstständige Berater hält den Kapitalmarktzugang für Mittelständler für immens wichtig und engagiert sich deshalb auch für die geplante EU-Kapitalmarktunion: „Wenn zeitgleich das Segment in Deutschland verschwindet, wäre das ein schlechtes Signal“, glaubt Breuling. Allerdings braucht es mehr als eine erfolgreiche Transaktion, um den Markt für Mittelstandsanleihen in Deutschland zu retten.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Für herausragende Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.

 

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