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20.04.16
Finanzierungen

Karlsberg platziert Mittelstandsanleihe im Eiltempo

Der Mini-Bond-Markt hatte jüngst nur schlechte Überraschungen zu bieten. Jetzt kann die Brauerei Karlsberg einen Erfolg vorweisen. CFO Ralph Breuling hatte hoch gepokert.

Positive Überraschung am angeschlagenen Mini-Bond-Markt: Die saarländische Brauerei Karlsberg hat noch vor Beendigung der Zeichnungsfrist ihre zweite Mittelstandsanleihe platziert. Bereits am ersten Zeichnungstag waren die Bücher um 14 Uhr stark überzeichnet, so die Homburger, die keine Verbindungen zum dänischen Wettbewerber Carlsberg haben.

Insgesamt konnte Karlsberg wie geplant 40 Millionen Euro platzieren, der Kupon liegt mit 5,25 Prozent sogar am unteren Ende der im Vorfeld mitgeteilten Zinsspanne. Ein Fünftel der Zeichnungen entfällt auf private Investoren.

Die neue Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren, kann aber ab dem 28. April 2019 zu einem Kurs von 101,5 Prozent vorzeitig gekündigt werden. Ab 2020 sinkt der Rückkaufskurs dann auf 100,5 Prozent. 30 Millionen aus der Neuemission will Karlsberg nutzen, um die alte Anleihe komplett abzulösen. Für diese musste CFO Ralph Breuling seinen Investoren bisher 7,375 Prozent bezahlen. Die Anleihe läuft eigentlich bis September 2017, kann jedoch vorzeitig zu einem Kurs von 101 Prozent zurückgekauft werden.

Karlsberg hatte eine Mindestschwelle eingebaut

Die restlichen 10 Millionen Euro aus dem Emissionserlös fließen in die Mitfinanzierung von Investitionen, wie es in einer Mitteilung der Brauerei heißt. Begleitet wurde die Transaktion von Bankhaus Lampe und IKB Deutsche Industriebank als Joint Book Runner und Heuking Kühn Lüer Wojtek als Rechtsberater.

Die Homburger haben in den vergangenen Wochen stark die Werbetrommel gerührt, doch angesichts der desolaten Lage am Markt für Mittelstandsanleihen – es hagelte Pleiten und Bondrestrukturierungen, Neuemissionen wurden abgeblasen oder unterhalb des Zielvolumens platziert – waren Beobachter skeptisch, ob die Karlsberg-Platzierung tatsächlich von Erfolg gekrönt sein würde.

Hinzu kam, dass Karlsberg anders als die meisten Emittenten eine Mindestschwelle eingebaut hatte, die bei 30 Millionen Euro lag – bei weniger Interesse wäre die Platzierung nicht vollzogen worden. Dies hatte den Druck noch weiter erhöht. Aber offensichtlich hat Karlsberg-CFO Ralph Breuling das Investoreninteresse richtig eingeschätzt. 

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Zuletzt sorgte der Mini-Bond-Markt vor allem mit Ausfällen und Insolvenzen für Schlagzeilen. Die FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen liefert eine Übersicht.

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