Heike Fölster ist seit 2013 Finanzchefin des Flughafens Berlin-Brandenburg.

Flughafen Berlin-Brandenburg

03.11.16
CFO

CFO Fölster: „Flughafen Berlin ist wirtschaftlich erfolgreich“

Der Flughafen Berlin-Brandenburg ist eher für seine Pannen als für gutes Finanz-Management bekannt. Zu Unrecht, meint CFO Heike Fölster. Im Interview erklärt sie, wie sie dem BER 2,5 Milliarden Euro frisches Kapital gesichert hat.

Frau Fölster, Sie sind seit drei Jahren Finanzchefin des vielleicht umstrittensten Unternehmens Deutschlands, des Flughafens Berlin-Brandenburg. Wie ist der Job als CFO des BER?
Meine Aufgabe macht mir Freude, aber die Position ist zugegebenermaßen manchmal auch etwas undankbar. Durch die diversen Verzögerungen und Pannen haben wir – zum Teil zu Recht – in der Vergangenheit viel negative Aufmerksamkeit erhalten. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg  ist wirtschaftlich gesehen aber ein erfolgreiches Unternehmen.

Meinen Sie das ernst?
Absolut. Wir sind eine florierende Flughafengesellschaft. Der Umsatz unserer Bestandsflughäfen in Tegel und Schönefeld liegt derzeit 11 Prozent über der Vorjahreszahl und wird zum Jahresende voraussichtlich 360 Millionen Euro betragen. Unser Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird den Vorjahreswert um 20 Prozent übersteigen und bei etwas mehr als 90 Millionen Euro liegen.

Bleiben die über 200 Millionen Euro schweren Abschreibungen und Zinsen durch die weiterhin verzögerte Eröffnung des neuen Flughafens. Diese führten 2015 zu einem Konzernfehlbetrag in Höhe von 137 Millionen Euro.
Das stimmt. Aber wir rechnen damit, dass der BER zwei Jahre nach Eröffnung schwarze Zahlen schreibt. Operativ sind wir profitabel. Momentan haben wir zudem relativ geringe Einnahmen durch den Bereich Non-Aviation, also Umsätze, die etwa durch Gastronomie, Dienstleistungen und Shopping im Flughafen entstehen. Dieser Bereich wird sich mit der Eröffnung des BER nahezu verdoppeln – von derzeit unter 20 Prozent der Gesamtumsätze auf mehr als 30 Prozent. Aus kaufmännischer Sicht ist es extrem wichtig, dass die Eröffnung bald kommt.

BER-CFO Heike Fölster: „Denken über einen Schuldschein nach“

Finanziell haben Sie sich wieder Luft verschafft: In diesem Sommer haben Sie dem BER eine wichtige Finanzierung gesichert und 2,2 Milliarden Euro frisches Geld eingenommen. Was haben Sie genau gemacht?
Wir haben bereits 2013 ermittelt, dass wir diesen Finanzierungsbedarf haben. Die Hälfte des Geldes haben unsere Gesellschafter, die Länder Berlin und Brandenburg und die Bundesrepublik Deutschland, über Darlehen zur Verfügung gestellt. Die Laufzeit beträgt 20 Jahre. Zudem haben wir bei sieben Banken einen Konsortialkredit über 2,5 Milliarden Euro in zwei Tranchen aufgenommen. Die eine ist ein Festsatzkredit, die andere können wir variabel in Anspruch nehmen. Mit dem aufgenommen Geld refinanzieren wir auch vorzeitig einen syndizierten Kredit aus dem Jahr 2009 mit einem Volumen von 1,4 Milliarden Euro, der in drei Jahren ausgelaufen wäre.

Dadurch dürften Sie aufgrund der niedrigeren Zinsen kräftig Geld sparen.
Richtig. Durch die neue Struktur sparen wir über zehn Jahre fast einen dreistelligen Millionenbetrag.

Wieso hat es drei Jahre gedauert, ehe die Finanzierung durch war?
Das lag an der Gesellschafterfinanzierung. Die EU-Kommission musste die Gelder bewilligen, weil wir uns als privates Unternehmen in öffentlicher Hand in einer sehr speziellen Situation befinden. Die Maßgabe der EU ist: Würde ein privater Investor dieses Engagement eingehen? Das Vorgehen ist sehr formalistisch und dauert, denn der Kredit soll keine Beihilfe sein. Wir mussten unseren Businessplan sehr genau darlegen. Im August hat Brüssel dann grünes Licht gegeben für unsere neue Finanzierung.

Die Eigentümerverhältnisse haben die Verhandlungen aber auch erleichtert. Immerhin bürgen die Länder und der Bund für den BER. Davon können Industrieunternehmen nur träumen.
Das hilft enorm, das stimmt. Die Ratingagentur Moody’s ratet uns mit A1 im Investmentgrade – das ist eine bessere Bewertung als die von Daimler, SAP oder Bayer.

Steht die Finanzierung des BER jetzt oder planen Sie noch weitere Transaktionen?
Derzeit sind wir ausfinanziert. Wenn wir weiterhin so kräftig wachsen, dann müssen wir die Finanzierung gegebenenfalls anpassen. In dem Fall denken wir darüber nach, einen Schuldschein zu platzieren.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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