CFO Markus Warncke folgt mit den Dividendenvorschlägen bei Villeroy & Boch einer definierten Leitlinie.

Villeroy & Boch

01.04.15
CFO

Dividenden: CFO Markus Warncke über die Strategie von Villeroy & Boch

Der Keramikproduzent Villeroy & Boch muss viele Interessen bedienen: Neben den Vorzugsaktionären sind über die Stammaktien mehr als 200 Familiengesellschafter beteiligt. CFO Markus Warncke verrät, warum das Unternehmen auf feste Leitlinien für die Dividende setzt und unter welchen Voraussetzungen es davon abweicht.

Markus Warncke, Sie sind seit Anfang dieses Jahres Finanzvorstand von Villeroy & Boch. Zum Einstand auf der neuen Position konnten Sie den Aktionären gleich eine gute Botschaft überbringen: Die Dividende steigt. Wonach richtet sich die Höhe der Ausschüttung?
Grundsätzlich gilt als Richtwert, dass wir 50 Prozent des operativen Gewinns an die Aktionäre ausschütten. Das operative Ebit vor Sondererträgen lag im Geschäftsahr 2014 bei 38,4 Millionen Euro und damit rund 2,2 Millionen Euro über dem Vorjahresergebnis. Dadurch steigt auch die Dividende: Vorzugsaktionäre erhalten in diesem Jahr 44 Cent und damit 2 Cent mehr als im Vorjahr. Die Besitzer der Stammaktien beziehen eine Dividende von 39 Cent.

Diese Unterteilung in Stamm- und Vorzugsaktien ist nicht alltäglich. Wie kam es dazu?
Die Stammaktien sind nicht börsennotiert und liegen nach wie vor in den Händen der Nachfahren der Gründerfamilien. Zum Börsengang von Villeroy & Boch 1990 wurden die stimmrechtslosen Vorzugsaktien eingeführt. Ihr Vorzug liegt darin, dass sie bei der Dividendenausschüttung besser gestellt werden.

Wie genau sieht das aus?
Beim Börsengang wurde in der Satzung festgeschrieben, dass die Dividende für unsere Vorzugsaktionäre um 5 Cent über der Ausschüttung für die Stammaktionäre liegen muss. Zudem bekommen Sie eine Mindestdividende von 13 Cent pro Jahr. Sollte diese ausfallen, müssen wir sie mit späteren Dividendenausschüttungen nachzahlen. Diese konstanten Dividendenzahlungen sind den Eigentümern wichtig. Zu unseren Vorzugsaktionären zählen viele Pensionsfonds und Rentenkassen. Die regelmäßige Dividende ist für sie ein wichtiges Argument für das Investment. Daher ist es unser Ziel, 50 Prozent des operativen Gewinns auszuschütten.

In den vergangenen Jahren ist Ihnen die konstante Ausschüttung immer gelungen – mit einer Ausnahme: Für das Geschäftsjahr 2009 mussten die Aktionäre auf eine Ausschüttung verzichten.
Das stimmt. Wir hatten in diesem Jahr nach dem Ausbruch der Finanzkrise ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt, wir mussten Produktionsstätten stilllegen und Standorte schließen. Dadurch fiel ein Verlust an, und wir konnten keine Gewinne ausschütten. Im Folgejahr stand die Dividende ebenfalls auf der Kippe: Villeroy & Boch bekam eine Kartellstrafe über mehr als 70 Millionen Euro auferlegt, die das Ergebnis im Geschäftsjahr 2010 belastet hat. Wir haben uns aber unter Investor-Relations-Gesichtspunkten bewusst dafür entschieden, für das Jahr 2010 eine Dividende von 20 Cent an die Vorzugsaktionäre auszuschütten. Zwei Jahre in Folge wollten wir die Dividende nicht ausfallen lassen. 

CFO Markus Warncke: „Die Hälfte der Gewinne bleibt uns“

Haben Sie keine Angst, dass die konstanten Ausschüttungen die Substanz des Unternehmens gefährden könnten?
Nein, uns bleiben auch in einem Jahr mit regulärer Dividendenzahlung im Normalfall etwa 50 Prozent des operativen Gewinns, um die Substanz zu stärken und Investitionen zu tätigen. Auch Sondererträge aus dem nicht-operativen Geschäft betrachten wir separat. Derzeit läuft beispielsweise der Verkauf von Grundstücken in Schweden. Daraus erwarten wir über mehrere Jahre einen Sonderertrag von 17 Millionen Euro vor Steuern. Dieser wird im Unternehmen verbleiben.

Villeroy & Boch macht inzwischen weltweit gut 766 Millionen Euro Umsatz und versteht sich trotz der Börsennotierung immer noch als Familienunternehmen. Wie groß ist das Mitspracherecht der Gründerfamilien, wenn es um die Ausschüttung geht?
Wir wenden uns mit unserem Dividendenvorschlag an den Aufsichtsrat. Zu ihm gehören sechs Vertreter der Arbeitnehmer sowie sechs Vertreter der Anteilseigner, davon drei Familienmitglieder. Diese halten den Kontakt zur Familie, holen ein Stimmungsbild ein und geben dann im Aufsichtsrat ihr Votum auch im Namen der Familie ab. Das macht es auch für mich als Vorstand einfacher: Wir haben inzwischen mehr als 200 Familienaktionäre der achten und neunten Generation – die alle zu koordinieren, wäre ohne diese Anbindung nicht möglich.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Markus Warncke ist seit 2001 im Finanzbereich von Villeroy & Boch tätig und leitete in der Vergangenheit den Bereich Revision und M&A, den Finanzbereich im Geschäftsfeld Wellness und Armaturen sowie die Treasury-Abteilung und das Group Financial Controlling. Seit Januar 2015 ist er Mitglied im Vorstand. Mehr über die Karriere des heutigen Villeroy & Boch-Finanzchefs finden Sie im Steckbrief zu Markus Warncke in unserem Community-Portal FINANCE-Köpfe. Weitere Interviews mit interessanten Finanzchefs finden Sie auf unserer Themenseite CFO-Interviews