Deutsche Beteiligungs AG

11.08.14
CFO

Dürr macht erneut M&A-Deal mit der DBAG

Nur wenige Wochen nach der Homag-Übernahme macht Dürr erneut ein Geschäft mit dem PE-Investor DBAG und bringt seine Flugzeugmontagesparte in das DBAG-Unternehmen Broetje Automation ein. Sowohl Dürr als auch der DBAG verschafft der M&A-Deal interessante Optionen für den erwarteten DBAG-Exit bei Broetje.

Der MDax-Konzern Dürr, im Kerngeschäft Hersteller von Lackieranlagen für die Automobilindustrie, bringt sein Geschäft mit Flugzeugmontagetechnik, das 35 Millionen Euro im Jahr umsetzt, in die Broetje Automation ein, ein Portfoliounternehmen der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) . Dürr erhält im Gegenzug eine 11-Prozent-Beteiligung an Brötje Automation sowie einen nicht bezifferten Kaufpreis in bar.

Mit dem M&A-Deal wollen Dürr und die DBAG einen Full-Service-Anbieter schaffen: Während Broetje nach eigenen Angaben in der Bohr- und Niettechnik führend ist, bietet Dürr Fördertechnik und Systeme an, mit denen Bauteilen positioniert und vermessen werden. Das neu formierte Unternehmen kommt demnach auf ein Umsatzvolumen von 150 Millionen Euro im Jahr. 

Die DBAG hatte Broetje Automation im Dezember 2011 von dem Landmaschinenhersteller Claas erworben, als Umsatz des neuen Portfoliounternehmens gab die DBAG damals 80 Millionen Euro an. Als ein strategisches Ziel wurde damals schon der Ausbau des Servicegeschäfts genannt.

Sucht Dürr den Exit oder eine Voll-Übernahme von Broetje Automation?

Die Transaktion eröffnet interessante Perspektiven für die Eigentümerstruktur von Broetje Automation, sollte die DBAG sich von ihrem Portfoliounternehmen trennen, was in wenigen Jahren passieren dürfte. Die vergleichsweise geringe Beteiligung von 11 Prozent, die Dürr jetzt erhalten hat, würde es der DBAG leicht machen, den kleinen Minderheitsanteil Dürrs mit zu verkaufen. Dies würde dann den Ausstieg Dürrs aus dem Geschäft mit Flugzeugmontagetechnik bedeuten.

Dass Dürr für seine Tochter, die zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung knapp ein Drittel des Broetje-Umsatzes erwirtschaftete, nur 11 Prozent der Anteile erhält, könnte zweierlei bedeuten: Eine These lautet, dass das Dürr-Geschäft deutlich ertragsschwächer ist als das des Wettbewerbers. Oder aber Dürr hat sich womöglich bewusst für eine hohe Cash-Komponente entschieden. In letzterem Fall könnte dies auf eine Exit-Präferenz des Dürr-Managements um CEO Ralf Dieter und CFO Ralph Heuwing hindeuten.

Eine Rückkaufsoption auf den eigenen Anteil oder gar eine Kaufoption auf den Mehrheitsanteil der DBAG an Broetje Automation hat sich Dürr nicht einräumen lassen, wie ein Unternehmenssprecher FINANCE gegenüber bestätigte.
Als Minderheitsaktionär dürfte Dürr – ein entsprechendes Kaufinteresse vorausgesetzt – freilich auch der erste Ansprechpartner der DBAG für die früher oder später anstehenden Verkaufsverhandlungen sein. Dann könnten Dieter und Heuwing einen breit aufgestellten Flugzeugmontagetechniker von substantieller Umsatzgröße zurück in ihren Konzern holen.

In die aktuelle Konzernstrategie würde eine solche Transaktion passen, schließlich haben Dieter und Heuwing mit dem vor wenigen Wochen angekündigten Kauf von Homag gezeigt, wie ernst sie es mit der Diversifikation des Autozulieferers aus Bietigheim-Bissingen meinen. Der Verkäufer von Homag war ebenfalls die DBAG.

Eine Übernahme von Broetje Automation würde aber wohl nicht an die Dimension der Homag-Übernahme herankommen, die sich Dürr inklusive Nettoschulden, Pensionsverpflichtungen und der Anteile der freien Aktionäre bis zu 500 Millionen Euro kosten lässt – ein Deal, für den FINANCE Dürr-CFO Ralph Heuwing als CFO des Monats Juli auszeichnete.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de