Dürr-CFO Ralph Heuwing ist für FINANCE der CFO des Monats Juli.

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04.08.14
CFO

CFO des Monats: Ralph Heuwing

Mit M&A-Deals haben sich schon viele Finanzchefs verhoben, und auch der jüngste Zukauf von Dürr-CFO Ralph Heuwing wird wohl kein Selbstläufer werden. Ein mutiger Schachzug, um die Konzernkasse zum Arbeiten zu bringen, ist der Homag-Deal aber allemal. Dafür kürt FINANCE Ralph Heuwing zum CFO des Monats Juli.

Diese Überraschung ist Dürr-CFO Ralph Heuwing und seinen Vorstandskollegen geglückt: Der Autozulieferer einigte sich Mitte Juli mit dem PE-Investor DBAG und weiteren Aktionären auf die Mehrheitsübernahme des Holzmaschinenbauers Homag.

Die Überraschung war auch deshalb groß, weil dem Käufer Dürr durch die Transaktion, die von den Kartellbehörden noch genehmigt werden muss, kaum Synergien winken: Homag erwirtschaftete mit Maschinen für die holzverarbeitende Industrie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 789 Millionen Euro. Nach der Mehrheitsübernahme bleibt Homag als eigenständige Einheit erhalten, auch das Börsenlisting soll weiter bestehen. Dürr hingegen produziert in erster Linie Lackieranlagen für Autofabriken.

Die Mehrheitsübernahme ist daher klar unter dem Stichwort Portfolioergänzung einzuordnen. Dürr versucht seit längerem, den Umsatzanteil des Automobilgeschäfts einzudämmen. In den vergangenen Jahren geschah dies unter anderem durch mehrere kleine M&A-Deals im noch jungen Geschäftsbereich Clean Technology Systems. Auch dafür war bereits CFO Heuwing verantwortlich.

Luxusproblem für Dürr-CFO Ralph Heuwing

Die Frage, wie man überschüssige Finanzmittel geschickt anlegt, steht bei Dürr noch nicht lange oben auf der Agenda. Noch vor rund zehn Jahren musste Dürr – damals in schwerer Schieflage – durch Verkäufe von Tochterfirmen seine Liquidität absichern. Im Mai 2007 kam der damalige Boston-Consulting-Partner Ralph Heuwing an Bord. Seitdem geht es bei Dürr steil bergauf.

Die gewachsenen Erträge – vor allem die extrem hohe Rentabilität des Geschäfts mit Kapitalrenditen von teilweise über 40 Prozent im Jahr – haben Heuwing aber auch unter Zugzwang gesetzt. Dürr bezeichnet 2013 als Rekordjahr, mit einem Umsatz von knapp 2,4 Milliarden Euro und einem Ebit von 203 Millionen Euro. Ende März – nach einer sehr erfolgreich verlaufenen Anleiheplatzierung  – verfügte der Konzern nach eigenen Angaben über eine Liquiditätsausstattung von 867 Millionen Euro. Den Nettofinanzstatus gab der Konzern zum Ende des ersten Quartals mit 312 Millionen Euro an.

Die Homag-Mehrheitsübernahme, die Dürr aus eigenen Mitteln bezahlen will, löst das Anlageproblem auf einen Schlag. Insgesamt sicherte sich Dürr im ersten Schritt 53,7 Prozent der Homag-Aktien, für die rund 219 Millionen Euro fällig werden. Den freien Aktionären, die 35,4 Prozent der Homag-Aktien halten, will Dürr ein öffentliches Übernahmeangebot über 26,35 Euro je Aktie machen, wofür Heuwing nochmal bis zu 130 Millionen Euro zur Seite legen muss. Hinzu kommen noch Nettoschulden von Homag über etwa 70 Millionen Euro.

Auf Basis der 2013er Zahlen ergibt sich für die Transaktion ein Kaufpreis-Multiple des 6,4-fachen Ebitda. Damit bezahlt Dürr weit weniger als das, was im Moment am M&A-Markt üblich ist, wenn Weltmarktführer aus dem deutschen Mittelstand den Besitzer wechseln.

Empfehlung für höhere Aufgaben?

Doch bei aller Freude über den geglückten M&A-Coup – der Erfolg ist keineswegs sicher. Noch ist zum Beispiel nicht bekannt, wie die bisherige Homag-Führung mit CEO Markus Flik und CFO Hans-Dieter Schumacher ihre Karriereperspektiven unter dem Konzerndach von Dürr einschätzt. Ein starkes Management ist für Homag aber wichtig, um weiterhin erfolgreich zu wirtschaften – und davon hängt letztlich auch der Erfolg des Investments für Dürr ab. Klassische weitere Argumente für einen M&A-Deal wie operative Synergien, Einsparpotential oder Kooperationsmöglichkeiten entfallen bei dieser Transaktion weitestgehend.

Ohne Risiken ist die Transaktion damit nicht, doch das sind gute Anlagemöglichkeiten letztlich selten. Und sollte es hart auf hart kommen, könnte eine weitestgehend selbstständig geführte Einheit wie Homag theoretisch auch schnell wieder aus dem Konzern herausgelöst und zum Verkauf gestellt werden.

Sicher ist: Der M&A-Deal ist so groß, dass die Dürr-Investoren in den kommenden Monaten genau beobachten werden, wie sich das Homag-Investment entwickelt. Die ersten Reaktionen fielen gemischt aus: Während die Aktionäre ihre Papiere in den Tagen nach der Transaktion in der Tendenz eher verkauften und der Kurs der Dürr-Aktie leicht nachgab, blieb die Anleihe stabil.

Fraglos wird der fällige Kaufpreis für die Homag-Aktien das Finanzprofil von Dürr auf kurze Sicht zunächst einmal schwächen. Die Entwicklung des Bonds zeigt aber, dass die Investoren scheinbar darauf setzen, dass Heuwing mit dem Homag-Deal erneut ein gutes Händchen beweisen wird. Erfüllt sich diese Hoffnung, hätte sich der Rendite-Treiber Heuwing mit Nachdruck für höhere Aufgaben empfohlen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Für ausgezeichnete Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen kürt FINANCE regelmäßig den CFO des Monats. Im Juni ging die Auszeichnung an Heidelberger-Druck-CFO Dirk Kaliebe. Der FINANCE CFO des Jahres wird davon unabhängig am Galaabend der 10. Structured FINANCE am 12. November in Karlsruhe gekürt.

 

Welche Finanzchefs außerdem noch ausgezeichnet worden sind, erfahren Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.