Die Aktie von Gerry Weber ist auf dem tiefsten Stand seit 14 Jahren. Sein Umsatzziel findet der Konzern inzwischen selbst „äußerst ambitioniert“.

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13.09.18
CFO

Gerry-Weber-Aktie bricht dramatisch ein

Bei den Aktionären von Gerry Weber schrillen die Alarmglocken: Das Unternehmen hat seine Verluste ausgeweitet, der Aktienkurs ist auf dem tiefsten Stand seit 2004. Jetzt wackelt auch die Prognose.

Der Modehändler Gerry Weber steuert immer weiter in die Krise: Wie die Westfalen am heutigen Donnerstag mitteilten, lag der Konzernumsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/18 bei 575,1 Millionen Euro und damit gut 7 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum (620,1 Millionen Euro). Allein im dritten Quartal betrug der Umsatzrückgang mehr als 11 Prozent. Als Grund nannte das Unternehmen die Strukturschwäche im stationären Bekleidungshandel und den heißen Sommer.

Auch Restrukturierungsaufwendungen belasten den Konzern. Erst vor wenigen Wochen hatte Gerry Weber angekündigt, dem bereits abgeschlossenen Programm „Fit4 Growth“ ein zweites Performance-Programm folgen zu lassen. Das schlägt sich in den Zahlen deutlich nieder: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel in den ersten neun Monaten um 31 Prozent auf 24,2 Millionen Euro. Das lag insbesondere an Einmalaufwendungen aus dem Restrukturierungsprogramm in Höhe von 6,8 Millionen Euro.

Das operative Ergebnis (Ebit) ist inzwischen deutlich negativ: Aufgrund der Restrukturierungskosten in Höhe von 8,2 Millionen Euro liegt das Ebit mit 9,8 Millionen Euro im Minus, nachdem es im Vorjahreszeitraum mit 0,2 Millionen Euro gerade noch positiv ausgefallen war.

Gerry-Weber-Aktie auf Talfahrt

Für das dritte Quartal vermeldet Gerry Weber einen Verlust von fast 11 Millionen Euro – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Das alarmiert auch die Anleger: Die Aktie fiel am Vormittag zeitweise unter 4,20 Euro. Damit erreichte sie den tiefsten Stand seit vierzehn Jahren. Im Laufe des Vormittags erholte sich der Kurs nur leicht auf Werte um 4,40 Euro. Zum Vergleich: Vor vier Jahren bewegte sich der Aktienkurs des damaligen MDax-Konzerns noch bei Werten um 33,50 Euro. Inzwischen ist Gerry Weber sogar aus dem SDax gefallen.

Die Nachrichtenagentur dpa zitierte den Analysten Christian Salis von der Privatbank Hauck & Aufhäuser mit der Einschätzung, die Ergebnisse im dritten Quartal seien „sehr, sehr schwach und noch schwächer als erwartet“. Er fürchtet eine Abwärtsspirale bei dem Modeunternehmen.

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Gerry Weber findet Prognose „ambitioniert“

CEO und Gründersohn Ralf Weber will das Geschäftsmodell nun weiterhin „mit Nachdruck“ umstellen und den Konzern schneller und flexibler machen. Dabei fehlt ihm allerdings die Unterstützung eines Finanzchefs: Der erst kürzlich zum CFO beförderte Jörg Stüber gab das Vorstandsamt nach wenigen Monaten wieder ab, um auf seine vorherige Position als Direktor Finanzen zurückzukehren. Damit ist der CFO-Posten des Bekleidungshändlers zurzeit nicht besetzt.

Seine Prognose für das Geschäftsjahr 2017/18 hat Gerry Weber zwar „im Kern bestätigt“, doch die Prognose wackelt: Das erneute Performance-Programm führt zu zusätzlichen Sonderbelastungen von voraussichtlich rund 15 Millionen Euro, von denen erst rund 8 Millionen Euro zum 31. Juli angefallen sind. Zudem werden Umsätze sich in das kommende Geschäftsjahr verschieben. Die Erreichung des Umsatzzieles von 830 bis 840 Millionen Euro sei entsprechend „äußerst ambitioniert“, räumte Gerry Weber ein. Das Management geht dagegen unverändert davon aus, inklusive der Sonderbelastungen am Ende ein Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen minus 10 und 0 Millionen Euro zu verbuchen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de