Gerry Weber schockiert den Kapitalmarkt mit einer Gewinnwarnung und einem neuen Restrukturierungsprogramm.

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14.06.18
CFO

Neue Hiobsbotschaften bei Gerry Weber

Zweites Restrukturierungsprogramm, Umsatz- und Gewinnwarnung, und keine Besserung in Sicht: Die schlechten Nachrichten um den Modekonzern Gerry Weber reißen einfach nicht ab. Die Aktie ist auf Talfahrt.

Bei Gerry Weber gibt es neue Hiobsbotschaften: Wie das Modeunternehmen mitteilte, wird es ein neues Restrukturierungsprogramm auflegen müssen, um profitabler zu werden. Gleichzeitig kassierte das Unternehmen seine Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Jahr. 

Im Rahmen des Konzernumbaus, den CEO Ralf Weber als „Revolution für Gerry Weber" bezeichnet, will das Modeunternehmen sein Geschäftsmodell umkrempeln. Das Performance-Programm umfasst insgesamt acht Teilprojekte: Produktentwicklung, Beschaffung, Retail, Wholesale, Logistik, IT, Support, und Digital. Gerry Weber will so die Kollektionen saison- und bedarfsgerechter an den Markt bringen, die Warensteuerung verbessern und Preisnachlässe reduzieren.

Außerdem wolle man sich die Kernmarken fokussieren, und „digital" stünde ab sofort bei allen Aktivitäten an erster Stelle. Deshalb will Gerry Weber in die Digitalisierung und IT investieren - wie viel, verriet das Unternehmen nicht. 

Gerry Weber will bis zu 150 Stellen streichen

Der Konzern ist zu komplex, weshalb Gerry Weber die Strukturen verschlanken möchte. Bei Sach- und Personalkosten will Gerry Weber 13 bis 15 Millionen Euro sparen und 140 bis 150 Vollzeitstellen streichen. Die zahlreichen Maßnahmen im Rahmen des Programms würden aber auch zu unerwarteten Sonderbelastungen über 15 Millionen Euro führen.

Außerdem würden sich Umsätze auf das nächste Jahr verschieben, und die Retail-Umsätze blieben auch hinter den Erwartungen zurück, begründet das Unternehmen die Anpassung der Umsätze und Gewinne.

Gerry Weber rechnet operativ maximal mit schwarzer Null

In Zahlen ausgedrückt: Der Umsatz von Gerry Weber ging zum Halbjahr gegenüber dem Vorjahr von 427,8 Millionen auf 404,7 Millionen Euro zurück. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im gleichen Zeitraum um fast die Hälfte von 6 Millionen auf 3,2 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr rechnet Gerry Weber nun nur noch mit maximal 840 Millionen Euro Umsatz. Beim Ebit würde bestenfalls eine schwarze Null geschrieben werden, jedoch sei auch ein Verlust von 10 Millionen Euro möglich.

Durch das Restrukturierungsprogramm erhofft sich Gerry Weber, die Kosten im mittleren zweistelligen Millionenbereich zu senken. Das Ebit solle dagegen innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre jährlich um 35 bis 40 Millionen steigen.

Gerry Weber hat schon Restrukturierung hinter sich

Die Botschaften haben den Aktienkurs von Gerry Weber stark belastet. Die Aktie gab zwischenzeitlich um 12 Prozent nach und sackte auf 6,10 Euro ab. Derzeit steht das Papier bei 6,50 Euro.

Es ist nicht das erste Mal, dass Gerry Weber ein Restrukturierungsprogramm auflegt. Erst zum Jahresbeginn lief ein Programm mit dem Titel „Fit4Growth“ aus, in dessen Rahmen der Modekonzern bereits fast 130 Filialen geschlossen, Personal abgebaut und Onlineshops überarbeitet hat.

Die Commerzbank-Analystin Sabrina Taneja hatte allerdings Anfang des Jahres kritisiert, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen würden, um den Turnaround zu schaffen. Gerry Weber müsste Komplexität herausnehmen, hieß es damals.

Gerry-Weber-CFO ging nach Strategiestreit

Über die richtige Strategie für den Turnaround gab es auch innerhalb des Managements hitzige Debatten. Der damalige Finanzchef David Frink soll mit CEO und Gründersohn Ralf Weber im Clinch gelegen haben. Frink soll eine striktere Sparpolitik gefordert haben, Weber sei dagegen gewesen.

Mitte November schied Frink schließlich bei Gerry Weber aus, nachdem der Konzern den Kapitalmarkt wenige Tage zuvor mit der Ankündigung irritiert hatte, über das Ausscheiden von Frink zu beraten. Das Unternehmen betonte damals, dass die Personalentscheidung nichts mit der Geschäftsentwicklung zu tun habe.

Verschiedene Analysten hatten dies als Vorboten einer erneuten Gewinnwarnung interpretiert. Andere äußerten die Erwartung, dass ein neuer Finanzchef zusätzliche Investitionen in IT, Logistik und Kostensenkungsprogramme aufrufen könnte, um Gerry Weber endlich wirkungsvoll zu sanieren. 

Den CFO-Posten bei Gerry Weber bekleidet seitdem Jörg Stüber, der von Gerry Weber jedoch nur als Interim-CFO angekündigt wurde. Frink ist seit April Finanzchef beim Nutzfahrzeug- und Landtechnikhersteller Krone.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de