Der Modekonzern Gerry Weber will sich mit dem Verkauf einer Immobilie einen Puffer in seiner Restrukturierung verschaffen.

Ekaterina Aleshinskaya/iStock/Getty Images

11.10.18
CFO

Gerry Weber schlägt Tafelsilber los

Der angeschlagene Modekonzern Gerry Weber verschafft sich Luft: Der Verkauf einer Immobilie soll 36 Millionen Euro bringen. Das würde helfen, die im November fälligen Schuldscheintranchen abzulösen.

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Gerry Weber verschafft sich bei seiner Restrukturierung finanziell etwas Luft: Der westfälische Modehändler verkauft eine Immobilie, das Showroom-Center „Halle 29“ in Düsseldorf, an die Zech Group. Zech investiert in verschiedene Branchen wie Immobilien, Hotellerie, Bau und Ingenieurswesen und sorgte zuletzt mit seiner Beteiligung an den Herzstücken der untergegangenen KTG Agrar für Schlagzeilen.

Für die Immobilie in Düsseldorf mit einer Gesamtfläche von 12.000 Quadratmetern Mietfläche will die Zech Group nun 36 Millionen Euro bezahlen. Noch ist der Kaufpreis allerdings nicht geflossen: „Der Vollzug der Transaktion und die Zahlung des Kaufpreises stehen unter dem Vorbehalt verschiedener, marktüblicher Vollzugs- und Fälligkeitsvoraussetzungen“, teilte Gerry Weber mit.

Gerry Weber muss Schuldschein refinanzieren

Mit dem Verkauf der Immobilie verschafft sich das angeschlagene Unternehmen Luft, gleichwohl bestreitet Gerry Weber, dass es sich bei dem Deal mit Zech um einen Notverkauf handelt. „Wir trennen uns von Randaktivitäten, als Modeunternehmen gehören Immobilien nicht zu unserem Kerngeschäft“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber FINANCE.

Das angeschlagene Modehaus braucht die Finanzspritze allerdings dringend. Das Unternehmen, das zurzeit das zweite Sanierungsprogramm in Folge durchläuft, muss im November einen Teil seines Schuldscheins zurückzahlen: Es werden 31 Millionen Euro fällig. Die liquiden Mittel von Gerry Weber lagen den Neunmonatszahlen Ende Juni zufolge bei 20,1 Millionen Euro. Vor wenigen Wochen wurde ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse Mitte Oktober vorliegen sollen.

Verkauf bringt Gerry Weber außerordentlichen Ertrag

Gerry Weber hat erst vor wenigen Tagen neben einem neuen CEO auch
einen Restrukturierungsvorstand berufen. Den Immobilienverkauf sehen die Westfalen als Teil des laufenden Performance-Programms zur Neuausrichtung. Der Verkaufserlös werde zu einem außerordentlichen Ertrag von voraussichtlich 18 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018/19 führen. Der scheidende CEO Ralf Weber sagte, der Verkauf der Immobilie bringe „wesentlichen finanziellen Spielraum zur finanziellen Sanierung“ des Unternehmens.

Der Konzern hatte stets betont, dass man im vierten Quartal besonders hohe Mittelzuflüsse erwarte. Nach wie vor bleiben allerdings die Finanzen eine Baustelle, zumal der CFO-Posten weiterhin vakant ist. Der zuletzt berufene Jörg Stüber hatte das Amt Anfang August nach wenigen Monaten wieder abgegeben.

Aktienkurs von Gerry Weber fällt weiter

Die Privatbank Hauck & Aufhäuser bleibt daher trotz des Deals mit Zech bei ihrer „Sell“-Bewertung für Gerry Weber. Der Verkauf der Immobilie führe zwar zu einem Buchgewinn von 18 Millionen Euro, unterstreiche allerdings lediglich die schwierige Lage des Modeunternehmens. Der Verkauf des Tafelsilbers könne nicht über die finanziellen Schwierigkeiten und die schwache operative Entwicklung hinwegtäuschen.

Die Aktie, die sich nach Ankündigung des Vorstandswechsels etwas erholt hatte, ist in den vergangenen Tagen wieder deutlich gefallen, und auch die Verkaufsankündigung brachte keine Trendwende. Das Papier notierte am Donnerstagmittag bei Werten um 2,85 Euro.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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