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18.09.18
CFO

Großaktionär leitet Umbau bei Clariant ein

Kurz nach dem Einstieg läutet Großaktionär Sabic bei Clariant große Veränderungen ein. Das Portfolio wird aufgeräumt – und ein neuer Chef kommt ans Ruder.

Erst seit wenigen Tagen ist der Einstieg des saudischen Spezialchemiekonzerns Sabic bei Clariant in trockenen Tüchern, schon liegt der Plan für den Umbau des Schweizer Chemiekonzerns auf dem Tisch. Die beiden Unternehmen wollen Teile ihres Geschäfts zusammenlegen, andere sollen verkauft werden.

Konkret geht es um das Geschäft mit Additiven und hochwertigen Masterbatches. Diese Aktivitäten sollen mit Teilen des Spezialchemiegeschäfts von Sabic zusammengelegt werden, gaben die Unternehmen am heutigen Dienstag bekannt. Clariant soll die Mehrheit an dem neuen Joint Venture halten.

Clariant wird den Geschäftsbereich Plastics & Coatings aufspalten und Geschäft mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Franken in den neuen Bereich einbringen. Von Sabic kommen Bereiche mit einem Volumen von 1,9 Milliarden Franken.

Die Transaktion soll Ende 2019 abgeschlossen werden. Über die Bewertung wird zurzeit verhandelt. Mit der Zusammenlegung soll Clariant einen Schritt hin zu einer hochwertigeren Produktpalette machen. Zudem erwarten Sabic und Clariant Kostensynergien und eine verbesserte Betriebseffizienz.

Clariant verkauft Teile einer Geschäftssparte

Das verbleibende Geschäft aus der Sparte Plastics & Coatings, die Bereiche Pigments, Standard-Masterbatches und Medical Specialities, sollen dagegen bis 2020 verkauft werden. Sie passten nicht mehr zur Ausrichtung auf hochwertige Spezialitäten, erklärt Clariant. Der Teil des Geschäftsbereichs, der verkauft werden soll, erzielte 2017 einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Schweizer Franken.

Durch den Verkauf sowie die Gründung der neuen Einheit erwartet Clariant in der neuen Aufstellung dennoch ein deutliches Wachstum. 2021 rechnet der Konzern mit einem Umsatz von 9 Milliarden Schweizer Franken (etwa 8 Milliarden Euro). Zum Vergleich: 2017 lag der Umsatz bei 6,4 Milliarden Schweizer Franken. Die Ebitda-Marge soll in der neuen Struktur 2021 bei etwa 20 Prozent liegen, der Operative Cashflow bei über 1,2 Milliarden Schweizer Franken (2017 in der bisherigen Aufstellung von Clariant: 12,7 Prozent nach außergewöhnlichen Belastungen und 428 Millionen Franken).

Neuer Clariant-Chef kommt von Sabic

Nicht nur im Portfolio baut der neue Großaktionär um. Auch auf der obersten Führungsebene ist dessen Handschrift deutlich zu erkennen. Der Verwaltungsrat des Unternehmens soll von zehn auf zwölf Mitglieder erweitert werden. Vier der Mitglieder werden von Sabic nominiert. Die Entscheidung darüber, wer in das Gremium einzieht, wird am 16. Oktober bei einer außerordentlichen Generalversammlung getroffen werden.

Der bisherige Clariant-Chef Hariolf Kottmann ist als neuer Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen. Er tritt am 16. Oktober vom CEO-Posten zurück. Sein Nachfolger steht bereits fest: Ernesto Occhiello übernimmt das Ruder. Er war bislang Executive Vice President des Specialties-Geschäfts von Sabic.

Umbau nach geplatztem Huntsman-Deal

Seit Sabics Einstieg bei Clariant zum Jahresbeginn bekannt geworden ist, hat es immer wieder Spekulationen über die Absichten der Saudis gegeben – von der Komplettübernahme bis zur Zerschlagung Clariants reichten die Szenarien. In der am heutigen Dienstag veröffentlichten Mitteilung zur Governance-Vereinbarung von Clariant und Sabic betonen die Schweizer, dass sich an den weiteren Elementen der Führungsstruktur nichts ändern werde: Die Aktien blieben an der Schweizer Börse gelistet, und der Firmensitz liege weiterhin in Muttenz in der Schweiz.

Dass der saudi-arabische Chemiekonzern Sabic 24,99 Prozent der Anteile übernehmen will, war im Januar bekannt geworden. Der aktivistische Investor White Tale verkaufte seinen Anteil an die Saudis und beendete damit eine lange Auseinandersetzung zwischen Clariant und dem Investor. White Tale hatte im vergangenen Herbst die geplante Fusion von Clariant mit dem US-Konzern Huntsman vereitelt.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de