Mit dem Verkauf der US-Tochter Cleveland Track Material (CTM) gehen die Portfolio-Bereinigungen in die nächste Runde.

Vossloh

23.10.19
CFO

Großreinemachen bei Vossloh

Neu-CEO Oliver Schuster greift beim Verkehrstechnikkonzern Vossloh durch. Nach dem defizitären Lokomotivenbau räumt der Ex-CFO jetzt im Amerikageschäft auf.

Vosslohs neuer Unternehmenschef Oliver Schuster erhöht die Schlagzahl bei der Umsetzung des im April beschlossenen Restrukturierungsprogramms: Nachdem er Ende August den defizitären Geschäftszweig, der Lokomotiven herstellt, an den chinesischen Eisenbahnriesen CRRC losgeschlagen hat, wirft Schuster jetzt weiteren Ballast ab.

Für umgerechnet rund 35 Millionen Euro wechselt CTM, die größte US-amerikanische Konzerngesellschaft der Geschäftssparte für kundenspezifische Module (Customized Modules), den Besitzer. In diesem Bereich fertigt Vossloh Bahninfrastruktur-Systeme speziell nach Kundenwünschen, beispielsweise Kreuzungselemente für den Schienenverkehr. Käufer ist ein ungenannter Stratege.

Verkäufe brocken Vossloh 55 Millionen Verlust ein

Doch dieser Deal ist erst der Anfang: Schuster will alle Teile des Customized-Modules-Geschäft in Nord- und Südamerika abstoßen. Inklusive CTM erzielen diese Vossloh-Töchter einen Umsatz von 65 Millionen Euro, vor allem aber ein „über mehrere Jahre negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) beziehungsweise eine deutlich unterdurchschnittliche Profitabilität“, wie das Unternehmen selbst schreibt.

Die M&A-Prozesse scheinen schon so weit vorangeschritten zu sein, dass Schuster sich eine konkrete Schätzung der Folgekosten zutraut:  Rund 40 Millionen Euro an nicht zahlungswirksamen Sonderbelastungen werden diese Deals Vossloh einbrocken. Inklusive der Wertberichtigungen, die im Zuge des Verkaufs des Lokomotivengeschäfts fällig wurden, sind es sogar 55 Millionen Euro. Hinzu kommen noch Kosten für einen Personalabbau in Höhe von 30 Millionen Euro. Unterm Strich könnte dies Vossloh im laufenden Jahr in die Verlustzone ziehen.

Auch 2020 wird kein leichtes Jahr für Vossloh

Doch Schuster wirft den Blick schon nach vorne. Die Verkäufe sollen das Liquiditätspolster stärken, der Personalabbau pro Jahr 15 bis 20 Millionen Euro einsparen. Gleichzeitig lässt der Verkauf der Kostgänger in Nordamerika automatisch die Ebit-Marge des Konzerns steigen. Mittelfristig will Vossloh in sämtlichen verbleibenden Geschäftsbereichen wieder zweistellige Ebit-Margen erzielen.

Doch auch 2020 dürfte ein Übernahmejahr werden. Laut Planung soll das Ebit lediglich von den für dieses Jahr geplanten rund 50 auf 65 bis 80 Millionen Euro steigen. Bei einem geplanten Umsatz von 900 Millionen bis 1 Milliarde Euro reicht das bei weitem nicht für eine zweistellige Ebit-Marge.

Handschrift von Heinz-Hermann Thiele

Schusters Großreinemachen trägt die Handschrift des Unternehmers Heinz Hermann Thiele, Eigentümer von Knorr-Bremse und dominanter Aktionär auch von Vossloh. Nachdem sich Thiele Mitte Juni 2019 im Zuge einer nicht unumstrittenen Kapitalerhöhung zum Mehrheitseigner aufgeschwungen hat, wurde erst Schuster vom CFO zum CEO befördert, dann begannen die Verkäufe der Verlustbringer. 

Dass Thiele die Neuausrichtung Vosslohs für einen Langstreckenlauf hält, zeigt die lange Vertragslaufzeit von Schuster: Der 54-jährige Hobby-Mountainbiker ist bis 2025 bestellt. Neben ihm gibt es nur noch einen weiteren Vorstand, den Vertriebs- und Technikchef Karl Martin Runge.

Die Performance von Vossloh am Kapitalmarkt spiegelt die vielfältigen Probleme im Konzernportfolio wider. Trotz des allgemein guten Börsenklimas in den vergangenen drei Jahren büßte Vossloh in diesem Zeitraum über 30 Prozent ein. Hauptaktionär Thiele dürfte sogar auf Kursverlusten von um die 50 Prozent sitzen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über den neuen Vossloh-Chef erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Oliver Schuster.

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