Der Bahntechniker Vossloh hat nach langer Suche einen chinesischen Käufer für sein Lokomotivengeschäft gefunden.

Vossloh

30.08.19
Deals

M&A-Deals: Vossloh, Senvion, Bree

Vossloh gibt das Lokomotivengeschäft in chinesische Hände, Senvion droht so gut wie sicher die Zerschlagung, und das Rätsel um den Käufer von Bree ist gelöst: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Vossloh verkauft Lokomotivengeschäft nach China

Der chinesische Bahntechnikriese CRRC fasst Fuß in Deutschland: CRRC Zhuzhou Locomotive, eine Tochter des weltgrößten Schienenfahrzeugherstellers China Railway Rolling Stock, übernimmt den Geschäftsbereich Locomotives von Vossloh. Wie der Bahntechnikkonzern mitteilte, beläuft sich der Kaufpreis voraussichtlich auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Bis zu weiteren 10 Millionen Euro könnte Vossloh jedoch gemäß einer Vereinbarung für den Verkauf von bestimmten Vermögensgegenständen erhalten.

Mit dem Verkauf der Lokomotivsparte ist Vossloh bei der Neuausrichtung einen Schritt weiter gekommen. Die Sauerländer wollen sich auf das Bahninfrastrukturgeschäft konzentrieren und suchen daher schon seit mehreren Jahren einen Käufer für das kriselnde Kieler Werk. Dem Deal müssen die zuständigen Behörden noch zustimmen, mit dem Abschluss der Transaktion rechnen die Unternehmen aber noch in diesem Jahr. Bereits im Juni 2016 wurde bekannt, dass der Verkehrstechnikkonzern sich von der Sparte trennen will. Vossloh wurde beim Verkauf von der M&A-Beratung Clairfield International und der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Stephan Waldhausen und Philipp Pütz) unterstützt. Die Kanzlei RKH (Federführung: Dominik Ziegenhahn) hat den chinesischen Staatskonzern bei der Transaktion rechtlich beraten.

Senvion wird aufgespalten

Schlechte Nachrichten für Senvion: Eine Zerschlagung des insolventen Windanlagenbauers rückt in greifbare Nähe. Wie das Unternehmen mitteilte, hat es „mehrere detaillierte Angebote für verschiedene wesentliche Kerngeschäftsbereiche erhalten“. Allerdings gingen „trotz intensiver und weltweiter Suche“ noch keine Angebote für den gesamten Turbinenbereich ein.

Senvion leitet daher die Endphase des M&A-Prozesses ein: Die Investorenkonzepte sollen am 10. September der Gläubigerversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Aufgrund der verbesserten finanziellen Situation kann der Betrieb aber bis zum Verkauf fortgeführt werden. Der Windanlagenbauer hatte im April dieses Jahres Insolvenz angemeldet. Eine Zerschlagung des Konzerns wurde immer wahrscheinlicher, nachdem die Investorensuche für einen Verkauf des gesamten Konzerns mehrmals in die Verlängerung ging.

Coindu übernimmt insolventen Taschenhersteller Bree

Das Rätsel um den bislang anonymen Retter von Bree ist gelöst: Der portugiesisch-deutsche Autositzbezughersteller Coindu übernimmt den insolventen Taschenhersteller. Das geht aus einer Liste der laufenden Fusionskontrollverfahren des Bundeskartellamts hervor. Coindu beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von 348 Millionen Euro. Vergangene Woche gab Bree-Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus bekannt, dass ein strategischer Investor für Bree gefunden worden sei – den Käufernamen verriet Denkhaus aber nicht.

KKR sichert sich 43,5 Prozent an Axel Springer

Axel Springer muss sich von der Börse verabschieden: Wie KKR in dieser Woche mitteilte, wurden dem US-Finanzinvestor 43,5 Prozent der Springer-Aktien angedient. Damit hält der Finanzinvestor gemeinsam mit der Springer-Familie 95 Prozent der Aktien. Weil der Streubesitz der Springer-Anteile demnach bei 5 Prozent liegt, muss das Berliner Medienhaus den MDax außerplanmäßig verlassen. Auch rückt nun ein Squeeze-out immer näher: Allerdings nur, sofern KKR und die Springer-Familie als Einheit agieren. Erst dann kann die Abfindung der freien Aktionäre eingeleitet werden.

Insgesamt sicherte sich KKR im Rahmen seines Übernahmeangebots 45,9 Millionen Springer-Aktien zu je 63 Euro. Zusätzlich hat der Private-Equity-Investor 1,04 Prozent der Stimmrechte außerhalb des Übernahmeangebots erworben, sodass KKR auf insgesamt 43,5 Prozent kommt. Für den Deal legen die Amerikaner 2,9 Milliarden Euro auf den Tisch, wobei die finanziellen Mittel hierfür aus der Bilanz von KKR sowie dem neuen Fonds „Europa V“ kommen sollen. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnen die Unternehmen spätestens im Frühjahr 2020. KKR will mindestens fünf Jahre bei den Berlinern beteiligt bleiben.

Morgan Stanley zeigt Interesse an PNE

Morgan Stanley hat ein Auge auf PNE geworfen: Die US-Investmentbank befindet sich mit dem Windkraftprojektierer in offenen Gesprächen über Kooperationsmöglichkeiten. Diese schließen PNE zufolge auch eine Übernahme durch die Amerikaner ein.

In einem ersten, unverbindlichen Angebot schlägt Morgan Stanley eine Preisspanne zwischen 3,50 Euro und 3,80 Euro je PNE-Aktie vor. Die Offerte entspricht damit einem Börsenwert zwischen 268 und 290 Millionen Euro und einem Aufschlag von bis zu 25 Prozent auf den Schlusskurs der PNE-Aktie vor Bekanntwerden der Gespräche. Inklusive der Nettoverschuldung bewertet die Investmentbank den Windparkentwickler zwischen 365 und 387 Millionen Euro.

BASF verkauft Pigmentgeschäft nach Japan

Teilerfolg für BASF: Der Chemiekonzern hat in dem japanischen Wettbewerber DIC einen Käufer für sein Pigmentgeschäft gefunden. Für einen Unternehmenswert von 1,15 Milliarden Euro kaufen die Japaner die BASF-Sparte. Dieser Preis liegt nur knapp über dem Jahresumsatz des Pigmentgeschäfts, den BASF mit 1 Milliarde Euro ausweist. Den Abschluss der Transaktion erwartet BASF aufgrund umfangreicher kartellrechtlicher Prüfungen erst Ende nächsten Jahres. Schon vor einigen Wochen wurde spekuliert, dass BASF das Pigmentgeschäft an DIC veräußern könnte.

Immer noch zum Verkauf steht allerdings die Bauchemiesparte des Dax-Konzerns. Ein Verkauf dieses Geschäftsbereichs könnte bis zu 3 Milliarden Euro in die Kassen von BASF spülen. Strategen und Finanzinvestoren sollen schon Interesse bekundet haben – kürzlich lichtete sich jedoch das Interessentenfeld um die Sparte, als es hieß, die Private-Equity-Häuser Advent, Bain und Blackstone seien nicht mehr an einer Übernahme interessiert.

Fintech Raisin kauft Start-up Fairr

Das Berliner Fintech Raisin, im deutschen Sprachraum als Weltsparen geläufig, kauft seinen Wettbewerber Fairr, der sich auf den Bereich Altersvorsorge spezialisiert hat. Im Gegenzug der Übernahme erhalten die drei Fairr-Gründer Jens Jennissen, Alexander Kihm und Ambros Gleißner Anteile an Raisin sowie eine Barauszahlung. Konkrete Transaktionsdetails, wie etwa die Höhe der Beteiligung an Raisin, die das Fairr-Management erhält oder Höhe der Barkomponente, gaben die Unternehmen nicht bekannt.

Raisin hat einen neuen Bereich für Anlage- und Altersvorsorgeprodukte geschaffen, in dem neben Fairr auch Raisins Investmentsparte aufgehen wird. Dem Berliner Fintech zufolge übernehmen die Fairr-Gründer dort führende Rollen, und auch das gesamte Fairr-Team bleibt erhalten. Bislang war auch die Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin an Fairr beteiligt.

Nächstes deutsches Unternehmen wandert nach China

Carl Cloos wird nach China verkauft: Der chinesische Anbieter von Antriebssystemen Estun und die Investmentfirma China Renaissance Capital Investment (CRCI) übernehmen das mittelhessische Schweiß- und Robotik-Unternehmen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Cloos-Geschäftsführer Sieghard Thomas bleibt weiterhin im Management des Haiger Unternehmens. Eine Veränderung beim 750-köpfigen Mitarbeiterstamm oder bei den Auslandsgesellschaften ist nicht vorgesehen.

Die Käuferseite wurde bei dem Deal von der Rechtsanwaltskanzlei Orrick, Herrington & Sutcliffe (Federführung: Wilhelm Nolting-Hauff und Hang Xu) begleitet. Cloos wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing (Federführung: Hassan Sohbi) beraten. Cloos verfügt über elf Tochtergesellschaften sowie neun Produktionsstätten in Deutschland, China, Indien, Großbritannien, Ungarn, Österreich und Nordamerika.

Berater-News

Die SEB setzt hierzulande wieder auf das Corporate-Finance-Geschäft: Die schwedische Großbank will in Frankfurt ein kleines Team aufbauen, das neben dem klassischen Beratungsgeschäft nun auch explizit den Bereich M&A umfasst. Zuvor hatte die SEB viele Jahre lang kein dezidiertes M&A-Advisory in Deutschland angeboten. Mit dem Aufbau und der zukünftigen Leitung des neuen Corporate-Finance-Teams hat die SEB Martin Donges beauftragt.

Weitere Meldungen

Aurelius kauft im Baustoffhandel zu: Der Private-Equity-Investor übernimmt das belgische Baustoffgeschäft des britischen Bauunternehmens Grafton. Die Geschäftsbereiche umfassen die beiden belgischen Unternehmen Youbuild und Mpro. Aurelius unterstützt das Grafton-Management bei dem Carve-out und kündigt zudem an, „die operative und regionale Integration von Mpro und Youbuild fortzusetzen sowie den fragmentierten Markt durch weiteres Wachstum zu erschließen.“ Der Deal soll noch in diesem Jahr - vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung und der Übertragung des Grundbesitzes - vollzogen werden.

Die Allianz steigt zum zweitgrößten Autoversicherer Brasiliens auf: Wie der Dax-Konzern mitteilte, kauft er die Automobilversicherung und andere Sachversicherungsgeschäfte der brasilianischen Versicherungsgesellschaft Sul America. Die Münchener zahlen für den Deal drei Milliarden Real (umgerechnet 667 Millionen Euro). Der Allianz zufolge haben die Brasilianer im Geschäftsjahr 2018 in mit Automobilversicherungen umgerechnet knapp 806 Millionen Euro an Prämien eingenommen. Zusammengerechnet kommt die Allianz nach dem Abschluss des Deals auf 1,5 Milliarden Euro Beitragseinnahmen und einen Marktanteil von 15 Prozent in der Autoversicherungssparte.

Der chinesische Mischkonzern Fosun wird größter Aktionär der Naga Group. Wie das Hamburger Fintech mitteilte, erhöhen die Chinesen ihre Beteiligung um weitere 17,22 Prozent. Damit ist Fosun Unternehmensangaben zufolge mit knapp 30 Prozent an den Hamburgern beteiligt. Zweitgrößter Aktionär ist die Zack Holding mit rund 21 Prozent. Die restlichen Anteile befinden sich im Streubesitz. Im Zuge der Übernahme erhält Naga 5 Millionen Euro, davon 3 Millionen Euro als Gesellschafterdarlehen und weitere 2 Millionen Euro über die Zeichnung einer Wandelanleihe. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet Naga bis zum Ende des Jahres.

Der Paderborner Automobilzulieferer Benteler verkauft seinen Stahlrohrhandel an den niederländischen Konkurrenten Van Leeuwen. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Benteler will sich künftig stärker auf das Kerngeschäft, die Automobilsparte, konzentrieren. Der Verkauf soll vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Van Leeuwen ist mit einem Jahresumsatz in Höhe von 630 Millionen Euro und 1100 Beschäftigten kleiner als die Stahlrohrsparte, die die Niederländer übernehmen. Van Leeuwen wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Gregor von Bonin und Shawn der Kinderen) beraten.

RIB Software erwirbt die Mehrheit an U.S. CAD: Die Stuttgarter legen für 60 Prozent der Anteile an dem kalifornischen Tech-Unternehmen 26,4 Millionen US-Dollar (umgerechnet 23,8 Millionen Euro) auf den Tisch. U.S. CAD-CEO Daniel Counts sowie President Jeff Rachel werden das Unternehmen weiterhin leiten. Die Stuttgarter rechnen nach dem Deal mit einer Verdopplung ihres US-Umsatzes im ersten Halbjahr 2020. Im ersten Halbjahr 2019 brachte das US-Geschäft 15,8 Millionen Dollar (umgerechnet 14,2 Millionen Euro) ein.

Katjes übernimmt 25 Prozent des britischen Süßwarenunternehmens Candy Kittens. Wie das Unternehmen aus Emmerich am Rhein bekanntgab, verfügt Katjes zusätzlich über Optionsrechte auf den Erwerb weiterer 20 Prozent des Stammkapitals. Die Transaktion wickeln die Emmericher über ihre Beteiligungsgesellschaft Katjes International ab. Finanzielle Transaktionsdetails nannte Katjes nicht.

Das auf Bestandsmanagement spezialisierte Bochumer IT-Unternehmen Remira übernimmt die beiden Regensburger Wettbewerber Log:it und Tia A3 Forecast. Finanzielle Transaktionsdetails werden nicht genannt. Hinter Remira steht die Beteiligungsgesellschaft Elvaston. Die Bochumer wurden bei beiden Transaktionen von der Kanzlei P+P Pöllath + Partners (Federführung: Tim Kaufhold) beraten. Die Verkäuferseite wurde von der Kanzlei Andersen Tax & Legal (Federführung: Moritz Brocker) unterstützt.

Das Software- und Business-Consulting-Unternehmen Orbis übernimmt den IT-Dienstleister Data One. Mit dem Zukauf wollen die Saarbrückener ihr Dienstleistungs- und Softwarenangebot in den Bereichen Microsoft und SAP ausbauen. Der Kaufvertrag soll Orbis zufolge bis Ende Oktober unterzeichnet werden.

Paragon Partners verkauft Dtms an Net Group Beteiligungen. Damit wechselt der Mainzer Kommunikationsdienstleister nach mehr als fünf Jahren Haltedauer den Besitzer. Transaktionsdetails nannte der Private-Equity-Investor nicht. Paragon wurde beim Verkauf von Goetzpartners, Ebner Stolz, Raue sowie Rautenberg Moritz & Co. beraten.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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