Juwi sucht einen neuen Investor. Bringt die MVV womöglich frisches Eigenkapital?

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02.09.14
CFO

Juwi: Bringt MVV frisches Eigenkapital?

Seit Monaten ist der angeschlagene Energieanlagenprojektierer Juwi auf der Suche nach frischem Eigenkapital. Nun werden die ersten Investorennamen gehandelt: Der Mannheimer Energiekonzern MVV soll an einem Einstieg interessiert sein.

In die Investorensuche des Energieunternehmens Juwi könnte nun Bewegung kommen. Seit Juli schon ist bekannt, dass Gespräche mit Investoren laufen. „Die Verhandlungen mit strategischen Partnern sind fortgeschrittener als die mit Finanzinvestoren“, erklärten damals die Firmengründer in einer Mitteilung. Auch eine Kapitalerhöhung ist nach Unternehmensdarstellung seit langem geplant. Doch zu weiteren Fortschritten hielt sich Juwi seitdem bedeckt, der Einstieg eines Investors wurde bislang noch nicht verkündet.

Allerdings häufen sich Hinweise auf vermeintliche Interessenten. Das Handelsblatt meldet unter Berufung auf Unternehmenskreise aus der MVV, dass sich der börsennotierte Mannheimer Kommunalversorger in ernsthaften Gesprächen über einen Einstieg befinden soll. Die Nachrichtenagentur dpa-AFX berief sich in einer Meldung auf Insider, die die MVV als wahrscheinlichsten Kandidaten bestätigt hätten. Es sei aber noch zu früh, von einem bevorstehenden Abschluss zu sprechen, hieß es dort. Die Unternehmen selbst kommentierten den Vorgang bislang nicht.

Als besonders interessant für neue Investoren gilt die Betreibergesellschaft Juwi Renewable IPP, die Energieprojekte als Eigeninvestments oder mit regionalen Energieversorgern erwirbt und betreibt. Das Beteiligungsportfolio und die damit verbundenen Werte machen die IPP, bei der im Januar die Gothaer Versicherung als strategischer Partner  an Bord ging, für Investoren attraktiv. Das Unternehmen steht allerdings außerhalb der eigentlichen Juwi-Gruppe, bei der ein neuer Eigenkapitalgeber einsteigen würde.

Juwi braucht Eigenkapital

Die Lage bei Juwi ist alarmierend: Das Unternehmen räumte vor wenigen Wochen ein, dass das Gesamtergebnis der Gruppe für das Geschäftsjahr 2013 negativ ausgefallen ist. Der Umsatz ist 2013 gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 710 Millionen Euro dramatisch eingebrochen. Die Bilanz für 2013 wollte Juwi eigentlich bis Ende August vorlegen, allerdings verzögert sich die Veröffentlichung. Eine Frage zur Bewertung von Anlagen müsse vor Erteilung des Testats noch geklärt werden, hieß es aus dem Unternehmen.

Die Talfahrt bei den bislang bekannten Eckwerten beunruhigt anscheinend auch die Banken, die Juwi im August 2013 noch einen Konsortialkredit über 252 Millionen Euro  zur Verfügung gestellt haben. Zehn Monate dauerte es damals FINANCE-Informationen nach, bis sich Juwi mit den 13 Konsortialbanken unter Führung von Deutsche Bank, DZ Bank und UniCredit geeinigt hatte. Finanzkreisen zufolge sollen die Banken vor einigen Monaten schon entschieden auf den Einstieg der Sanierer von Roland Berger gedrungen haben, die ihrerseits den Restrukturierungs-CFO Stefan Gros mit an Bord holten.

Covenants für Schuldschein wackeln

Als kritisch könnten sich auch die Covenants für den 2013 erteilten Kredit entpuppen. Ein Verstoß gegen die Vereinbarungen könnte zu höheren Zinszahlungen oder gar einer außerordentlichen Kündigungsmöglichkeit der Kreditgeber führen, die Kredite sofort fällig stellen könnten, heißt es im Juwi-Jahresbericht 2012, der im März 2014 im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht wurde und bereits Informationen zum Kredit aus dem Jahr 2013 enthält. Details zu den Vereinbarungen liegen allerdings nicht öffentlich vor. Juwi gibt nur einen kleinen Einblick: Quartalsweise geprüft werden Eigenkapitalquotenregelungen, Nettoverschuldungsgrad, Zinsdeckungsgrad und ein rollierendes Mindest-Ebit. Die erforderlichen Mindestquoten sind nicht bekannt.

Ein entscheidender Faktor dürfte jedoch das Eigenkapital sein. Dies führte schon einmal beim 2011 begebenen Schuldschein über 74 Millionen Euro zu einem Konflikt mit den Covenants. Am 31. Dezember 2012, dem letzten Jahr für das die Zahlen öffentlich verfügbar sind, lag die Eigenkapitalquote bei nur 16,6 Prozent und damit unter der gewünschten Mindestschwelle von 20 Prozent, die in den Covenants des Schuldscheins festgeschrieben ist. Laut Juwi war die geringere Quote ein stichtagsbedingter Effekt, der jedoch für den Zeitraum der Unterschreitung eine um 1,25 Prozent höhere Zinsbelastung für den Schuldschein mit sich brachte. Das dritte Finanzierungsinstrument der Gruppe ist weniger kritisch: Eine Tochter der Juwi AG platzierte im Retailmarkt ein Nachrangdarlehen über 30 Millionen Euro.

Mehr Finanzexpertise im Aufsichtsrat

Um die Finanzierungspartner von Schuldschein und Konsortialkredit zu besänftigen, muss Juwi das Eigenkapital stärken. Die besonders attraktive IPP steht außerhalb der Juwi-Gruppe, wenngleich die Unternehmensgründer Fred Jung und Matthias Willenbach zu den Geschäftsführern der für die IPP haftenden und geschäftsführenden Beteiligungsgesellschaft zählen. Die Gründer müssten sich vermutlich entscheiden, die Anteile für neue Investoren zugänglich zu machen.

Welche Rolle die Juwi-Gründer in Zukunft inne haben werden, dürfte ein spannender Diskussionspunkt mit einem neuen Investor werden. Personelle Veränderungen gibt es zunächst einmal im Juwi-Aufsichtsrat: Zum 1. Oktober wird der ehemalige Bundesbankdirektor Hans-Theo Macke (65) in das Aufsichtsgremium eintreten und damit die Finanzexpertise deutlich stärken. Zugleich scheidet Norbert Willenbacher, Professor für angewandte Mechanik und Bruder eines der Juwi-Gründer, aus dem Aufsichtsrat aus. Seine Aufgabe als Vorsitzender übernimmt Norbert Müller, langjähriger Vorsitzender der Geschäftsleitung des Unternehmens Rittal International, der seit Januar 2013 im Aufsichtsrat sitzt. Drittes Aufsichtsratsmitglied bleibt der Steuerberater Johannes Berg.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Einen ausführlichen Artikel zur Finanzierungssituation von Juwi und den wichtigsten Herausforderungen des neuen CFO Stefan Gros finden Sie in der aktuellen Printausgabe der FINANCE.