Jahr der Ernte: KTG Agrar-Chef Siegfried Hofreiter will Cash aus den Böden holen und die dramatisch gestiegenen Schulden im Zaum halten.

KTG Agrar

16.05.14
CFO

KTG Agrar forciert Cashflow und Schuldenabbau

Der nochmalige Wachstumsschub 2013 hat tiefe Spuren in der Bilanz von KTG Agrar hinterlassen: Die Nettoverschuldung beträgt inzwischen 12x Ebitda. KTG-Chef Siegfried Hofreiter hat die Investitionsphase heute für beendet erklärt und will künftig Cashflow und Schuldenabbau in den Mittelpunkt stellen. Die Investoren sind dennoch nervös.

Das Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar, mit zwei Bonds im Wert von 250 Millionen Euro einer der größten Emittenten am Markt für Mittelstandsanleihen, richtet seinen Fokus weg vom Wachstum und hin auf die Verbesserung der Bilanzstruktur. KTG-Chef Siegfried Hofreiter hat 2014 zum Jahr der „Ernte und Konsolidierung“ ausgerufen. „KTG Agrar hat ein klares Ziel für 2014:  Stärkung des Eigenkapitals, steigende Erträge und Senkung des Zinsaufwands durch die Rückführung von Fremdfinanzierungen“, erklärte Hofreiter heute Vormittag anlässlich der Vorlage des Jahresabschlusses. Dafür tritt der Unternehmer auf die Investitionsbremse, 2014 soll es „keine wesentlichen Investitionen“ mehr geben.   

Die Wende, die er damit vollzieht, ist groß. Hinter KTG Agrar liegen viele Jahre mit hohen Investitionen, die überwiegend fremdfinanziert waren. Zuletzt wartete der Kapitalmarkt zunehmend nervös auf die von Hofreiter in Aussicht gestellte Phase der Ernte.

Wie achtsam die aggressive Bilanzstruktur der KTG Agrar die Investoren werden ließ, zeigte sich auf dem Höhepunkt der Krim-Krise Ende März. Binnen weniger Tage rutschten die Kurse der Anleihen der KTG, die Ländereien im Baltikum bewirtschaftet und in Russland an dem Schweinezuchtbetrieb TKS Union  beteiligt ist, unter hohen Umsätzen von Kursen um 100 auf unter 80 Prozent ab. Erst nachdem Hofreiter intervenierte und versicherte, dass die Krim-Krise KTG Agrar nicht treffen würde, liefen die Bondkurse binnen weniger Tage wieder zurück Richtung Nennwert.

KTG-Chef Hofreiter setzt Working Capital frei

Die heute präsentierten Zahlen zeigen, wie dynamisch die am Minibond-Markt aufgenommenen Gelder das Agrarunternehmen wachsen lassen. 2013 stieg der Umsatz um knapp 50 Prozent auf 164,9 Millionen Euro. Das Ebit stieg von 13,4 auf 23,9 Millionen Euro. Doch die Bilanz ächzt unter hohen Schulden. Die Nettoverbindlichkeiten wuchsen 2013 auf 410 Millionen Euro, fast das 12-fache Ebitda. Die Eigenkapitalquote sank von 19,1 auf 15,2 Prozent, der freie Cashflow war mit minus 138 Millionen Euro stark negativ. „Die Ausweitung der bewirtschafteten Flächen in Deutschland und Osteuropa hat 2013 weitere Umlaufmittel von insgesamt 70 Millionen Euro gebunden“, sagte Hofreiter zur Begründung.

Die von ihm nun ausgerufene Wende versucht Hofreiter auch an aktuellen Zahlen festzumachen. Bis Ende April 2014 seien die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 60 Prozent gestiegen. Im gesamten Gesamtjahr 2014 würden die Erlöse voraussichtlich auf über 200 Millionen Euro ansteigen, im Jahr 2015 habe KTG „die Viertelmilliarde fest im Visier“. Wichtig für die Investoren: „In den ersten vier Monaten haben wir die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bereits um 50 Millionen Euro reduziert und einen deutlich positiven Cashflow erzielt“, sagte Hofreiter.

Die Zeit drängt: Schon im September des kommenden Jahres wird die kleinere der beiden ausstehenden Mittelstandsanleihen im Nennwert von 50 Millionen Euro fällig. Richtig wetterfest muss Hofreiter die KTG-Bilanz bis 2017 machen. Dann steht die Jumbo-Anleihe über 200 Millionen Euro zur Rückzahlung an.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de
 

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