Noch kehrt keine Ruhe ein bei PNE Wind, die Hauptversammlung muss wiederholt werden.

PNE Wind

17.06.15
CFO

PNE Wind: Machtfrage bleibt offen

Um Mitternacht war Schluss, die Hauptversammlung von PNE Wind hat sich ergebnislos vertagt. Damit geht auch der Showdown im Kampf um die Macht bei dem Windparkprojektierer weiter. Vorher ging es turbulent zur Sache, am Ende musste sogar die Polizei anrücken.

Der Machtkampf beim Windparkprojektierer PNE Wind geht weiter, die gestrige Hauptversammlung hat keine Entscheidung gebracht. Nach weit mehr als zwölf Stunden wurde die HV um Mitternacht ohne Ergebnis vertagt. „Ein neuer Termin soll so schnell wie möglich gefunden werden“, ließ PNE Wind verlauten.

Die Stunden davor waren turbulent, wie FINANCE von Personen erfahren hat, die vor Ort waren. Die Auseinandersetzung zwischen Großaktionär Volker Friedrichsen auf der einen sowie CEO Martin Billhardt und Aufsichtsratschef Dieter Kuprian auf der anderen Seite gipfelte in persönlichen Beschimpfungen.

Die Vorlage dafür lieferten die Protagonisten im Vorfeld der HV höchstselbst: Billhardt wirft Friedrichsen vermeintliche betrügerische Absichten vor, Friedrichsen meint, bei seinen Kontrahenten eine Selbstbedienungsmentalität erkennen zu können. Ein unrühmliches Ende fand die Hauptversammlung, als gegen Mitternacht schließlich sogar die Polizei anrückte. Die Staatsanwaltschaft prüft nun laut eines Sprechers den Straftatbestand der Urkundenunterdrückung.

PNE-Wind-Großaktionär Volker Friedrichsen ist „angewidert“

Die Stimmung war von Anfang an hitzig, auch weil während der HV bekannt wurde, dass Kuprian für seine Aufsichtsratstätigkeit im vergangenen Jahr nicht wie bislang angegeben 230.000 Euro, sondern all-in sogar mehr als 340.000 Euro kassiert haben soll. Kaum ein Aufsichtsrat in Deutschland hat 2014 mehr Geld verdient, nicht einmal bei großen Dax-Konzernen. Dies animierte einige Aktionäre zu deutlicher Kritik an der Vergütungspraxis bei PNE Wind, die Aussprache dauerte beinahe zehn Stunden.

Gegen 22 Uhr wurde dann tatsächlich abgestimmt. Doch weil der kurzfristig für Kuprian als Versammlungsleiter eingesprungene Aufsichtsrat Peter Fischer danach die Sitzungsleitung niederlegte, stockte die Auszählung der Ergebnisse. PNE Wind behauptet, dass die Abstimmungsergebnisse „bis Mitternacht nicht vorlagen“.

Großaktionär Friedrichsen hält das für eine Lüge: „Diese Aussage entspricht nachweislich nicht der Wahrheit“, meint ein Sprecher von Friedrichsen. „Wie zahlreiche Anwesende bezeugen können, lagen die Ergebnisse der Abstimmung gegen 22.30 Uhr vor und wurden von der Verwaltung lediglich nicht bekanntgegeben.“ Friedrichsen will nun verlangen, dass bei der Nachhol-HV auch eine aktienrechtliche Sonderprüfung auf den Weg gebracht wird, mit der „das Verhalten einzelner Organmitglieder bei der gestrigen Hauptversammlung untersucht werden soll“. Friedrichsen selbst ist eigener Aussage zufolge „angewidert vom Verhalten der Verwaltung“.    

Für Billhardt und Friedrichsen geht es um Alles oder Nichts

Damit geht das erbittert geführte Duell um die Macht bei PNE Wind in die nächste Runde. Lange kann PNE Wind mit der Neuauflage der Versammlung nicht warten. Für Friedrichsen und für das Duo Kuprian/Billhardt geht es spätestens dann um Alles oder Nichts: Wer die Abstimmung beim noch nicht festgesetzten Nachholtermin verliert, dürfte keine Zukunft mehr bei PNE Wind haben.

Im Machtkampf steht es Spitz auf Knopf, die Mehrheitsverhältnisse sind völlig offen. FINANCE-Informationen zufolge lag die HV-Präsenz gestern mit 46 Prozent weit über dem Wert der Vorjahre. Im Vorfeld galt die These: Je höher die HV-Präsenz, desto besser sind die Chancen für Billhardt und Kuprian, eine Mehrheit gegen Friedrichsen zu finden. Friedrichsen kontrolliert 15 Prozent der Anteile an PNE Wind.

Billhardt konnte kurz vor der Hauptversammlung beim Werben um den Rückhalt der Investoren jedoch mit einem Pfund wuchern: Erst am Wochenende hatte er den zweitgrößten Deal der Unternehmensgeschichte unter Dach und Fach gebracht, den hoch rentablen Verkauf des Großbritanniengeschäfts für bis zu 140 Millionen Euro.

Doch offenbar war diese Rechnung zu einfach. HV-Teilnehmer hatten nicht den Eindruck, dass die Verantwortlichen von PNE Wind erkennbar dafür kämpften, die HV innerhalb des gegebenen Zeitrahmens abzuschließen und die Abstimmungsergebnisse bekanntzugeben. Wem die Mehrheit der anwesenden Aktionäre gestern ihre Stimme geben wollte, bleibt damit im Dunkeln.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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