Auf Röhm-CFO Martin Krämer kommt eine millionenschwere Investition zu.

Röhm GmbH

08.09.20
CFO

Röhm-CFO: „Wollen unser Ebitda um 100 Millionen verbessern“

Corona hat dem Plexiglashersteller Röhm eine Sonderkonjunktur beschert, an anderer Stelle leidet das Portfoliounternehmen des PE-Investors Advent allerdings. Röhm-CFO Martin Krämer über Investitionspläne, M&A und Finanzierung.

Herr Krämer, Röhm ist im Methacrylat-Geschäft tätig, Ihr bekanntestes Produkt ist Plexiglas. Als Schutz vor den Corona-Viren sieht man gerade überall Glas- oder Plastikscheiben. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf das Geschäft von Röhm aus?
Die Zusatznachfrage nach Hygieneschutzplatten aus Plexiglas hat das zweite Quartal stark positiv beeinflusst. Wir haben Mitte März plötzlich einen sprunghaften Anstieg im Auftragseingang gesehen. Innerhalb weniger Tage haben sich die Order in unserem Geschäft mit den transparenten Platten um den Faktor 10 erhöht. Allerdings macht dieses Feld insgesamt weniger als 10 Prozent unseres Geschäfts aus. Insofern hat es geholfen, die Einbußen an anderer Stelle zu kompensieren – aber auch nicht mehr.

Was heißt das in Zahlen?
Wir haben im ersten Halbjahr 2020 einen Umsatz von rund 740 Millionen Euro erzielt. Das entspricht einem Minus von etwa 10 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019, das allerdings auch besonders stark war. Mengenmäßig sind wir gegenüber dem letzten Quartal 2019 schon wieder rund 3 Prozent im Plus. Wir gehen davon aus, dass wir dieses Jahr einen Umsatz etwas unter Vorjahr erzielen werden. 2019 waren es 1,6 Milliarden Euro. Unsere Marge dürfte aber recht stabil bleiben.

Wie das?
Der Umsatz geht vor allem deshalb zurück, weil die Absatzpreise sinken. Da zugleich aber auch die Rohstoffpreise sinken, können wir unser Ergebnis recht stabil halten. Mengenmäßig sind wir wie gesagt gut unterwegs. Unsere Auslastung ist in nahezu allen Geschäftsfeldern gut, weshalb wir auch für weniger als 5 Prozent unserer Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet haben.

„Die Zusatznachfrage nach Hygieneschutzplatten hat die Einbußen an anderer Stelle kompensiert – aber auch nicht mehr.“

Martin Krämer, CFO Röhm

Röhm-CFO Krämer rechnet mit U-förmiger Erholung

Die Weltwirtschaft befindet sich in einer schweren Rezession, und das Methacrylat-Geschäft gilt als sehr zyklisch. Zu Ihren Kunden gehören auch die Automobilbranche sowie der Messebau – beides Branchen, die von Covid stark betroffen sind. Wie rüsten Sie sich mittelfristig?
Wir sind nicht so pessimistisch, was die Weltwirtschaft angeht. Wir gehen von einer U-förmigen Erholung der Wirtschaft aus. In der Automobilbranche sehen wir seit Ende des zweiten Quartals schon eine Erholung, vor allem getrieben durch China. Das hilft uns, denn Automotive ist die wichtigste Einzelbranche für uns. Mit ihr erzielen wir knapp 15 Prozent unseres Umsatzes – vor allem bei unseren Formmassen für Spritzgusslösungen im Innen- und Außenbereich, aber auch bei Monomeren zum Beispiel für Klarlacke.

Eckdaten zu Röhm

  • Das Spezialchemieunternehmen Röhm erzielte 2019 mit 3.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro.
  • Hauptsitz ist Darmstadt, es gibt 15 Produktionsstandorte auf vier Kontinenten.
  • Röhm gehört seit dem vergangenen Jahr dem Private-Equity-Investor, der das Unternehmen für 3 Milliarden Euro von dem Chemiekonzern Evonik übernahm.
  • Röhm produziert Methacrylat-Anwendungen für diverse Branchen: von der Autoindustrie über die Gesundheitsbranche bis hin zur Telekommunikation.
  • Als privates Unternehmen veröffentlicht Röhm keine detaillierten Zahlen zur Geschäftsentwicklung.

Fühlen Sie sich mit dieser Konstellation wohl? Immerhin hat die Autobranche hat ja schon vor Corona geschwächelt.

Wir fühlen uns mit unserer Aufstellung wohl. Unsere weiteren Absatzmärkte sind recht breit gefächert – von Bau über Medizin bis hin zu reflektierende Folien für moderne Verkehrsschilder. Damit streuen wir das Risiko. Außerdem spielt uns der Trend hin zu E-Mobilität in die Karten, denn in diesem Zuge werden auch das Design und Ambiente im Auto wichtiger – und damit unsere Produkte.

Martin Krämer ist seit Oktober Röhm-CFO

Vor gut einem Jahr hat der Private-Equity-Investor Advent Röhm übernommen. Sie haben den Carve-out im operativen Geschäft begleitet, im Oktober sind Sie dann zum CFO aufgestiegen. Was war für Sie die größte Veränderung durch den Eigentümerwechsel?

FINANCE-Köpfe

Martin Krämer, Röhm GmbH

Martin Krämer beginnt seine Karriere 1991 bei Bayer. Für den Chemie- und Pharmakonzern ist Krämer zwölf Jahre in unterschiedlichen Positionen tätig, zuletzt als Head of Marketing Paper Chemicals. Ende 2003 wechselt er in Vorbereitung des Spin-offs zur damaligen Bayer-Tochter Lanxess. Bei dem Chemiekonzern ist er mit dem Aufbau der Servicestrukturen betraut. Von 2004 bis 2008 leitet Krämer die Treasury der Kölner, anschließend wechselt er als CFO für das China-Geschäft nach Schanghai. Dort steigt er innerhalb von nur neun Monaten zum CEO auf.

2013 wechselt Krämer als Leiter der Business Unit Performance Polymers in der Region Asien-Pazifik zu Evonik – bleibt seinem Arbeitsstandort Schanghai jedoch treu. 2015 zieht es ihn schließlich zurück nach Deutschland. In Darmstadt übernimmt Krämer die Leitung der Sparte Acrylic Polymers.

Im Zuge des Verkaufs der Sparte an den Finanzinvestor Advent verlässt Krämer Evonik und wird Teil des nun eigenständigen Unternehmens Röhm. Dort übernimmt er im Oktober 2019 den CFO-Posten. Außerdem fungiert er seit August 2020 als Arbeitsdirektor.

zum Profil

Der Fokus auf Cash ist unter dem neuen Eigentümer deutlich stärker. Das ist für mich als ehemaliger Treasurer zwar nichts neues, für viele Mitarbeiter ist das allerdings durchaus ein Paradigmenwechsel. Wir haben täglich einen globalen Überblick über das weltweite Cash – das war eines der ersten Projekte, die wir umgesetzt haben. Zudem sind wir ein viel kleineres Team und dadurch können Entscheidungen schneller getroffen werden. Das begrüße ich sehr.

Wie ist Röhm finanziert?
Wir haben im Vorfeld der Übernahme eine Finanzierung mit einer Bankengruppe abgeschlossen, die über sechseinhalb beziehungsweise sieben Jahre läuft. Die Finanzierung setzt sich zusammen aus einem Term Loan B in Euro und US-Dollar sowie einer revolvierenden Kreditfazilität über 300 Millionen Euro, die uns kurzfristige Ziehungen ermöglicht.

Haben Sie davon während der Coronakrise Gebrauch gemacht?

Ja, zu Beginn der Krise haben wir den Revolver zum Teil als Reserve gezogen. Da wir aber seit Jahresanfang ordentlich Cash generiert haben, haben wir diese Reserve inzwischen wieder vollständig zurückgezahlt und unsere Verschuldung reduziert. Zur Jahresmitte lag unsere Nettoverschuldung bei 1,45 Milliarden Euro.

Röhm bereitet millionenschwere Investition vor

Zum Start in die Eigenständigkeit haben Sie angekündigt, zum weltweit führenden Methacrylat-Verbund werden zu wollen und neue Anwendungsfelder zu erschließen. Wie kommen Sie mit diesen Plänen voran?

Gut. An unserer grundsätzlichen strategischen Ausrichtung hat sich durch die Krise nichts geändert: Wir wollen der führende Methacrylat-Verbund werden. Das beinhaltet auch die Technologieführerschaft in der Produktion. Dafür haben wir ein neues Verfahren entwickelt, dass die Herstellung von Methacrylat-Monomeren deutlich energieeffizienter macht und damit perspektivisch auch unsere Profitabilität verbessern wird. Dafür müssten wir in den kommenden zwei bis drei Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag investieren.

„Wir wollen unser Ebitda bis 2023 um jährlich 100 Millionen Euro verbessern.“

Martin Krämer, CFO Röhm

Wann beginnen Sie damit?
Die finale Standortauswahl für den Bau der Produktionsanalage läuft gerade und sobald unsere technische Vorstudie abgeschlossen ist, werden wir eine finale Entscheidung treffen. Diese erwarten wir in den ersten Monaten des nächsten Jahres.

Röhm-CFO: M&A ja, aber erst später

Welche Rolle spielt M&A bei Ihren Wachstumsplänen?
Zukäufe sind grundsätzlich auf unserem Radarschirm, denn wir haben strategisch sowohl organisches wie auch externes Wachstum als Ziel definiert. Wir werden jedoch nicht überstürzt handeln, weil jetzt erstmal die Investition in unsere neue Upstream-Technologie im Fokus steht. Aber natürlich schauen wir uns mit Unterstützung unseres Sponsors Advent nach Gelegenheiten um.  

Sie haben gesagt, dass Sie die Profitabilität verbessern wollen. Beim Verkauf gab Evonik das durchschnittliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der Jahre 2016 bis 2018 mit 350 Millionen Euro an. Was schwebt Ihnen vor?
Wir wollen unser Ebitda bis 2023 um jährlich 100 Millionen Euro verbessern. Wir haben am Tag nach dem Closing – also im August 2019 – damit begonnen, an unserer Profitabilität zu arbeiten und haben eine ganze Reihe an Initiativen aufgelegt.

Geben Sie uns bitte ein Beispiel!
Wir haben zum Beispiel ein Einkaufsprojekt an den Start gebracht, um unsere organisatorische und prozessuale Aufstellung zu verbessern. Wir sind ein großer Abnehmer von Rohstoffen, haben zum Teil aber auch mit großen Lieferanten zu tun. Hier wollen wir die bestmögliche Aufstellung finden, um unsere insgesamten Einkaufskonditionen zu verbessern. Darüber hinaus schauen wir uns zum Beispiel auch die Verwaltungsprozesse an. Bei Evonik waren wir Teil eines großen Konzerns mit unterschiedlichen Geschäften. Jetzt sind wir deutlich kleiner, das Business ist homogener. Damit können wir auch Prozesse standardisieren und automatisieren. Daran arbeiten wir jetzt.

desiree.buchholz[at]finance-magazin.de