SGL Carbon räumt sein Portfolio auf: Die Hitco-Tochter muss weg, dafür zahlt SGL sogar ordentlich drauf.

SGL Carbon

20.07.15
CFO

SGL Carbon zahlt beim Verkauf von Hitco ordentlich drauf

Das Management von SGL Carbon dreht jeden Stein um und stellt jeden Geschäftsbereich auf den Prüfstand. Die Tochter Hitco ist durchgefallen und wird nach Kanada abgeschoben. Damit die Wiesbadener Hitco los werden, muss CFO Michael Majerus eine Stange Geld mit drauflegen.

Das Management des Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon um CEO Jürgen Köhler und CFO Michael Majerus stellt derzeit jeden Geschäftsbereich der SGL-Familie auf den Prüfstand. Die seit langem defizitäre Tochter Hitco hat den Test nicht bestanden. Die Konsequenz: Sie muss die SGL-Familie verlassen und wird nach Kanada abgeschoben.

Was bei SGL hingegen verbleibt, ist laut eines Unternehmenssprechers das derzeit noch profitable Materialgeschäft von Hitco. Dieses Geschäft, in dem SGL Carbon keine Bauteile herstellt, sondern nur Einzelmaterialen vertreibt, ist nicht Teil des Deals. Ein Verkauf steht aber immer noch zur Debatte – der Geschäftsbereich wird vorerst weiter als „nichtfortgeführte Aktivität“ bilanziert.

Der Abnehmer für das defizitäre Geschäft mit Flugzeugbauteilen ist die an der Börse Toronto notierte Avcorp Industries. Um Hitco unter die Haube zu bringen, packt CFO Majerus eine ordentliche Mitgift drauf: Umgerechnet zahlt SGL Carbon rund 40 Millionen Euro (47 Millionen US-Dollar), von denen der Hauptteil an Avcorp Industries fließen dürfte. Das Closing soll spätestens am 16. Oktober erfolgen, der Deal bedarf noch der üblichen Zustimmungen der Behörden. Den Cashabfluss von rund 40 Millionen Euro hat SGL Carbon bislang nicht eingeplant, so dass die Analysten ihre Cashflow-Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr nun wohl reduzieren müssen.

SGL Carbon: Sondereffekte belasten aktuelles Geschäftsjahr

Den durch den Verkauf entstehenden Verlust realisiert SGL Carbon im laufendeGeschäftsjahr. Da Hitco laut eines SGL-Sprechers derzeit noch mit 30 Millionen Euro in den Büchern steht, summieren sich die fälligen Wertberichtigungen laut SGL-Angaben auf 50 bis 55 Millionen Euro.

Eine kleine, wenn auch nicht wesentliche Gegenbuchung ergibt sich durch einen Steuereffekt: Im Zuge einer Steuerprüfung bezüglich SGL-Geschäften in Spanien aus den Jahren 2006 bis 2012 muss SGL zwar noch in diesem Jahr rund 35 Millionen Euro bezahlen. Die dafür gebildeten Steuerrückstellungen betragen jedoch 41 Millionen Euro, so dass eine ergebniswirksame Auflösung von 6 Millionen Euro verbleibt. Doch auch dieser Cashabfluss dürfte das Unternehmen schmerzen – zusammen mit den Abflüssen an Avcorp Industries beläuft sich die heute vermeldete Cashflowbelastung auf rund 75 Millionen Euro.

SGL Carbon: Michael Majerus räumt auf

Die SGL Carbon von Finanzchef Michael Majerus auferlegten harten Ziele bei den Finanzkennzahlen sind Unternehmensangaben zufolge aber nicht in Gefahr. SGL Carbon bestätigt ihre Prognose für das Gesamtjahr 2015 und geht weiterhin davon aus, dass das Ebitda und das Ebit gegenüber 2014 „deutlich steigen“ werden.

Im ersten Halbjahr 2015 liegt das Ebitda laut Unternehmensangaben bei 61 Millionen Euro, das Ebit bei 15 Millionen – die Sondereinflüsse nicht eingerechnet. Den vollständigen Halbjahresbericht hat SGL Carbon für den 6. August angekündigt. Für DZ-Bank- Analyst Dirk Schlamp ist der heute verkündete Deal eine Enttäuschung, da sie das Finanzprofil des Kohlenstoffspezialisten verschlechtere. Die Aktionäre quittieren Majerus Aufräumarbeiten dagegen mit einem Kurssprung von 4 Prozent auf 16,26 Euro.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de