SGL Carbon will mit Hilfe einer Kapitalerhöhung die strategische Neuausrichtung vorantreiben.

SGL Carbon

29.09.14
CFO

SGL Carbon: CFO Majerus verordnet „klare Finanzkennzahlen“

SGL Carbon definiert eine neue Finanzstrategie: Verlustbringer sollen konsequent restrukturiert oder abgestoßen werden. Zudem will Neu-CFO Michael Majerus die Bilanzstruktur verbessern.

Die Wiesbadener SGL Carbon will sich neu aufstellen und das Geschäft straffer und profitabler machen. Der Umsatzrückgang soll enden und die Aktionärsrendite steigen, so verspricht es der neue Vorstand. Die genaue Prüfung aller Geschäftsbereiche ist Teil der Restrukturierung: Was Verluste einfährt, soll restrukturiert oder verkauft werden. „Wir werden nach dem Motto ‚fix it, sell it or close it‘ verfahren“, sagte Jürgen Köhler, Vorstandsvorsitzender der SGL Carbon vor Journalisten.

Im Rahmen des Sparprogramms SGL2015 mit einem Einsparziel von 200 Millionen Euro hat der Konzern bereits die Schließung von jeweils einem Standort in Kanada und Italien bekanntgegeben und die Tochtergesellschaft Rotec verkauft. Im Juni 2014 wurde außerdem der Verkaufsprozess von US-Tochter Hitco gestartet.

Wichtiger Bestandteil der neuen Strategie ist die Fokussierung auf „klare Finanzkennzahlen“, wie der seit Juli amtierende neue Finanzchef des Unternehmens betont. CFO Michael Majerus verspricht sich davon auch einen Wandel in der Unternehmenskultur: „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Kapital eine wertvolle Ressource ist und wir ihren Einsatz optimieren müssen“ – wer wollte, könnte darin auch einen Seitenhieb gegen den vorherigen CFO Jürgen Muth erkennen.

Dabei strebt SGL Carbon eine Kapitalrendite (ROCE) von mindestens 15 Prozent an sowie die Senkung des dynamischen Verschuldungsgrads (Nettofinanzschulden/Ebitda) auf unter 2,5. Die neu installierte Vorstandsvergütung berücksichtigt bereits diese neuen Kennzahlen. Auch die Anreizsysteme für weitere Führungskräfte sollen angepasst werden. Einen zeitlichen Rahmen, wann das Unternehmen als Ganzes diesen Wert erreichen kann, will Majerus nicht nennen. Neue Investitionen fielen schon jetzt unter diese Zielvorgabe.

SGL Carbon: Bilanzverbesserung durch Kapitalerhöhung

Die nötige Zeit und für die umfassende Neuausrichtung des Konzerns notwendigen Mittel sichert eine heute beschlossene Kapitalerhöhung. Dadurch soll sich die Bilanzstruktur deutlich verbessern: Nach Vollplatzierung soll sich der Verschuldungsgrad des Unternehmens (Gearing) auf 0,46 reduzieren und die Eigenkapitalquote wieder auf über 30 Prozent steigen.

SGL Carbon plant 20,18 Millionen neue Aktien auszugeben, die den Aktionären in einem Verhältnis von 25:7 angeboten werden. Bisher hatte das Unternehmen rund 71,2 Millionen Aktien. Der Bruttoemissionserlös wird sich vor Kosten voraussichtlich auf 267,4 Millionen Euro belaufen.

Die bisherigen Ankeraktionäre Susanne Klatten über ihr Investmentvehikel SKion (27,53 Prozent Anteile), BMW (18,49 Prozent) und Volkswagen (9,94 Prozent) werden die Kapitalerhöhung in vollem Umfang mittragen. Ob der Industriekonzern Voith ebenfalls mitziehen wird, ist noch nicht bekannt. Die Entscheidung dazu stehe noch aus, sagt der Vorstandsvorsitzende Köhler.

Der Aktienkurs des Unternehmens reagierte negativ auf die bevorstehende Verwässerung durch die Kapitalerhöhung und hat um 6,25 Prozent nachgegeben. Der Anleihekurs von SGL Carbon legte hingegen deutlich zu, nachdem er in der vergangenen Woche unter 100 gefallen war.

SGL Carbon: Rückgang bei Preis und Nachfrage für Graphitelektroden

SGL Carbon leidet derzeit unter der niedrigen Nachfrage nach Graphitelektroden und dem starken Preisdruck. Grund dafür ist der derzeit günstige Hochofenstahl aus China. Das drückt die Elektrostahlproduktion, für die Graphitelektroden benötigt werden. Dies führte im ersten Halbjahr 2014 zu einem Umsatzrückgang von 35 Prozent in diesem Segment im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Insgesamt ist der Konzernumsatz um 12,4 Prozent gesunken. Der Konzern erzielte zuletzt kaum noch Gewinn. Im 1. Halbjahr 2014 erreichte SGL Carbon ein Ebit vor Sondereinflüssen von 1,1 Millionen Euro. Im Vorjahr lag es im Vergleichszeitraum noch bei 31,3 Millionen Euro.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de