01.09.15
CFO

SGL-CFO Majerus: „Müssen PP nicht aufhübschen”

Mit der Ankündigung, das Kerngeschäft mit Graphitelektroden zu verselbständigen, hat SGL Carbon den Markt überrascht. Im Gespräch mit FINANCE gibt SGL-CFO Michael Majerus einen Einblick in seine Optionen. IPO, Verkauf, Fusion: Alles liegt auf dem Tisch.

Herr Majerus, SGL Carbon hat kürzlich angekündigt, das Kerngeschäft „Performance Products“ (PP) bis Ende 2016 rechtlich zu verselbständigen. Ende vergangenen Jahres haben Sie gegenüber FINANCE-TV noch erklärt, keine der drei Säulen der SGL stehe in Gänze zur Disposition. Wie kam es zu dieser Kehrtwende?
Die drei Geschäftsbereiche von SGL haben sich in den vergangenen Monaten sehr unterschiedlich entwickelt: Die Segmente CFM (Carbonfaser) und GMS (Graphitprodukte) haben starke Wachstumspotentiale. Hier wollen wir unsere Wachstums- und F&E-Aktivitäten intensivieren. Der Geschäftsbereich PP leidet dagegen unter den Überkapazitäten am globalen Stahlmarkt, insbesondere in China. Die Nachfrage und die Preise für Graphitelektroden sinken. Diese Rahmenbedingungen erfordern strukturell andere Prozesse. Um dem Rechnung zu tragen, haben wir die rechtliche Verselbstständigung innerhalb der SGL Group angestoßen.

Analysten sehen in der Verselbständigung vor allem ein Signal an potentielle Kaufinteressenten. Auch eine Fusion mit dem kürzlich vom PE-Investor Brookfield übernommenen Konkurrenten GrafTech wird ins Spiel gebracht. Sind schon Angebote bei Ihnen eingegangen?
Die Frage stellt sich für uns nicht. Aber Sie haben Recht, neben dem kurzfristigen Motiv,  Prozesse zu optimieren und dem rückläufigen Markt anzupassen, denken wir mittelfristig auch über strategische Optionen nach. Angesichts der Überkapazitäten bei Graphitelektroden rechnen wir mit einer Konsolidierung am Markt. An dieser können wir besser teilnehmen, wenn wir eine gesonderte rechtliche Struktur haben.

SGL-CFO Michael Majerus: Alle Optionen für PP denkbar

Ein Verkauf oder ein IPO ließe sich dann leichter bewerkstelligen. Gibt es denn auch ein Szenario in dem SGL bei dieser Konsolidierung eine aktive Rolle spielen könnte? Oder geht es in erster Linie darum, PP als Übernahmetarget oder für einen IPO aufzuhübschen?
PP ist kein schlechtes Geschäftsfeld, da müssen wir nichts aufhübschen. Im ersten Halbjahr 2015 konnten wir das Ebit vor Sondereinflüssen gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich von 6,8 auf 16,9 Millionen Euro steigern, auch das Cashflow-Profil ist gut. Insbesondere im relativen Vergleich zum Wettbewerb sind wir damit gut aufgestellt, denn einige haben rückläufige Ergebnisse. Für uns bieten sich grundsätzlich mit der Verselbstständigung der PP alle Optionen – vom Verkauf an einen Strategen oder einen Finanzinvestor über eine Fusion mit einem Wettbewerber bis hin zu einem IPO.

Haben Sie eine Präferenz?
Nein. Wir werden einen strategischen Schritt nur machen, wenn dieser konform mit unseren Finanzzielen ist, die Verschuldung zu reduzieren und den Unternehmenswert zu steigern.

CFO Majerus hofft auf Joint-Venture-Partner BMW

Den Erlös aus einem Verkauf oder IPO von PP könnten Sie für Investitionen in die anderen Konzernteile aber gut gebrauchen. Dort wollen sie kräftig wachsen.
Grundsätzlich stimmt das, aber wir verspüren keinen Druck. Wir haben in der Vergangenheit in den beiden Bereichen viel investiert. Auch deshalb ist unsere Nettofinanzverschuldung auf 523 Millionen Euro angeschwollen. Mit diesen Investitionen haben wir eine gute Grundlage gelegt, um die 50 Prozent organisches Wachstum, die wir in beiden Bereichen bis 2020 anstreben, zu erreichen.

SGL vertröstet Investoren und Analysten seit Jahren mit Wachstumsphantasien, die dann nicht eintreten.
Das wird diesmal anders sein, denn wir haben in beiden Bereichen zuletzt wichtige Fortschritte gemacht. So setzt etwa unser Joint-Venture-Partner BMW erstmals Carbonfasermaterialien auch in der Oberklasse in Serie ein. Sie kommen im neuen 7er unter anderem in der Dachrahmenkonstruktion zum Einsatz, um das Gewicht des Autos zu reduzieren. Damit erreicht der Werkstoff nach dem Einsatz in Rennfahrzeugen und in Elektroautos wie der i-Serie nun die nächste Phase. Und auch das Thema Einsatz von Graphit in  Lithium-Ionen-Batterien nimmt  Fahrt auf.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Wie CFO Michael Majerus SGL umkrempeln will und wie seine Erfolgschancen stehen, das lesen Sie in der nächsten FINANCE-Printausgabe, die an diesem Freitag erscheint, erhältlich am Kiosk, im Abo oder hier.