Nach der Sanierung ist vor dem Befreiungsschlag? Singulus-CFO Markus Ehret verrät seine Pläne für die Zeit nach dem Debt-to-Equity-Swap.

Singulus

08.07.16
CFO

Singulus-CFO Ehret: „Wollen neue Anleihe schnell ablösen“

Singulus ist mit dem Schuldenschnitt so gut wie am Ziel. Doch die neue Finanzierung will CFO Markus Ehret so schnell wie möglich wieder ablösen. Sie ist ihm schlicht zu teuer, wie er im FINANCE-Interview verrät.

Bis nächsten Mittwoch können Ihre Bondholder ihre alten Papiere in die neue Singulus-Anleihe und in neue Aktien tauschen. Ist die jahrelange Restrukturierung von Singulus nächste Woche dann endgültig abgeschlossen?
Durch den Debt-to-Equity-Swap sinken unsere Anleiheschulden von 60 auf 12 Millionen Euro. Nennenswerte Bankschulden haben wir nicht. Es folgt noch eine Barkapitalerhöhung, die die außerordentliche Hauptversammlung im Februar beschlossen hat, aber die Restrukturierung der Finanzseite ist damit durch. Die strategische Neuausrichtung unseres Geschäfts auf den Solarmarkt und die Arbeiten an neuen technischen Anwendungen im Beschichtungsbereich zur weiteren Diversifizierung gehen aber weiter.

Kann der Debt-to-Equity-Swap, bei dem Ihre Bondholder fast alle Anteile der Firma übernehmen werden, jetzt noch scheitern?
Nein. Der Umtausch läuft, die alten Anleihen sind ja bereits ausgebucht und die Erwerbsrechte in die jeweiligen Depots eingebucht.  Nach Ablauf der Frist am 13. Juli werden die Erwerbsrechte gratis in neue Aktien und neue Anleihen umgebucht. Aber jeder Investor muss seine Depotbank dazu anweisen. Der Umtausch ist für jeden Anleihebesitzer bis auf die Bankgebühren kostenlos. Für Singulus selbst gibt es in dieser Transaktion keine Risiken mehr – höchstens noch für einen Teil unserer Investoren.

Warum das?
Bondholder, die das Umtauschangebot verstreichen lassen, ohne Ihre Bank zur Ausübung anzuweisen, könnten vielleicht nur einen geringen Barausgleich für ihre Erwerbsrechte erhalten. Die größeren Investoren, die am Umtausch teilnehmen und von nicht ausgeübten Erwerbsrechten profitieren, wären die Nutznießer – deren künftige Beteiligung an Singulus fiele dann entsprechend höher aus. Mir persönlich ist es aber wichtig, dass alle Investoren eine faire Gegenleistung erhalten, denn sie haben einen wichtigen Beitrag zum Gelingen unserer Bilanzsanierung geleistet.   

Singulus sieht großes Kundeninteresse aus China

Das laufende Geschäftsjahr läuft schon wieder sehr bescheiden. Ist Singulus wirklich in der Lage, die neue Anleihe in Höhe von 12 Millionen Euro zu tragen?
Das sind wir gewiss. Unser operatives Geschäft entwickelt sich zufriedenstellend, und wir haben die Folgen des Debt-to-Equity-Swaps für unsere Finanzplanung seriös durchgerechnet. Wir gehen davon aus, dass wir die neue Anleihe sogar vorzeitig zurückführen werden, weil der Zinskupon mit jedem Jahr der Laufzeit weiter ansteigt. Damit werden die Konditionen zum Ende der Laufzeit hin für uns unattraktiv.

Ihre aktuellen Aussagen zur Geschäftsentwicklung sind verwirrend. Ende Mai haben Sie den größten Auftrag der Firmengeschichte verbucht, Singulus liefert Solarmaschinen für 110 Millionen Euro nach China. Gleichzeitig kassierten Sie Ihre Jahresprognosen ein. Das hat Ihre Investoren verunsichert.
Der Großauftrag aus China ist ein großer Erfolg für uns. Das Aussetzen unserer Prognose erklärt sich damit, dass wir diesen Auftrag für März/April eingeplant hatten, er kam dann aber erst im Mai/Juni. Da wir die Umsätze nach Fertigungsfortschritt abrechnen, verschiebt sich ein größerer Teil der Erlöse in das nächste Jahr, als wir es erwartet hatten. Aber für 2017 sieht es nicht nur deshalb gut aus. In China gibt es großes Interesse an unserer Technologie, und auch der Kunde unseres Großauftrags, CNBM, will weiter ausbauen. Wir rechnen daher mit weiteren Aufträgen aus der Solarindustrie.

Das Volumen des Großauftrags von CNBM entspricht einem ganzen Jahresumsatz von Singulus. Ist der Auftrag auch profitabel?
Ja, er ist profitabel.

Anhaltende Flaute im Stammgeschäft von Singulus

Von Ihrem einstigen Kerngeschäft mit Optical Discs hört man dagegen nichts mehr. In Ihrem Lager stehen nun schon seit fast zwei Jahren fertige Blu-Ray-Maschinen mit einem einstigen Verkaufswert von mehr als 10 Millionen Euro, die keiner haben will. Ist das Optical-Discs-Geschäft tot?  
Für Standard Blu-ay-Produktionsanlagen ist derzeit kaum Neumaschinengeschäft absehbar. Das gilt auch für die Anlagen in unserem Vorratsbestand. Allerdings können wir diese Maschinen zu Produktionsanlagen für Ultra-HD-Blu-ray-Discs umbauen. Von diesem Markt erwarten wir uns 2017 und 2018 eine gewisse Nachfrage. Außerdem bleibt uns bei Optical Discs noch unser Service- und Ersatzteilgeschäft. Weltweit sind mehrere tausend Singulus-Maschinen im Einsatz. Das bringt uns derzeit 25 bis 30 Millionen Euro an Serviceumsätzen pro Jahr, bei guten Margen.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie es zur Krise bei Singulus kam und wie sich das Unternehmen mit einer Finanzrestrukturierung gerettet hat – alle wichtigen Hintergründe gibt es auf unserer Themenseite zu Singulus.

Zusatzinfos zum Werdegang des Finanzchefs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Markus Ehret.