Zuckerfabrik des Südzucker-Konzerns in Offenau: Expandiert der MDax-Konzern bald nach Südamerika?

Südzucker

14.10.14
CFO

Südzucker erwägt Milliarden-Deal

Während die Investoren schockiert sind vom aktuellen Gewinnverfall, bereitet die Südzucker-Führung offenbar eine große M&A-Transaktion vor. Der potentielle Milliardendeal dürfte sich in Südamerika abspielen.

Trotz des Preisverfalls am Zuckermarkt, der bei Südzucker im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/15 zwei Drittel des operativen Gewinns ausgelöscht hat, ist das Management angriffslustig. „Der Preisverfall hat auch dazu geführt, dass die Akquisitionspreise derzeit sehr niedrig sind“, erklärte Südzucker-CFO Thomas Kölbl heute bei FINANCE-TV.

Südzuckers M&A-Ambitionen sind durchaus beachtlich. „Über 1 Milliarde Euro“ könnte Südzucker laut Kölbl mobilisieren, ohne sein Investmentgrade-Rating einzubüßen und zusätzliches Eigenkapital aufnehmen zu müssen. Die Finanzierungsstruktur und das Akquisitionsvolumen seien auch vom Cashflow-Profil des Targets abhängig, und die Profitabilität der Zuckerkonzerne ist weltweit aktuell extrem unterschiedlich. In weitgehend abgeschotteten Zuckermärkten wie zum Beispiel in Russland seien die Zuckerproduzenten aktuell sehr profitabel, während im großen Zuckermarkt Brasilien im Zuge des weltweiten Preisverfalls laut Kölbl praktisch alle Anbieter bereits in die Verlustzone gerutscht seien.

Für Südzucker hat eine Expansion nach Übersee auch deshalb hohe Priorität, weil 2017 die aktuell gültige EU-Zuckermarktordnung ausläuft. Danach wird der europäische Zuckermarkt weitgehend liberalisiert sein. Es wird erwartet, dass dies dominante Anbieter wie Südzucker zunächst schwächen, mittelfristig aber stärken könnte, sobald die Marktführer die kleineren Anbieter aus dem Markt gedrängt haben. Der Zugriff auf Low-Cost-Produktionsstandorte in Übersee wäre ein Trumpf für den Abbau der Importbeschränkungen, mit dem die Südzucker-Führung schon seit einer Weile liebäugelt.

Anleger und Analysten kehren Südzucker den Rücken

An der Bilanz würde eine große Akquisition nicht scheitern, trotz des rapiden Gewinnverfalls, der Südzucker gerade heimsucht. Die Nettofinanzschulden liegen aktuell bei 422 Millionen Euro und sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres Ende März 2015 auf 650 bis 750 Millionen Euro ansteigen. Dem soll ein operativer Gewinn (Ebitda) von 500 Millionen Euro gegenüberstehen. Der Verschuldungs-Multiplikator läge damit bei rund 1,5x Ebitda. Die Eigenkapitalquote dürfte auch in sechs Monaten noch über 50 Prozent liegen, das Verhältnis von Nettoschulden zum Eigenkapital (Gearing) zwischen 10 bis 15 Prozent. Aktuell verfügt Südzucker über ein stabiles Rating von BBB. 

Kurzfristige Fälligkeiten in nennenswerter Höhe muss Südzucker-CFO Thomas Kölbl nicht managen. Allerdings rückt der Cashflow-Covenant der älteren der beiden Südzucker-Hybridanleihen, die auf ein Volumen von 700 Millionen Euro kommt, langsam in die Nähe. Südzucker muss 5 Prozent des Umsatzes als Cashflow erwirtschaften, sonst steht den Gläubigern der Hybridanleihe ein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Auf Basis der aktuellen Jahresprognose käme Südzucker am Geschäftsjahresende bei rund 6,5 Prozent heraus. Im kommenden Jahr soll sich die Ertragslage im Zuckergeschäft noch weiter verschlechtern, allerdings hofft Südzucker für 2015/16 auf höhere Ergebnisbeiträge aus dem Spezialitäten- und Bioethanolgeschäft. 

Die eigentlich solide Finanzlage wird derzeit freilich von der schlechten Geschäftsentwicklung überschattet. Nach Vorlage der Halbjahreszahlen fiel der Aktienkurs in der vergangenen Woche auf ein Fünfjahrestief von rund 10 Euro. Noch im Frühjahr 2013 hatten Anleger nach einem Rekordjahr mit sehr hohen Zuckerpreisen für eine Südzucker-Aktie rund 35 Euro bezahlt. Fast alle Analysten haben in den vergangenen Monaten ihre Kaufempfehlung für das Papier gestrichen.

Ein großer Zukauf am M&A-Markt wäre in dieser Lage ein mutiges Unterfangen – aber auch ein starkes Signal der Handlungsfähigkeit und Finanzstärke des Südzucker-Konzerns.       

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de