ThyssenKrupp

01.10.18
CFO

ThyssenKrupp setzt alles auf Guido Kerkhoff

Beide offenen Führungspositionen bei ThyssenKrupp werden intern nachbesetzt: CFO Guido Kerkhoff wird endgültig Vorstandschef, Bernhard Pellens neuer Chefaufseher. Beide stehen vor drängenden Aufgaben.

Monatelang suchte der Industriekonzern ThyssenKrupp nach möglichen Kandidaten für den vakanten CEO-Posten und für die freie Stelle des Aufsichtsratsvorsitzenden. In beiden Fällen meldet der Essener Konzern nun Vollzug, allerdings anders, als von vielen Investoren erhofft: Der seit 2011 als CFO amtierende Guido Kerkhoff wird vom Interimschef zum dauerhaften Vorstandschef.

Wie ThyssenKrupp mitteilte, wird er für fünf Jahre zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Kerkhoff hatte im Juli den Chefposten interimsweise übernommen, nachdem sein Vorgänger Heinrich Hiesinger nach einem Streit mit Gesellschaftern seinen Rücktritt erklärt hatte. Wie ThyssenKrupp weiter mitteilte, sucht der Konzern jetzt nach einem Nachfolger für den CFO-Posten.

Vertragsverlängerung für alle drei Vorstände

Neben Kerkhoff wurden auch zwei weitere Vorstandspersonalien geregelt. Personalvorstand Oliver Burkhard erhält einen Vertrag bis 2023. Donatus Kaufmann, bei dem die Bereiche Recht und Compliance angesiedelt sind, hat einen Kontrakt bis Ende Januar 2022 unterschrieben.

Die Stelle des Chefaufsehers wird Bernhard Pellens übernehmen. Der Wirtschaftsprofessor leitete bisher den Prüfungsausschuss. Die Besetzung der beiden Führungspositionen bei ThyssenKrupp galt von Anfang an als schwieriges Unterfangen, weil unklar ist, wer letztlich im Konzern die Richtung vorgibt, die eher traditionell ausgerichtete Krupp-Stiftung oder die auf tiefe Einschnitte drängenden Finanzinvestoren Cevian und Elliot. Beide Lager kontrollieren über 20 Prozent der Stimmrechte. 

Geteilte Meinung zur Berufung von Guido Kerkhoff

Insbesondere die Entscheidung, Kerkhoff vom CFO zum CEO zu machen, ruft ein geteiltes Echo hervor. So erhält der neue Konzernchef aus dem Unternehmensumfeld zwar sehr viel Zuspruch. Ursula Gather, Kuratoriumsvorsitzende der Krupp-Stiftung, die mit 21 Prozent an dem Konzern beteiligt ist, sagte: „Die Stiftung steht voll hinter dem aktiven Vorstand und befürwortet eine konsequente Umsetzung der Vorschläge unter Führung von Guido Kerkhoff als CEO. Herr Kerkhoff zeigt den Willen und die Fähigkeit, das Unternehmen strategisch neu auszurichten.“ 

Analysten und Anleger sehen die Berufung Kerkhoffs hingegen kritischer. Luke Nelson, Analyst bei der Investmentbank JP Morgan, schrieb beispielsweise in einer Studie vom heutigen Montag, dass einige Anleger sich eher eine externe Lösung an der Konzernspitze gewünscht hätten.  

Doch trotz der Zweifel an seiner Eignung kann Kerkhoff seinen neuen Posten mit Rückenwind antreten. Seine Idee, den Konzern in zwei Teile aufzuspalten, stieß bei allen wichtigen Aktionären auf Zuspruch, auch bei Cevian. „Cevian Capital unterstützt die Entscheidung von ThyssenKrupp voll und ganz, den Konzern in zwei unabhängige Unternehmen, Industrials und Materials, aufzuteilen“, sagte Lars Förberg, Gründer der Private-Equity-Gesellschaft, die mit 18 Prozent beteiligt ist.

Guido Kerkhoff, ThyssenKrupp AG

Von 1995 bis 1996 arbeitet Kerkhoff im Bereich Konzernbilanzierung bei dem Energieversorger Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW). Von 1996 bis 2002 ist er bei Bertelsmann tätig, zuletzt im Bereich Konzernrechnungswesen/-controlling und leitet dort die Abteilung für Projekte und Grundsatzfragen.

Im Jahr 2002 wechselt Kerkhoff zur Deutschen Telekom, wo er verschiedene Führungspositionen im Finanzbereich inne hat. Von 2006 bis 2011 verantwortet er als Zentralbereichsleiter das Konzernrechnungswesen und Konzerncontrolling. 2009 steigt er in den Vorstand der Telekom auf, wo er zunächst die Regionen Süd- und Osteuropa betreut, ab 2010 dann das gesamte Europa.

Seit April 2011 ist Kerkhoff Vorstandsmitglied und CFO bei ThyssenKrupp. Im Mai 2015 hat der Manager seinen Vertrag um fünf weitere Jahre bis 2021 verlängert. Im Juli 2018 springt er nach dem Rückzug von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger als Interims-Chef ein. Ende September wird ihm die CEO-Position dann dauerhaft übertragen.

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Erfolglose Suche nach externem Chefaufseher

Auch bei der Besetzung des Chefpostens im Aufsichtsrat musste ThyssenKrupp auf eine interne Lösung zurückgreifen, nachdem es bei der Suche nach geeigneten Kandidaten offenbar reihenweise Absagen von bekannten Managern gab. Das berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf Branchenkreise.

Nun übernimmt der 62-Jährige Pellens den Vorsitz des Kontrollgremiums. Er ist bereits seit 2005 Aufsichtsratsmitglied bei ThyssenKrupp und hauptberuflich Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Er übernimmt den Vorsitz von Ulrich Lehner, der den Aufsichtsrat im Juli verlassen hatte.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Mehr über den langjährigen ThyssenKrupp-CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Guido Kerkhoff.