CFO Christopher Delbrück begleitet das Kostensenkungsprogramm von Uniper.

Uniper

07.11.16
CFO

Uniper-CFO Christopher Delbrück kürzt nach Spin-Off

Nach dem IPO greift CFO Christopher Delbrück bei Uniper durch. Die Rede ist von Einsparungen in Höhe von einer halben Milliarde Euro. Auch E.on-CFO Michael Sen kürzt.

Kaum ist der E.on-Spin-Off Uniper an der Börse, plant Finanzchef Christopher Delbrück Kosteneinsparungen von bis zu einer halben Milliarde Euro pro Jahr. Das berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise.

Uniper hatte noch vor dem Börsengang im April das Programm „Voyager“ auf den Weg gebracht, das Kosteneinsparungen unter anderem in den Bereichen IT und Beschaffung vorsieht. Auch die Struktur des Top-Managements steht vor einer Vereinfachung. Das Programm soll bis Ende 2017 implementiert sein. Genau beziffert wurden die Kosten damals allerdings nicht.

E.on will einen niedrigen dreistelligen Millionen-Betrag sparen

Auch jetzt will Uniper die zitierten 500 Millionen Euro nicht bestätigen, da die Sparmaßnahmen „von unten nach oben“, also ausgehend von den einzelnen Geschäftsbereichen ermittelt werden sollen, sagte ein Uniper-Sprecher gegenüber der Rheinischen Post. Nur so viel: Es stünden „alle Bereiche und Ebenen auf dem Prüfstand. Dies bedeutet auch tiefe Einschnitte für das Management und die gesamte Belegschaft.“

Auch beim Mutterkonzern E.on stehen Einsparungen auf der Agenda, Arbeitnehmerkreise sprachen gegenüber der Rheinischen Post von einem niedrigen dreistelligen Millionen-Betrag. E.on hatte bereits in den vergangenen Jahren 11.000 Stellen im Rahmen des Programms „E.on 2.0“ abgebaut und damit 1,5 Milliarden Euro eingespart. So drastisch soll der Stellenabbau diesmal nicht werden, so ein E.on-Sprecher, ohne genauere Zahlen zu nennen.

Erfolg von Uniper ist entscheidend für CFO Delbrück und E.on-CFO Sen

Die Entwicklung bei Uniper ist typisch für ein Spin-Off. Meist bringt nach einem solchen Ereignis besonders das Top-Management des neu gegründeten Unternehmens Effizienzmaßnahmen auf den Weg. Denn CEO und CFO sind in aller Regel über Aktien und Aktienoptionen direkt am Erfolg des Konzerns beteiligt. Auch bei Uniper sind CEO und CFO im Equity.

E.on hatte im Dezember 2014 überraschend verkündet, sich vom Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken trennen zu wollen. Während E.on sich auf Ökostrom konzentriert, liegt das absterbende Geschäft mit den konventionellen Energien bei Uniper. Das Atomgeschäft musste E.on nach Widerstand aus der Politik aber schlussendlich doch behalten.

Der frühere E.on-CFO Klaus Schäfer wurde im Zuge der Abspaltung CEO bei Uniper. Das Finanzressort von E.on ging an den vorherigen Siemens-Healthcare-Finanzchef Michael Sen. Christopher Delbrück, zuvor Chef der Rohstoffsparte von E.on, übernahm das Finanzressort der abgespaltenen Uniper. 

E.on muss Milliarden auf Uniper abschreiben

Nach dem Börsengang am 12. September war der Börsenkurs von Uniper zunächst unter Druck geraten, da viele E.on-Aktionäre, die Uniper-Aktien in ihre Portfolios gelegt bekommen hatten, diese nicht besitzen wollten oder durften – etwa im Fall von institutionellen Investoren, welche die E.on-Aktie in einem Fonds für große Werte halten, während Uniper bisher keinem Aktienindex angehört.

Inzwischen hat sich der Kurs der Aktie erholt und zeigt einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, wie gut einerseits die Restrukturierungsversuche von Delbrück fruchten. Andererseits plant Uniper zahlreiche Desinvestments. Uniper-CEO und Ex-E.on-CFO Klaus Schäfer hatte bereits angekündigt, sich bis 2018 von Beteiligungen im Volumen von mehr als 2 Milliarden Euro trennen zu wollen.

Nicht nur für Schäfer und Delbrück, sondern auch für den Erfolg von E.on-CFO Michael Sen ist die Entwicklung von Uniper entscheidend, immerhin hält E.on noch 47 Prozent an dem abgespaltenen Unternehmen. E.on droht eine milliardenschwere Abschreibung auf seine Beteiligung, da Uniper mit 12,5 Milliarden Euro in den Büchern des Minderheitseigners steht, an der Börse aber nur 4,5 Milliarden Euro wert ist.

Hinzu kommen erhebliche Belastungen wegen des Atomausstiegs. In der Frage hat das Bundeskabinett Mitte Oktober ein Gesetz auf den Weg gebracht, das vorsieht, dass die vier größten Stromkonzerne Deutschlands rund 23,6 Milliarden Euro in einen Fonds einzahlen und dafür alle Haftungsrisiken beim Thema Atommüll los werden.

Würden Bundestag und Bundesrat das Gesetz beschließen, was Beobachter für sehr wahrscheinlich halten, wäre das für E.on eine Erleichterung, gleichzeitig aber auch eine zusätzliche finanzielle Belastung: E.on müsste auf die gebildeten Rückstellungen von 8 Milliarden Euro in dem Fall eigenen Schätzungen zufolge noch eine Risikoprämie von rund 2 Milliarden Euro zahlen. Am Mittwoch veröffentlicht E.on die Zahlen für das dritte Quartal.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Alles über Unipers Abspaltung vom Mutterkonzern lesen Sie auf unserer Themenseite zu E.on. Alle Infos über die bisherigen Karrierewege von Uniper-CFO Christopher Delbrück und E.on-CFO Michael Sen finden Sie in unserem CFO-Almanach FINANCE-Köpfe.

Wie Uniper die Einsparungen angehen will und warum der Energiekonzern das Projekt ganz bewusst ohne externe Berater stemmt, können Sie in unserer neuen Ausgabe lesen, die am 11. November erscheint.