VfB-Präsident Wolfgang Dietrich will "nicht mehr länger herumeiern": Am 1. Juni sollen die VfB-Mitglieder dem Verkauf von Anteilen an Investoren zustimmen.

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03.04.17
CFO

VfB Stuttgart will Anteile an Investoren verkaufen

Der VfB Stuttgart will für 100 Millionen Euro Anteile an Investoren verkaufen. Die angestrebte Bewertung liegt höher als beim HSV und bei Werder Bremen – und nur ein Viertel unter dem aktuellen Wert des Champions-League-Vereins Borussia Dortmund.

Das Management des VfB Stuttgart macht Ernst mit der seit langem geplanten Auslagerung der Profiabteilung: Am 1. Juni sollen die Mitglieder auf einer Vereinsversammlung dem Ausgliederungsplan von VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zustimmen. Anschließend will Dietrich bis zu 24,9 Prozent der Anteile an einen Investor verkaufen. Mehreren schwäbischen Unternehmen wird Interesse nachgesagt. Als Favorit gilt der Autobauer Daimler, der derzeit auch schon die Namensrechte am Stadion hält.

„Der VfB Stuttgart braucht zusätzliches Eigenkapital, wenn er langfristig erfolgreich sein will“, sagte Dietrich zur Begründung – und weiter: „Ich will eine Entscheidung so schnell wie möglich und nicht noch ein weiteres Jahr herumeiern.“ Damit geht Dietrich auf direkten Konfrontationskurs zu einer starken und einflussreichen vereinsinternen Opposition, die seit Jahren gegen ein Investorenmodell ankämpft. Bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Oktober fuhr Dietrich deshalb auch ein schwaches Wahlergebnis von nur 57 Prozent ein. Manche Mitglieder beschimpften ihn als „Spalter“.

Präsident Dietrich taxiert den Wert des VfB auf 300 Millionen Euro

Dietrichs Wahlergebnis zeigt, wie ungewiss es ist, ob er und VfB-Finanzchef Stefan Heim mit ihren Plänen durchkommen. Um das Investorenmodell auf den Weg zu bringen, brauchen sie auf der Mitgliederversammlung am 1. Juni eine Mehrheit von 75 Prozent der Teilnehmer. Prinzipiell stimmberechtigt sind über 50.000 Vereinsmitglieder.

„Die dauernde Ungewissheit lähmt den Verein“, meint Dietrich. Um „die sportliche Abwärtsspirale“ zu durchbrechen, sei „gerade jetzt eine Anschubfinanzierung notwendig“. Wirtschaftsprüfer haben im Auftrag der Vereinsführung den aktuellen Wert des VfB auf 300 Millionen Euro taxiert. Der Verkauf von 24,9 Prozent an der dann ausgelagerten Profiabteilung soll 100 Millionen Euro bringen und den Wert damit auf 400 Millionen Euro nach oben treiben. „Zu einem Preis darunter werden wir keine Aktien verkaufen“, kündigte Dietrich an.

Die angestrebte Bewertung erscheint durchaus ambitioniert. Zum Vergleich: Borussia Dortmund ist derzeit an der Börse 525 Millionen Euro wert, der Hamburger SV wurde beim Einstieg von Privatinvestoren zuletzt zu Preisen von 250 bis 300 Millionen Euro bewertet. In dieser Größenordnung verortet auch die Führung von Werder Bremen den Wert ihres Klubs.

Abstieg kostet den VfB 50 Millionen Euro Umsatz

Aufgrund des Abstiegs aus der Bundesliga im vergangenen Sommer befindet sich der VfB Stuttgart derzeit aber in einer schlechten wirtschaftlichen Lage. Der Umsatz aus dem Jahr 2015 von 125,5 Millionen Euro könnte in der laufenden Zweitligasaison nach früheren Aussagen der VfB-Führung um über 50 Millionen Euro zurückgehen.

Transfererlöse von über 30 Millionen Euro hielten den VfB vor Saisonbeginn finanziell zwar über Wasser, trotzdem gab es Einschnitte: Die normalen Mitarbeiter des Vereins verzichteten auf 30 Prozent ihrer Bezüge, und die Stadt Stuttgart halbierte die Stadionpacht auf rund 2,6 Millionen Euro im Jahr.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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