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Hedgefonds Elliott torpediert Hella-Übernahme

Der Hedgefonds Elliott mischt nun auch bei der geplanten Hella-Übernahme durch den französischen Wettbewerber Faurecia mit. Foto: HELLA
Der Hedgefonds Elliott mischt nun auch bei der geplanten Hella-Übernahme durch den französischen Wettbewerber Faurecia mit. Foto: HELLA

Nur wenige öffentliche Übernahmen bleiben von ihm verschont: Paul Singer. Im Juni störte er bereits den Vonovia-Deutsche-Wohnen-Deal, nun hat sich sein Hedgefonds Elliott mit Hella das nächste Ziel für seine M&A-Arbitrage ausgesucht. Wie aus einer am gestrigen Montag veröffentlichten Stimmrechtsmitteilung hervorgeht, hat der aktivistische Investor 6,57 Prozent der Anteile an dem Autozulieferer gekauft. Die 3-Prozent-Schwelle überschritten hatte der Investor bereits am 8. November, also am Montag vor einer Woche.

Faurecia bietet knapp 7 Milliarden Euro für Hella

Der französische Wettbewerber Faurecia ist gerade dabei, Hella für 6,8 Milliarden Euro zu übernehmen. Die Offerte über 60 Euro je Aktie (beziehungsweise 60,69 Euro inklusive der erwarteten Dividende) entspricht einer Prämie von 33 Prozent auf den Schlusskurs vom 26. April – ein Tag bevor Gerüchte hochkochten, die Eignerfamilie Hueck könnte sich von ihrer Mehrheitsbeteiligung an Hella trennen.

Den 60-prozentigen Anteil der Familiengesellschaften Hueck und Röpke haben sich die Franzosen bereits gesichert – für 3,4 Milliarden Euro. Ende Oktober teilte Hella zudem mit, dass Faurecia weitere knapp 15 Millionen der 44 Millionen noch ausstehenden Aktien angedient worden sind. Somit dürften die Franzosen aktuell rund 70 Prozent der Hella-Aktien kontrollieren.

Es ist zu vermuten, dass Paul Singer mit seinem Einstieg bei Hella im Falle eines Delistings des MDax-Unternehmens auf eine höhere Abfindung pokert. Derzeit bietet Faurecia den übrigen Aktionären ebenfalls 60 Euro je Papier, wenn sie sich nach dem Ende der Offerte herausdrängen lassen. Damit Hella im Rahmen eines Squeeze-outs von der Börse genommen werden kann, müsste Faurecia allerdings mindestens 90 Prozent der Anteile einsammeln.

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Elliott hofft bei Hella-Delisting auf höhere Abfindung

Das wird mit Paul Singer als Mitaktionär nun schwieriger werden, denn Faurecia müsste für einen Squeeze-out noch mindestens 20 Prozent einsammeln, wobei fast 7 Prozent der verbliebenen 30 Prozent nun bei Singer liegen. Das verringert Faurecias Spielraum deutlich.

Doch die Franzosen haben sich auf ein ebensolches Szenario überhaupt nicht festgelegt: „Die Bieterin beabsichtigt nicht, ein Delisting zu veranlassen“, heißt es in der Angebotsunterlage für Hella. Dort steht aber auch: „Die Bieterin wird jedoch zu jedem zukünftigen Zeitpunkt gemeinsam mit der Zielgesellschaft prüfen, ob die Zielgesellschaft und die Bieterin alle notwendigen Schritte in die Wege leiten sollten, um die Börsennotierung der Hella-Aktien zu beenden“.

Selbst wenn es zu keinem Delisting kommt, dürfte Faurecia nicht daran interessiert sein, einen Hedgefonds unter den Mitaktionären zu haben, der sich bei Streitpunkten öffentlich Gehör verschafft. Die Hella-Aktie legte am heutigen Montag um knapp 3 Prozent auf über 62 Euro zu – ein leichtes Indiz dafür, dass die Aktionäre zuversichtlich sind, dass Singer mit seiner Strategie Erfolg haben könnte.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.