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Weniger Bonus? PE-Fonds müssen Vergütungsmodelle verändern

Die bisher weitgehend unregulierte Vergütung von Private Equity Managern untersteht ab Juli der ESMA-Richtlinie zur Vergütung von AIF-Managern.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die endgültige ESMA-Richtlinie zur Vergütung von Managern alternativer Investmentfonds (AIF) zielt auf einen verbesserten Schutz von Investoren. So sollen umsichtige Vergütungsprogramme und organisatorische Strukturen einen Interessenskonflikt der Fondsmanager vermeiden. Die Devise: Angepasste Vergütungsprogramme verhindern, dass Manager ein exzessives Risiko eingehen, und gewährleisten somit einen besseren Schutz der Investoren. ESMA-Vorsitzender Steven Maijoor betont: „Die Vergütungsrichtlinie fördert ein moderates Risikoverhalten und hilft die Interessen von Investoren und Fondsmanagern auf einander abzustimmen.“

Ziel: Weniger Risiko im Private Equity

Die bisher weitgehend unregulierten Vergütungsprogramme von PE-Managern für ihre Mitarbeiter müssen ab Juli regelkonform mit der neuen Richtlinie sein. Ab sofort untersteht die Vergütung des Senior Managements, der Risikoträger sowie der Mitarbeiter von Kontrollfunktionen gravierender Regulierung, denn ihr Verhalten hat gegebenenfalls erheblichen Einfluss auf das Risikoprofil des PE-Fonds. Über das Risikomanagement, Compliance oder die interne Revision hinaus, müssen PE-Manager außerdem die Mitarbeiter identifizieren, für die die Regelung ebenfalls gilt. Um diese Struktur zu gewährleisten, muss das Direktorium so aufgebaut sein, dass moderate Vergütungsprogramme nicht umgangen werden können.

Der Verwaltungsaufwand ist dabei immens. Gegenüber FINANCE weist Susanne Eickermann-Riepe, Asset Management Expertin für Alternatives bei PwC, darauf hin, dass die Regulierung erhebliche praktische Folgen hätte. „Gesellschaften müssen beispielsweise überlegen, ob die Regelung auch für Vertriebspersonen gilt, die in gleicher Höhe bezahlt werden wie key risk takers“, so die Expertin. Die Frage, was mit bereits bestehenden Verträgen geschieht, steht auch noch offen. Die PwC-Partnerin beschreibt jedoch die Möglichkeit, neue Verträge mit einer pauschalen Regelung zu versehen, um später noch Änderungen einfließen zu lassen – auch wenn dies schwierig sei.

Höhere Fixvergütung, weniger Bonus im Private Equity

„PE-Manager haben sich noch nicht intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt“, mahnt die Expertin gegenüber FINANCE. Bisher wurden nur erste Analysen durchgeführt, um die Risikoträger zu identifizieren, so Eickermann-Riepe. Es sei deshalb noch nichts darüber bekannt, in weit sich PE-Vergütungsmodelle im Bezug auf fixe und variable Komponente ändern. Sie könne sich jedoch vorstellen, dass grundsätzlich auch eine höhere fixe Vergütung möglich sei.

ESMA definiert Vergütung als alle Formen monetärer oder nicht-finanzieller Bezahlung, wie Geld, Zinsen, Anteile oder Aktien des AIF, sowie Discounts, die im Austausch gegen professionelle Leistung gezahlt werden. Die Vergütung muss in ihre fixen und variablen Komponenten aufgeschlüsselt werden, um die Transparenz zu erhöhen. Dies stellt jedoch eine weitere operative Hürde in der Umsetzung dar, denn PE-Manager verwalten oft mehrere Fonds. „Wie werden mehrere Fonds bei der Ermittlung der variablen Vergütung herangezogen – nach Anzahl oder Umfang?“ fragt die Expertin. Die Auszahlung in AIF-Anteilen ist nahezu unmöglich bei geschlossenen Fonds, das heißt, es werden Substitute wie zum Beispiel Phantom-Stocks für die variable Vergütung benötigt.

Langer Weg zur PE-Regulierung

Die EU-Kommission hat aus den Ursachen der Euro-Krise gelernt und deshalb lange über Veränderungen im Finanzsystem diskutiert. Die Vergütungsrichtlinie ist ein Teil dieser Regulierung. Sie trat im Juli 2011 in Kraft, und nun läuft die Frist ab, die Vergütungsregelung in nationales Recht umzusetzen. Ab 22. Juli 2013 müssen AIF-Manager wie Manager von Hedgefonds, Private Equity Fonds, oder Immobilienfonds, dann die neue ESMA-Regulierung  befolgen. Ebenso müssen auch nicht- europäische AIF-Manager, die Fonds für EU-Investoren verwalten, ihre Vergütungsprogramme an der Neuregelung ausrichten. Eickermann-Riepe warnt allerdings davor „sich durch das neue EU-Regelwerk im internationalen Wettbewerb um Fondsmanager schlechter zu positionieren als der globale Markt.“ Insgesamt bleibt also abzuwarten, wie die Vergütungsrichtlinie in Deutschland etabliert wird, denn auch die BaFin muss sich noch dazu äußern.

jennifer.gabler[at]finance-magazin.de