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Ceconomy kauft sich für 815 Millionen Euro frei

Die Media-Saturn-Holding rutscht nun endlich komplett unter das Dach von Ceconomy.
Media Markt

Befreiungsschlag für Ceconomy: Dem Elektronikhändler ist es nach Jahren des Streits endlich gelungen, mit der Familie Kellerhals eine Einigung zu erzielen. Der Konzern wird die von der Familienholding Convergenta gehaltenen 21,6 Prozent an der Media-Saturn-Holding (MSH) übernehmen. Damit gehört die Tochter, in der das operative Geschäft der beiden Handelsketten Mediamarkt und Saturn gebündelt ist, künftig ganz zu Ceconomy. Das teilten die Düsseldorfer am Montagabend mit.

Im Gegenzug erhält die Gründerfamilie Kellerhals über ihre Beteiligungsgesellschaft Convergenta bis zu 29,9 Prozent der Anteile an Ceconomy und wird damit zum größten Aktionär des im SDax-notierten Unternehmens. Der Deal hat damit ein Volumen von 815 Millionen Euro, gemessen am Durchschnittskurs der Ceconomy-Aktie der vergangenen drei Monate.

Am Kapitalmarkt kam das Ende des Streits, der die Elektronikkette über Jahre gelähmt hatte, sehr gut an: Die Aktie von Ceconomy sprang heute Vormittag um rund 25 Prozent nach oben. Warburg-Research-Analyst Thilo Kleibauer bezeichnete die Transaktion als „Meilenstein“, der Konzern werde nun deutlich flexibler. Analyst Volker Bosse von der Baader Bank rechnet damit, dass sich die Neuordnung der Gesellschafterstruktur schon im ersten Geschäftsjahr nach dem Abschluss positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken wird.

Ceconomy plant Kapitalerhöhung und Wandelanleihe

Ceconomy-CFO Karin Sonnenmoser finanziert die Transaktion mit drei Komponenten: einer Kapitalerhöhung, Wandelanleihen sowie einer Barkomponente. Im Detail sieht die Transaktion so aus: Ceconomy will 125,8 Millionen neue Aktien ausgeben. Diese werden im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung des Grundkapitals um rund 321,6 Millionen Euro unter Ausschluss des Bezugsrecht der Aktionäre geschaffen. So wird Convergenta im ersten Schritt rund 25,9 Prozent der Anteile an Ceconomy übernehmen.

Zusätzlich erhält Convergenta den Erlös über neue Wandelschuldverschreibungen mit einem Volumen von 151 Millionen Euro. Diese haben eine Laufzeit von fünf Jahren und einen Kupon von 0,05 Prozent pro Jahr. Sie sind in bis zu 27,9 Millionen Stammaktien wandelbar. Üben die Kellerhals-Erben ihr Wandlungsrecht aus, steigt der Anteil auf 29,9 Prozent an Ceconomy.

Mit der Transaktionsstruktur ist es für die Familie Kellerhals möglich, den maximalen Wert einer Minderheitsbeteiligung von unter 30 Prozent an Ceconomy zu halten. Der Convertible habe daher geholfen, den Deal leichter zu strukturieren, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber FINANCE.

Zuletzt gibt es noch eine Barkomponente von 130 Millionen Euro, die Ceconomy in zwei Tranchen zahlen muss. Beraten wurde Ceconomy bei der Verhandlung von der Wirtschaftskanzlei Noerr und der Großbank Société Générale. Auf Convergenta-Seite war die Investmentbank Nomura sowie die Kanzlei Orrick, Herrington & Sutcliffe aktiv.

Ceconomy-Aktionäre sollen positives Signal zeigen

Die Transaktion soll frühestens Ende März 2021 erfolgen, nachdem die Aktionäre auf der Hauptversammlung im Februar dem Deal zustimmen sollen. Die Hauptanteilseigner (Haniel, Meridian, Beisheim und Freenet) sollen laut Ceconomy bereits Zustimmung gezeigt haben, obwohl deren Anteile damit verwässert werden würden.

Die Gespräche über den Anteilverkauf laufen seit Herbst, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber FINANCE berichtet. Trotz der strittigen Vergangenheit hätten nun beide Parteien erkannt, was das beste im Sinne des Unternehmens sei. Die Gespräche seien so konstruktiv wie nie zuvor gewesen. Zusätzlich Druck dürfte auch die Corona-Pandemie ausgeübt haben, die das Geschäft von Ceconomy belastet.

Ceconomy will durch neue Struktur Steuern sparen

Insgesamt kostet die Übernahme Ceconomy – auf Basis des Durchschnittkurses der Ceconomy-Aktien der vergangenen drei Monate – 815 Millionen Euro. Auffällig ist, dass die Gründerfamilie mehr Anteile an Ceconomy erhält als der Konzern an Media-Saturn. Der Elektronikkonzern erklärte auf Nachfrage von FINANCE, dass es eher um den rechnerischen finanziellen Wert des Übernahmepakets geht anstatt um den fixen Beteiligungsanteil. Aber auch der Wert, dass ein jahrelanger Machtkampf vorbei ist, stecke dahinter.

Fakt ist: Ceconomy erhofft sich viel von den endlich erworbenen Anteilen und will die komplizierte Doppelstruktur des Konzerns vereinfachen. Dadurch, dass Media Markt-Saturn nun eine hundertprozentige Tochter von Ceconomy wird, wollen die Düsseldorfer Einsparungen von jährlich 4 Millionen Euro erzielen, etwa durch geringere Verwaltungsaufwände.

Noch wichtiger: Steuerlichen Verlustvorträge von Ceconomy, die sich auf jeweils rund 1,2 Milliarden Euro Körperschaft- und Gewerbesteuer belaufen, würden nun nutzbar sein, erklärte das Unternehmen. Das Management kalkuliere daher mit jährlichen Steuereinsparungen von 50 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren, schreibt Warburg Research.

FINANCE-Köpfe

Karin Sonnenmoser, Ceconomy AG

Nach dem Studienabschluss als Diplomkauffrau übernimmt Karin Sonnenmoser von 1996 bis 2002 diverse Positionen im Controlling und im Rechnungswesen der Autohersteller Volkswagen und Seat. Anschließend leitet sie bis 2006 das Generalsekretariat der Marke Volkswagen-PKW und betreut das Generalsekretariat des Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG mit.

Von 2007 bis 2010 fungiert Sonnenmoser als Vorsitzende der Geschäftsführung von Autovision (heute: Volkswagen Group Services) und schließlich bis 2014 als Geschäftsführerin der Bereiche Finanzen und Controlling bei Volkswagen Sachsen und der Gläsernen Manufaktur. Zusätzlich ist sie seit 2014 Aufsichtsratsmitglied des Gesundheitsdienstleisters Vivantes.

Von Anfang 2014 bis Juni 2018 ist Karin Sonnenmoser CFO des österreichischen Lichttechnikkonzerns Zumtobel und dort neben den Finanzen auch für die Beschaffung verantwortlich. Im März 2019 tritt sie ihr neues Amt als Finanzchefin des Elektronikhändlers Ceconomy an. Im April 2021 wird bekannt, dass sie das Unternehmen zum Monatsende verlässt.

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Langes Tauziehen zwischen Ceconomy und Kellerhals

Die Vorteile erkennt jetzt auch Jürgen Kellerhals: „Das Unternehmen kann nun mit einer neuen, effizienteren Struktur in die Zukunft gehen, welche die Führung des Unternehmens und die Umsetzung der eingeschlagenen Strategie erleichtert.“ Seit vielen Jahren herrschte zwischen Ceconomy und dem inzwischen verstorbenen Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals ein schlechtes Verhältnis. Sie stritten um die Vorherrschaft und die Richtung von Media-Saturn. Das ging so weit, dass der Streit teilweise vor Gericht ausgetragen werden musste.

Die Streitigkeiten reichen noch bis in die Zeit vor der schwierigen Abspaltung von Ceconomy durch Metro im Jahr 2017 zurück.  „Mit dieser Einigung haben wir die Zeit vergangener Konflikte hinter uns gelassen und eine gute Lösung im Sinne aller Beteiligten gefunden", kommentiert Ceconomy-Chef Bernd Düttmann die Übernahme.

Die von Ceconomy in den vergangenen Jahren geplanten Einsparungen dürften nun leichter erreichbar sein und die Profitabilität des Konzerns steigern. Zuletzt litt auch der Elektronikhändler unter den durch die Corona-Pandemie bedingten Ladenschließungen. Die kurz nach der Mitteilung vorgelegte Bilanz verdeutlicht das: Im Geschäftsjahr 2019/20 fiel das Ebit von 403 auf 236 Millionen Euro. Unter dem Strich schrieb die Holding einen Verlust von 237 Millionen Euro.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Erfahren Sie mehr über die Ceconomy-Finanzchefin im FINANCE-Köpfe-Profil von Karin Sonnenmoser.

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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