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Warum der Lanxess-Milliardendeal ein Stretch wird

Lanxess schlägt wieder am M&A-Markt zu: Diesmal kauft der Chemiekonzern für 1,1 Milliarden Euro IFF Microbial Control.
Lanxess

Nicht einmal einen Monat ist das Closing der Übernahme von Emerald Kalama Chemical her, da schlägt Lanxess erneut am M&A-Markt zu: Wie der Spezialchemiekonzern am heutigen Dienstag mitteilte, kauft er den Geschäftsbereich „Microbial Control“ des US-Konzerns International Flavors & Fragrances (IFF). Eine entsprechende Vereinbarung haben die Unternehmen gestern unterzeichnet. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Da IFF den Bereich noch aus dem Konzern ausgliedern muss, rechnet Lanxess mit dem Closing des M&A-Deals erst im zweiten Quartal 2022. Die zugekauften Fabrikationsstätten in Louisiana und West Virginia wollen die Kölner in den Geschäftsbereich „Material Protection Products“ integrieren. Dort bündelt Lanxess die Fertigung von Konservierungs- und Desinfektionsmitteln.

Lanxess lässt sich M&A-Deal 1,1 Milliarden Euro kosten

IFF Microbial Control beschäftigt 270 Mitarbeiter und stellt antimikrobielle Wirkstoffe her, die unter anderem in Farben und Lacken, aber auch in Körperpflegeprodukten und bei der Wasserkonservierung zum Einsatz kommen. Das Segment erzielt „in einem durchschnittlichen Jahr“, so Lanxess, einen Umsatz von 450 Millionen US-Dollar (rund 383 Millionen Euro) und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 100 Millionen US-Dollar (etwa 85 Millionen Euro).

Die strategische Logik hinter dem Deal ist „Stabilität“ für das Portfolio, wie Lanxess-Chef Matthias Zachert erklärt. Der Zukauf stärke robuste Geschäftsfelder von Lanxess und erhöhe die durchschnittliche Marge. „Wir bauen Consumer Protection zum stärksten Segment im Konzern aus und bringen Lanxess in Sachen Profitabilität und Stabilität noch einmal entscheidend voran“, lässt sich Zachert zitieren.

Diese Verstärkung lässt sich das Management einiges kosten, was Finanzchef Michael Pontzen refinanzieren muss: Der Kaufpreis für IFF Microbial Control auf Basis des Unternehmenswerts beträgt 1,3 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro.

Lanxess zahlt Ebitda-Multiple von 13x vor Synergien

Damit entspricht der Kaufpreis einem normalisierten Multiple von rund 13x Ebitda. Dies ist durchaus branchenüblich: In der Spezialchemie liegen die Multiples nicht selten im mittleren Zehner-Bereich, wie auch der Emerald-Deal von Lanxess zeigt. Dort betrug das gezahlte Multiple 12x Ebitda. Damit liegt der Kaufpreis für IFF Microbial Control in einem gängigen Preisspektrum für Unternehmen(seinheiten) dieser Größenordnung und Ausrichtung. Lanxess rechnet jedoch auch die erhofften Synergien von 35 Millionen Dollar pro Jahr in die Kaufpreisbewertung mit ein. Inklusive Synergien beziffert der Chemiekonzern das Multiple nur noch auf 9,6x Ebitda. Gemessen am Umsatz beträgt das Multiple knapp 2,9x.

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Michael  Pontzen, Lanxess AG

Michael Pontzen

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Lanxess AG

Leverage von Lanxess würde auf über 4x Ebitda steigen

Die Finanzierung des Deals hat der CFO bereits eingefädelt: Den Kaufpreis wollen die Kölner ausschließlich mit Fremdkapital finanzieren, eine Brückenfinanzierung sei bereits mit Banken vereinbart, so Pontzen. Die Brückenfinanzierung will der Dax-Konzern in den kommenden Monaten durch Unternehmensanleihen ablösen, ohne dabei jedoch das Investmentgrade-Rating zu gefährden. Damit dieses Ziel realistisch bleibt, beenden die Kölner ihr bereits ausgesetztes Aktienrückkaufprogramm endgültig. Die bisher erworbenen 1,1 Millionen Aktien werden eingezogen, das noch ausstehende Volumen von 463 Millionen Euro nicht mehr ausgegeben.

Das Investmentgrade-Rating zu behalten, dürfte jedoch knapp werden: Zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres beliefen sich die Nettofinanzverbindlichkeiten auf rund 1 Milliarde Euro, hinzu kamen Rückstellungen für Pensionen über weitere rund 1,2 Milliarden Euro. Gemessen am 2020er-Ebitda von 757 Millionen Euro errechnet sich daraus ein Leverage von 2,9x. Seitdem hat sich die finanzielle Situation bei Lanxess etwas verschoben: Nach dem ersten Halbjahr 2021 lagen die Nettofinanzverbindlichkeiten mit 1,3 Milliarden Euro etwas höher, dafür hat der Konzern die Pensionsrückstellungen auf 990 Millionen Euro reduzieren können. Das Ebitda betrug in diesem Zeitraum 462 Millionen Euro.

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Unter der Annahme, dass CFO Pontzen die Übernahme tatsächlich komplett mit Fremdkapital finanziert und sich die Finanzkennzahlen wie erwartet entwickeln (die Ebitda-Prognose für 2021 liegt bei 1 Milliarde Euro), würde der Leverage zumindest kurz- bis mittelfristig in Richtung 3,5x Ebitda steigen. Um mit einer solchen Bilanz im Investmentgrade zu bleiben, müssen sich Unternehmen aus der zyklischen Chemiebranche zügig wieder entschulden – vor allem deshalb, weil überraschende Gewinneinbrüche in dieser Branche konjunkturbedingt immer wieder passieren.  

Sollte sich so ein Rückschlag ereignen, bliebe Lanxess jedoch noch eine Option: Eine Umwandlung der Fremdkapital- in Eigenkapitalinstrumente dürfte für das Management kein Problem darstellen, denn der Konzern genießt hohes Vertrauen am Kapitalmarkt. Angesichts einer Marktkapitalisierung von 5 Milliarden Euro könnte schon eine kleinere Kapitalerhöhung genügen, um im Fall einer ungeplanten Gewinnschwäche einen Verlust des Investmentgrades zu verhindern. Und die Tatsache, dass Lanxess die zurückgekauften Aktien jetzt einzieht und nicht in der Hinterhand behält, spricht auch dafür, dass das Management ausreichenden finanziellen Puffer für das Investmentgrade-Rating sieht.

IFF Microbial Control ist Lanxess‘ vierter Deal 2021

IFF Microbial ist bereits die vierte M&A-Transaktion von Lanxess in diesem Jahr. Die Übernahme des US-Wettbewerbers Emerald Kalama arrangierten die Kölner im Februar. Im März gab der Dax-Konzern gleich zwei Transaktionen bekannt: Den Zukauf des Hygienespezialisten Theseo für 70 Millionen Euro sowie eine strategischen Kooperation in der Batteriechemie mit dem chinesischen Konzern Guangzhou Tinci Materials Technology. Die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte war die Übernahme von Chemtura im Jahr 2017. Kaufpreis: 2,4 Milliarden Euro.

An der nun von Lanxess erworbenen IFF-Einheit soll neben den Deutschen auch die Private-Equity-finanzierte Lonza-Sparte LSI Interesse gehabt haben. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters Mitte Juli. Anfänglich ebenfalls interessiert gewesen sein sollen der malaysische Konzern Petronas sowie die Private-Equity-Firma New Mountain Capital, so Reuters.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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