Noch lange nicht Schicht im Schacht: Offenbar will der Staatsfonds Abu Dhabi gemeinsam mit den Private-Equity-Investoren Advent und Cinven ein Übernahmeangebot für ThyssenKrupps Aufzugsparte vorbereiten.

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18.09.19
Deals

Araber steigen in Thyssen-Auktion ein

Die Finanzinvestoren Advent und Cinven haben sich dem Vernehmen nach mit dem Staatsfonds von Abu Dhabi verbündet, um gemeinsam für die Aufzugsparte von ThyssenKrupp zu bieten. Trotzdem sind ihre Erfolgschancen gering.

In die Auktion für die zum Verkauf stehende Aufzugsparte von ThyssenKrupp hat sich ein neuer finanzkräftiger Bieter eingeschaltet: Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge haben sich die beiden Private-Equity-Investoren Advent und Cinven mit Adia, dem Staatsfonds von Abu Dhabi verbündet, um die Schlagkraft eines gemeinsamen Angebots zu erhöhen. Der ebenfalls im Raum stehende Börsengang der Thyssen-Sparte wird mit dieser Entwicklung noch unwahrscheinlicher.

Wie viel Geld Adia genau verwaltet, ist unbekannt. Die Schätzungen reichen von 500 bis 900 Milliarden US-Dollar. Adia schließt regelmäßig Allianzen mit Private-Equity-Häusern, um über Co-Investments an Deals zu kommen. Erst im Februar übernahmen die Araber gemeinsam mit Triton für 2,5 Milliarden US-Dollar den deutschen Verpackungsspezialisten Ifco Systems.

Private Equity trifft auf harte Konkurrenz

Den PE-Fonds Blackstone, Carlyle, CVC und KKR wird ebenfalls Interesse an der Perle des ThyssenKrupp-Portfolios nachgesagt. Auch diese Häuser dürften Allianzen untereinander oder mit finanzstarken Partnern prüfen, um ihre Chancen auf den Zuschlag bei der Thyssen-Auktion zu erhöhen, denn die Konkurrenz ist stark.

Als Favoriten gelten zwei strategische Käufer. Der japanische Industriekonzern Hitachi hat sich 2017 durch eine Akquisition in Großbritannien Zugang zum europäischen Aufzugmarkt verschafft und könnte durch eine Übernahme der Thyssen-Sparte auf einen Schlag zu einem der stärksten Aufzughersteller in dieser Region sowie weltweit werden. ThyssenKrupp ist der viertgrößte Aufzugproduzent der Welt hinter Kone aus Finnland, Schindler aus der Schweiz und Otis aus den USA.

Wie viel könnte Kone für die Thyssen-Aufzüge zahlen?

Das größte Interesse zeigt aber der Weltmarktführer Kone. Um die eigene Ausgangsposition zu stärken, versucht dessen Führung bereits, die drohenden Kartellprobleme für den Fall einer Übernahme zu relativieren. Zudem haben die Finnen ThyssenKrupp eingeladen, sich über einen partiellen Aktientausch an einem kombinierten Unternehmen zu beteiligen. So könnte der aus dem Dax abgestiegene, hoch verschuldete Industriekonzern auch nach einem Verkauf seines werthaltigsten Assets noch an der hohen Ertragskraft des Aufzuggeschäfts partizipieren.

Dieses starke Interesse aus Finnland lässt die Chancen von Private-Equity-Bietern wie Advent und Cinven gering erscheinen, selbst inklusive der Finanzstärke eines Staatsfonds wie Adia. Die Danske Bank hat kürzlich ausgerechnet, dass Kone durch eine Übernahme von ThyssenKrupp Elevators Synergien mit einem Wert von bis zu 7 Milliarden Euro realisieren könnte. Dadurch wären die Finnen nach Einschätzung der Danske-Analysten in der Lage, bis zu 21 Milliarden Euro für die Thyssen-Sparte zu bezahlen. Zum Vergleich: ThyssenKrupp ist an der Börse derzeit 8 Milliarden Euro wert, Kone knapp 24 Milliarden.

Nach Schätzungen der Danske Bank könnte Kone ein Gebot von bis zu 21 Milliarden Euro rechtfertigen.

Enorme Multiples von bis zu 24x Ebit im Gespräch

Diese Danske-Kalkulation liegt weit oberhalb aller bisherigen Kaufpreisschätzungen, die das Maximum in der Region von 15 Milliarden Euro sehen. Selbst auf Basis dieser Schätzungen läge die Bewertung schon bei fast dem 20-fachen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von ThyssenKrupp Elevators aus dem Geschäftsjahr 2017/18. Auf Basis des „bereinigten“ Ebits von 2017/18 läge das Ebit-Multiple bei über 17x. Ein Kaufpreis von 21 Milliarden Euro entspräche sogar einem Ebit-Multiple (bereinigt) von 24x und fast dem dreifachen Umsatz, der 2017/18 bei knapp 7,6 Milliarden Euro lag.

Die aktuellen FINANCE-Multiples signalisieren für große Maschinen- und Anlagenbauer marktübliche Multiples von 13,7x Ebit für börsennotierte und von bis zu 10,3x Ebit für privat gehaltene große Anlagenbauer. Obwohl Deal-Gelegenheiten von der Größe und der Qualität der Aufzugsparte von ThyssenKrupp rar sind, gilt es als unwahrscheinlich, dass Finanzinvestoren bei Ebit-Multiples in der Region von 20x noch mitbieten könnten.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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