Gemeinsam bringen sie ein 24 Milliarden Euro schweres Immobilienportfolio auf die Waage: Die Berliner TLG Immobilien und die Luxemburger Aroundtown verhandeln über eine Fusion.

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28.10.19
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Aroundtown und TLG machen ernst mit Milliardenfusion

Die milliardenschwere Fusion zwischen TLG und Aroundtown rückt in greifbare Nähe: Die Unternehmen haben sich auf Eckpunkte geeinigt. Für TLG-CFO Gerald Klinck bietet sich die Chance, Finanzchef eines Immobilienriesens zu werden.

Aroundtown und TLG nehmen den nächsten Schritt auf dem Weg, einer der größten Immobilienkonzerne Europas zu werden: Am Wochenende einigten sich die beiden Unternehmen auf die Eckpunkte der geplanten Fusion. Im Zentrum steht ein freiwilliges Übernahmeangebot für alle TLG-Aktien durch die in Luxemburg sitzende Aroundtown, dem größten Gewerbeimmobilienbetreiber Deutschlands und der Nummer 3 in Europa.

Aroundtown noch dieses Jahr mit Übernahmeangebot

Bezahlen will der MDax-Konzern die TLG-Aktionäre mit eigenen Aroundtown-Aktien in einem Tauschgeschäft, das noch in diesem Jahr von Statten gehen soll. Aktuell wird Aroundtown mit rund 9,1 Milliarden Euro an der Börse bewertet, TLG bringt etwa 2,8 Milliarden Euro auf die Waage. Das fusionierte Unternehmen soll einen noch neuen Namen erhalten. Der operative Hauptsitz soll in TLGs Heimatstadt Berlin liegen, der formelle Konzernsitz weiterhin in Luxemburg.

In dem nun veröffentlichten Eckpunktepapier erklären die Unternehmen auch, wie sie den Preis je TLG-Aktie für das Übernahmeangebot ermitteln wollen: Dazu werden sie den jeweiligen EPRA NAV, einem für Immobilienunternehmen genutzten Indikator für den Netto-Vermögenswert (Net Asset Value), für die beiden Unternehmen heranziehen. Ende Juni betrug dieser nach Angabe der Unternehmen bei TLG 3,33 Milliarden Euro oder 29,77 Euro je Aktie und bei Aroundtown rund 10 Milliarden oder 8,30 Euro je Aktie.

Aroundtown und TLG planen einen Immobilienriesen

Die beiden Unternehmen hatten im September Pläne für eine mögliche Fusion angekündigt. In einem ersten Schritt war TLG kurz darauf mit 10 Prozent bei der wesentlich größeren Aroundtown eingestiegen und sicherte sich eine Option auf weitere 4,99 Prozent.

Eine Fusion würde den deutschen und europäischen Immobilienmarkt aufwirbeln: Gemessen an der Bilanzsumme entstünde der größte Anbieter von Büroimmobilien in Europa und nach Unibail-Rodamco-Westfield und Vonovia der drittgrößte Immobilienkonzern in Europa überhaupt.

Sowohl TLG als auch Aroundtown sind auf Gewerbeimmobilien fokussiert, wobei Aroundtown auch im Wohnungsmarkt wildert: Die Luxemburger sind mit 39 Prozent an dem ebenfalls im MDax-gelisteten Unternehmen Grand City Properties beteiligt, das rund 81.000 Wohnung in Berlin und Nordrhein-Westfalen besitzt. Im Kerngeschäft Büro- und Gewerbeimmobilien verfügt Aroundtown über ein gewerbliches Portfolio im Wert von 16,2 Milliarden Euro. Das Immobilienportfolio von TLG ist etwa 4,6 Milliarden Euro schwer.

Die Aktionäre scheinen von dem Vorhaben allerdings noch nicht ganz überzeugt: Beide Unternehmen verloren nach Ankündigung der Fusionspläne zunächst an Wert. Das Aroundtown-Papier fiel zeitweise um 10 Prozent unter die 7-Euro-Marke, erholte sich aber in den Folgewochen wieder. Die TLG-Aktie fiel um 16 Prozent kurzzeitig auf 22,95 Euro und hat sich bisher nur leicht erholt, insbesondere nach Bekanntgabe der Eckdaten.

Aufstiegschance für TLG-CFO Klinck?

Sollte die Fusion gelingen, könnte sie auch eine Karrierechance für TLG-CFO Gerald Klinck sein, denn bei der Besetzung der Spitzenämter des geplanten Immobilienriesen hat sich sein Unternehmen zentrale Positionen gesichert: Sollte Aroundtown über 50 Prozent der TLG-Aktien angedient bekommen, erhält TLG das Recht, die Position des CFOs zu bestimmen. Da Gerald Klinck erst seit etwas über einem Jahr den CFO-Posten bekleidet, liegt die Vermutung nahe, dass der 50-Jährige auch das Finanzruder bei dem zukünftigen Unternehmen steuern könnte.

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Gerald Klinck, TLG Immobilien AG

Bereits seit 1997 arbeitet Gerald Klinck in der Immobilienbranche. Er beginnt seine Karriere bei der HSH Nordbank, wo er als Mitglied der Projektleitung die Engagements beim Wohnungsunternehmen Gehag und der LEG Schleswig-Holstein mit betreut. Von 2002 an leitet er den Geschäftsbereich Beteiligungen, ein Jahr später wird er als CFO der HSH Real Estate Consulting Teil der Geschäftsführung.

2006 wechselt Klinck zur Gehag und leitet dort die Unternehmenssteuerung und Unternehmensplanung. Im Anschluss wechselt er zum Mutterkonzern Deutsche Wohnen, wo er ebenfalls die Unternehmenssteuerung und -planung leitet. 2009 wird er Mitglied des Executive Boards.

Seit April 2011 ist Klinck beim Immobilienkonzern Gagfah tätig, wo er zunächst als Leiter für das Ressort Finanzen arbeitet. Im April 2012 wird er zum CFO ernannt.

Nach der Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington rückt Klinck in den Vorstand des fusionierten Unternehmens vor, das sich später in Vonovia umbenennt. Dort ist er nun als Chief Controlling Officer für die Bereiche Konzern- und Portfolio-Controlling, Immobilienbewertung, zentraler Einkauf sowie das Geschäft der Wohnungseigentumsverwaltung verantwortlich. Im Mai 2018 verlässt Klinck den Bochumer Dax-Konzern.

Im Juli wird bekannt, dass Klinck von September an den CFO-Posten bei TLG Immobilien übernehmen wird.

zum Profil

Bereits bei der Finanzierung des 10-Prozent-Anteils an Aroundtown im September bekam Klinck die Möglichkeit, sich zu profilieren. Er setzt dabei unter anderem auf einen Mix aus normaler und Hybrid-Anleihe, die Platzierung war mehrfach überzeichnet. Mit der Hybridanleihe will das Unternehmen das Rating von „BBB“ (S&P) schonen. Für weitere Liquidität sorgte der CFO außerdem im Mai, als er über einen Bond 600 Millionen Euro sowie über eine Kapitalerhöhung 222 Millionen Euro einsammelte.

Klinck bringt zudem viel Erfahrung aus der Immobilienbranche mit: Vor seiner Zeit bei TLG war er Vorstand bei Vonovia und hatte zuvor das Finanzressort bei Gagfah geleitet. Davor war er bei den Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen und Gehag tätig.

Neben der CFO-Personalie darf TLG außerdem den Vorsitzenden des zukünftigen Verwaltungsrats bestimmen, der aus sechs oder sieben Mitgliedern bestehen wird. Nimmt Aroundtown auch die zweite Halteschwelle von 66 Prozent, gewinnt TLG das Recht ein weiteres Mitglied der Geschäftsleitung zu benennen, sowie den Co-CEO zu bestimmen. Der Vorstandsvorsitzende wird von Aroundtown gestellt – aktuell ist dies Shmuel Mayo.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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