fahrig@fahrig-fotografie.de/TLG Immobilien

02.09.19
Deals

TLG Immobilien und Aroundtown bereiten Fusion vor

TLG Immobilien kauft einen milliardenschweren Anteil an dem wesentlich größeren Konkurrenten Aroundtown. Es könnte nur der erste Schritt auf dem Weg zu einem Zusammenschluss der beiden Immobilienkonzerne sein.

Es zeichnet sich eine Milliardenfusion in der Immobilienbranche ab: Der Gewerbeimmobilienspezialist TLG Immobilien kauft ein Aktienpaket über 9,99 Prozent an dem Luxemburger Wettbewerber Aroundtown. Für die Anteile legt TLG mehr als 1 Milliarde Euro auf den Tisch, pro Aktie liegt der Preis bei 8,30 Euro. Das entspricht einer Prämie von 9,7 Prozent auf den Aktienkurs vom Freitag. Verkäufer ist der Aroundtown-Großaktionär Avisco, hinter dem der israelische Geschäftsmann Yakir Gabay steht. Der Anteil des Großaktionärs sinkt durch den Deal auf 17 Prozent.

Avisco hat mit TLG zudem eine Optionsvereinbarung über weitere 4,99 Prozent abgeschlossen, für die TLG ein Erwerbsrecht und Avisco ein Verkaufsrecht hat. Im Falle einer Ausübung der Option würde sich der Anteil von TLG an Aroundtown auf 14,99 Prozent erhöhen. Die Option kann bis Ende Februar 2020 gezogen werden, steht aber noch unter einigen Bedingungen, wie etwa kartellrechtlichen Freigaben.

TLG und Aroundtown sprechen über Zusammenschluss

Der Einstieg des deutlich kleineren SDax-Unternehmens TLG bei dem im MDax-gelisteten Konkurrenten könnte nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer Fusion sein: Beide Parteien wollen über einen möglichen Unternehmenszusammenschluss verhandeln. Aroundtown-Großaktionär Avisco steht einem solchen Zusammenschluss positiv gegenüber. „Die heutige Ankündigung ist der erste Schritt, einen paneuropäischen Immobilienkonzern zu schaffen mit Fokus auf Deutschland und die Niederlande“, lässt der Aktionär sich zitieren. Mit Blick auf die Logik des Deals kommentierte Pareto-Analystin Katharina Schmenger, der Kauf passe zu TLG, da Aroundtown auch auf Büros und Hotels in Berlin fokussiert sei.

TLG will bei den Verhandlungen als bietende Gesellschaft handeln, obwohl es der deutlich kleinere Partner ist – das habe steuerliche Gründe, erklärte eine TLG-Sprecherin gegenüber Reuters. Während TLG rund 3 Milliarden Euro an der Börse wert ist, bringt Aroundtown knapp 9,3 Milliarden Euro auf die Waage. Nach eigenen Angaben ist das Immobilienportfolio von TLG etwa 4,6 Milliarden Euro schwer. Aroundtown ist dagegen der größte börsennotierte Gewerbeimmobilienspezialist in Deutschland. Das Unternehmen verfügt in Deutschland und den Niederlanden über ein gewerbliches Portfolio im Wert von 16,2 Milliarden Euro. Darüber hinaus ist Aroundtown mit 39 Prozent der größte Aktionär von Grand City Properties, die auf Wohnimmobilien spezialisiert und ebenfalls im MDax gelistet ist.

FINANCE-Köpfe

Gerald Klinck, TLG Immobilien AG

Bereits seit 1997 arbeitet Gerald Klinck in der Immobilienbranche. Er beginnt seine Karriere bei der HSH Nordbank, wo er als Mitglied der Projektleitung die Engagements beim Wohnungsunternehmen Gehag und der LEG Schleswig-Holstein mit betreut. Von 2002 an leitet er den Geschäftsbereich Beteiligungen, ein Jahr später wird er als CFO der HSH Real Estate Consulting Teil der Geschäftsführung.

2006 wechselt Klinck zur Gehag und leitet dort die Unternehmenssteuerung und Unternehmensplanung. Im Anschluss wechselt er zum Mutterkonzern Deutsche Wohnen, wo er ebenfalls die Unternehmenssteuerung und -planung leitet. 2009 wird er Mitglied des Executive Boards.

Seit April 2011 ist Klinck beim Immobilienkonzern Gagfah tätig, wo er zunächst als Leiter für das Ressort Finanzen arbeitet. Im April 2012 wird er zum CFO ernannt.

Nach der Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington rückt Klinck in den Vorstand des fusionierten Unternehmens vor, das sich später in Vonovia umbenennt. Dort ist er nun als Chief Controlling Officer für die Bereiche Konzern- und Portfolio-Controlling, Immobilienbewertung, zentraler Einkauf sowie das Geschäft der Wohnungseigentumsverwaltung verantwortlich. Im Mai 2018 verlässt Klinck den Bochumer Dax-Konzern.

Im Juli wird bekannt, dass Klinck von September an den CFO-Posten bei TLG Immobilien übernehmen wird.

zum Profil

Sollte es zu einem Zusammenschluss kommen, würde sich das Umtauschverhältnis am aktuellen EPRA NAV, einem für Immobilienunternehmen genutzten Indikator für den Netto-Vermögenswert (Net Asset Value), orientieren. TLG schließt aber auch eine andere Form des Zusammenschlusses nicht aus, sofern beide Parteien das „einvernehmlich“ beschließen.

TLG will in Aroundtown-Verwaltungsrat

Als nächsten Schritt plant TLG, schnellstmöglich in den Verwaltungsrat von Aroundtown einzuziehen. Neben Avisco gibt es bei dem Unternehmen keine weiteren Großaktionäre, über 73 Prozent der Anteile befinden sich im Streubesitz.

Vorbörslich profitierten die Aktien beider Häuser von der Mitteilung, die am Sonntagabend veröffentlicht wurde. Am Montagmorgen gab das Papier von TLG allerdings leicht nach, während die Aktien von Aroundtown weiterhin zulegten.

TLG will Transaktion hauptsächlich über Cash finanzieren

Wie eine Sprecherin von TLG gegenüber Reuters mitteilte, wird das Unternehmen rund 700 Millionen Euro des Kaufpreises mit Cash bezahlen. Der restliche Teil wird über eine Linie, die Aroundtown-Aktionär Avisco zur Verfügung stellt, finanziert. Diese Summe soll später über Schuldverschreibungen und Darlehen abgelöst werden.

Für die nötige Liquidität hat das Unternehmen, das seit Juni 2019 mit Barak Bar-Hen einen neuen CEO hat, vorgesorgt: CFO Gerald Klinck, der als Nachfolger von Peter Finkbeiner im Herbst 2018 zu dem Unternehmen stieß, hat für TLG in diesem Jahr schon einmal den Kapitalmarkt angezapft und einen Bond über 600 Millionen Euro platziert. Im Juni folgte dann noch eine Kapitalerhöhung, die einen Bruttoerlös von 222 Millionen Euro einbrachte.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere von TLG-CFO Gerald Klinck erfahren Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.