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Briten pirschen sich an Hugo Boss heran

Frasers stockt seine Beteiligung an Hugo Boss auf. Foto: Ned Snowman - stock.adobe.com
Frasers stockt seine Beteiligung an Hugo Boss auf. Foto: Ned Snowman - stock.adobe.com

Bei Hugo Boss zeichnet sich ein strategisches Kräftemessen der beiden Großaktionäre ab, das auch in einem Übernahmekampf münden könnte. Am heutigen Mittwoch wurde bekannt, dass der britische Sportartikelhändler Frasers seine Beteiligung an dem Metzinger Anzughersteller von 2,1 auf 4,9 Prozent aufgestockt hat. Daneben haben sich die Briten mit einer großen Anzahl an Kaufoptionen für Hugo-Boss-Aktien eingedeckt, wodurch sie insgesamt nun schon auf 26 Prozent der Anteile Zugriff hätten. Bislang lag diese Marke bei 23 Prozent.

Die Briten bezeichnen ihre Beteiligung im Wert von rund 900 Millionen Euro selbst als „strategisch“. Bis zur Schwelle von 30 Prozent, deren Überschreiten ein verpflichtendes Übernahmeangebot auslösen würde, ist es nun nicht mehr weit. Mutmaßungen, dass Frasers genau darauf abzielt, haben die Briten bislang aber stets bestritten.

Wie reagiert die Marzotto-Familie?

Das Heranpirschen der Briten dürfte die Marzotto-Familie mit Argusausgen verfolgen. Die Italiener sind Boss schon seit Dekaden verbunden und halten aktuell über verschiedene Gesellschaften rund 15 Prozent an den Metzingern.

Bis 2007 besaßen die Marzottos direkt und indirekt 55 Prozent an Hugo Boss, der Stimmrechtsanteil lag sogar noch höher. Dieses Paket verkauften sie dann aber zusammen mit ihrer Valentino Fashion Group an den Finanzinvestor Permira. Als das Private-Equity-Haus sich mit einer hohen Wertsteigerung 2015 wieder aus Boss zurückzog, begann die Marzotto-Familie damit, eine neue Boss-Beteiligung aufzubauen, an der sie bis heute festhält. Die emotionale und persönliche Bindung der Italiener an den deutschen Herrenschneider dürfte eng sein.

Hugo Boss will Umsatz bis 2025 deutlich steigern

Allerdings stellt sich Boss unter der Führung des von Tommy Hilfiger neu hinzugekommenen CEOs Daniel Grieder zusehends breiter auf. Grieder forciert den Aufbau sowohl sportlicher Submarken als auch von Damenmodelinien.

Mit diesen Schritten soll der Konzern deutlich wachsen: Von 2,8 Milliarden Euro Umsatz im Vorjahr soll es in diesem Jahr auf 3,1 bis 3,2 Milliarden Euro hochgehen. Für 2025 verspricht Grieder dem Kapitalmarkt sogar 4 Milliarden Euro. Das Ebit des vergangenen Jahres von 228 Millionen Euro soll in diesem Jahr auf 250 bis 280 Millionen Euro steigen und 2025 sogar nah an die 500-Millionen-Marke herankommen.

Doch der Aktienkurs preist ein Erreichen dieser Ziele noch nicht ein. In Summe bewegt er sich seit einem Jahr seitwärts, zuletzt mit abfallender Tendenz. Die Bewertung ist mit einem Multiple von 5-6x Ebitda für 2022 niedrig. Würde Boss seine Ziele erreichen, könnte sich die Aktie bis 2025 nahezu verdoppeln und würde immer noch zu kaum mehr als 7x Ebitda handeln. Heute allerdings sorgen die stärker werdenden Hinweise auf ein strategisches Interesse von Frasers dafür, dass die Aktie im frühen Handel in einem schwachen Gesamtmarkt nur minimal nachgibt.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de   

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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