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Lanxess und Advent verbünden sich für Milliarden-Deal

Der PE-Investor Advent und der Spezialchemie-Konzern Lanxess erwerben den Geschäftsbereich DSM Engineering Materials des niederländischen Chemieunternehmens Royal DSM. Foto: Lanxess, Wirestock_adobe.stock.com
Der PE-Investor Advent und der Spezialchemie-Konzern Lanxess erwerben den Geschäftsbereich DSM Engineering Materials des niederländischen Chemieunternehmens Royal DSM. Foto: Lanxess, Wirestock_adobe.stock.com

Milliarden-Deal in der Chemiebranche – mit prominenter Private-Equity-Beteiligung: Lanxess und Advent International übernehmen einen Geschäftsbereich des niederländischen Chemieunternehmens Royal DSM. Konkret geht es um die Einheit „Engineering Materials“ (DEM), in der die Niederländer das Geschäft mit hochleistungsfähigen Spezialwerkstoffen bündeln. Diese kommen unter anderem in der Elektronik-, Elektro- sowie der Konsumgüterindustrie zum Einsatz.

Für den Zukauf haben die beiden Deal-Partner schon einen Plan: Er soll mit der Geschäftseinheit „High Performance Materials“ (HPM) des Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess fusioniert werden und zusammen ein Joint Venture für technische Hochleistungs-Polymere bilden, wie beide Unternehmen bekannt gaben. An dem Gemeinschaftsunternehmen soll der der Private-Equity-Investor Advent zu „mindestens“ 60 Prozent beteiligt sein, auf Lanxess sollen „bis zu“ 40 Prozent entfallen. Damit hält der Finanzinvestor bei DEM die Zügel in der Hand.

Dafür hat Lanxess die Möglichkeit, den Joint-Venture-Anteil nach drei Jahren zur aktuellen Bewertung an Advent zu verkaufen. So könnte der Konzern einen höheren Verkaufserlös erzielen, sollte sich das Geschäft des fusionierten Unternehmens bis dahin gut entwickeln.

Lanxess und Advent bewerten DEM mit knapp 2,5x Umsatz

Der Unternehmenswert von „DSM Engineering Materials“ beträgt 3,7 Milliarden Euro inklusive Schulden. Gemessen am Umsatz von DEM in Höhe von 1,5 Milliarden Euro entspricht die Bewertung einem Multiple von 2,46x Umsatz. Verglichen mit den aktuellen FINANCE-Multiples ist das eine stattliche Bewertung: Largecap-Unternehmen wechseln derzeit für im Schnitt 1,46x Umsatz den Besitzer. Allerdings ist DEM mit einer Ebitda-Marge von rund 20 Prozent auch hochprofitabel – und erfüllt damit ein wichtiges Deal-Kriterium für Lanxess, aber auch den renditegetriebenen Finanzinvestor.

Die Transaktion wollen Lanxess und Advent über Eigenkapital des PE-Investors und Fremdkapital finanzieren. Der Abschluss der Transaktion ist für die erste Hälfte des Jahres 2023 geplant. Die Behörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen.

Chemie-Joint-Venture soll Umsatz von 3 Milliarden Euro erzielen

Die Lanxess-Einheit HPM, mit der DEM fusioniert werden soll, setzt nach Unternehmensangaben jährlich rund 1,6 Milliarden Euro um und kommt auf einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda vor Sondereinflüssen) von rund 200 Millionen Euro. Das neue Gemeinschaftsunternehmen soll dann künftig einen Jahresumsatz von etwa 3 Milliarden Euro erzielen, peilen die Joint-Venture-Partner an.

Laut Advent und Lanxess wird das neu gegründete Joint Venture insbesondere in den Bereichen Automotive und Elektromobilität tätig sein. Die entsprechenden Polymere dienen einerseits als Leichtbauelemente und können so Metallteile ersetzen, andererseits werden sie für Batterie- und Ladesysteme benötigt. Beide Unternehmen sehen in diesen Produkten „zukunftsorientierte Anwendungen“ und identifizieren damit bereits „wichtige Wachstumsbereiche“ des Joint Ventures.

Advent hat kürzlich Multimilliardenfonds geschlossen

Ronald Ayles, Managing Partner bei Advent und für Deals in Deutschland mitverantwortlich, hofft mit dem Gemeinschaftsunternehmen auf eine „globale Erfolgsgeschichte für alle Beteiligten“. Der Milliarden-Deal ist schon das zweite Großprojekt des Finanzinvestors: Advent hat erst in der vergangenen Woche das Closing des frisch aufgelegten Rekordfonds in Höhe von 25 Milliarden Dollar bekanntgeben. Es ist der zehnten Fonds des Private-Equity-Investors, dessen verwaltetes Gesamtvermögen nun rund 100 Milliarden Dollar beträgt.

Auch der Spezialchemie-Konzern aus Köln, 2004 selbst aus einer Abspaltung des Polymergeschäfts des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer heraus gegründet, will in dem gemeinsamen Deal viele Vorteile erkennen: Lanxess stärkt durch die Erlöse aus der Transaktion die Bilanz und gewinnt neuen Spielraum für die Weiterentwicklung des Konzerns, so Vorstandsvorsitzender Matthias Zachert. „Die Portfolios, die Wertschöpfungsketten und die globale Aufstellung beider Bereiche ergänzen sich hervorragend“, erklärt Zachert.

CFO Michael Pontzen legt M&A-Serie für Lanxess hin

Die aktuelle Transaktion bedeutet für den MDax-Konzern Lanxess und den seit 2015 amtierenden CFO Michael Pontzen nur eine kurze Verschnaufpause: Die Kölner haben erst im August 2021 für 1,3 Milliarden US-Dollar die Einheit „Microbial Control“ des US-amerikanischen Konzerns Flavors & Fragrances (IFF) eingefädelt, das Closing fand im Frühjahr 2022 statt. Den Auftakt der jüngsten M&A-Serie machte im Februar 2021 der Zukauf von Emerald Kalama Chemical für 1,1 Milliarden Dollar.

CFO-Profil

Das Kapital für die milliardenschweren Zukäufe stammt aus mehreren Verkäufen in der Vergangenheit. So schaffte CFO Pontzen im Jahr 2018 mit dem Abstoßen des Kautschukgeschäft den finanziellen Befreiungsschlag für Lanxess. 2019 verkaufte Lanxess seinen Anteil des Joint Ventures Currenta. Verkaufserlös: 1,2 Milliarden Euro.

Die Serie von Zu- und Verkäufen gehört zur Unternehmensstrategie von Lanxess. Der MDax-Konzern ist gerade dabei, sich auf das profitable und deutlich stabilere Spezialchemiegeschäft zu konzentrieren, und trennt sich in diesem Zuge von weniger profitablen Randbereichen. Die straffe M&A-Agenda, speziell auf der Verkaufsseite, versetzte Lanxess sodann in die Lage, mitten in der Coronakrise groß zuzukaufen.

DSM und Firmenich schließen sich zusammen

Der Verkauf des Geschäftsbereichs „Engineering Materials“ ist vor dem Hintergrund einer groß angelegten Fusion zwischen dem niederländischen Mutterkonzern DSM mit der Schweizer Firmenich-Gruppe zu verstehen. Wie nämlich auch am heutigen Dienstag bekannt wurde, haben diese beiden Spezialchemiekonzerne einen Zusammenschluss unterzeichnet, der ein neuen Konzern mit einem Gesamtumsatz in Höhe von 11,5 Milliarden Euro schaffen soll. Das berichtete die Nachrichtenagentur Dpa-afx.

Nach der Fusion, die durch einen Aktientausch erfolgen soll, werden 65,5 Prozent der Aktien des neuen Unternehmens von DSM-Aktionären gehalten. Die restlichen 34,5 Prozent der Anteile an dem Joint Venture erhalten die Aktionäre von Firmenich. Beide Firmensitze, in Maastricht als auch im Schweizer Kaiseraugst, sollen beibehalten werden. Das neuen Unternehmen soll nach Schweizer Recht operieren, wobei die Schlüsselpositionen von den Niederländern besetzt werden sollen. Das Ziel sei ein Gewinn in Höhe von 350 Millionen Euro, das 2026 erreicht werden soll. Der Konzern kommt künftig auf 28.000 Mitarbeiter. Die Transaktion soll in der ersten Jahreshälfte 2023 abgeschlossen werden.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.

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