Der Fotobuchproduzent Cewe will sein Portfolio mit dem Zukauf des Wandbildherstellers Whitewall erweitern.

Cewe

30.04.19
Deals

Cewe expandiert mit weiterem Zukauf

Der Fotobuchproduzent Cewe nutzt seine starke Finanzlage für anorganisches Wachstum: Das Unternehmen will den Wandbildhersteller Whitewall übernehmen.

Der Fotobildanbieter Cewe ist weiter auf Expansionskurs. Wie die Oldenburger am heutigen Dienstag ankündigten, wollen sie Whitewall Media aus Frechen bei Köln von dem Unternehmen Avenso übernehmen, das bislang dem Midmarket-Fonds des schwedischen Finanzinvestors EQT gehörte. Whitewall ist auf hochwertige Wandbilder spezialisiert. Die ebenfalls zu Avenso gehörende bekannte Galeriesparte Lumas ist nicht Teil der Transaktion. Diese Firma übernimmt Avenso-Gründer Marc Ullrich. EQT zieht sich damit zurück.

Für Whitewall ist die Verbindung mit Cewe offenbar eine Möglichkeit, seine selbständige Stellung am Markt zu bewahren: „Uns war wichtig, dass die Eigenständigkeit der Marke Whitewall gewahrt bleibt. Die finanzielle Kraft und Erfahrung der Cewe-Gruppe sichern die Weiterentwicklung von Whitewall bestens ab“, sagt Avenso-CEO Ullrich.

Cewe bewertet Whitewall mit 0,9x Umsatz

Im Zuge des M&A-Deals bewertet Cewe sein M&A-Ziel mit einem Enterprise Value von 30 Millionen Euro, das entspricht in etwa dem 0,9-fachen des 2018 erzielten Umsatzes der zu übernehmenden Unternehmensteile. Dieses Multiple entspricht dem, zu dem auch die Cewe-Gruppe als Ganzes derzeit am Kapitalmarkt bewertet wird.

Cewe übernimmt durch den Zukauf, der noch von den Kartellbehörden genehmigt werden muss, rund 170 Mitarbeiter. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der SDax-Konzern durch die Transaktion einen leicht negativen Effekt auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Dieser wird bei etwa 1 Million Euro liegen.

Cewe kann M&A-Deal finanziell gut verkraften

Finanziell ist der Zukauf für Cewe gut zu stemmen: Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 653 Millionen Euro, ein Plus von 9 Prozent gegenüber den 599 Millionen Euro des Vorjahres. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg von 49 auf fast 54 Millionen Euro. Zum Jahresende bilanzierte Cewe eine Nettofinanzposition von knapp 25 Millionen Euro, deren Höhe in etwa dem Kaufpreis für Whitewall entspricht.

Cewe, das heute in erster Linie durch seine Fotobücher bekannt ist, hat sich seit der Jahrtausendwende komplett neu aufgestellt. Damals war das Unternehmen ein Fotodienstleister, dessen Schwerpunkt auf der Entwicklung von analogen Filmen lag. „Das Stammgeschäft brach jährlich um rund 30 Prozent ein“, berichtete Cewe-CFO Olaf Holzkämper einmal bei FINANCE-TV. Inzwischen macht Cewe sein Geschäft mit digitalen Fotoprodukten.

Cewe setzt auf Synergien durch Zukauf

Für das laufende Jahr hat sich der Vorstand um CFO Olaf Holzkämper weiteres Wachstum auf die Fahne geschrieben: Der Umsatz soll auf 655 bis 690 Millionen Euro ansteigen, das Ebit auf 52 bis 58 Millionen Euro.

Der Zukauf von Whitewall soll nicht nur das Wachstum weiter antreiben – auch in nachgelagerten Prozessen wie dem Einkauf erwartet Cewe Synergien. Dies habe in der Vergangenheit bereits gut funktioniert, heißt es bei den Oldenburgern. Bei früheren Zukäufen wie der französischen Handy-App Cheerz vor einem Jahr oder dem Handyhüllen-Designer „Dein Design“ habe man „sehr gute Erfahrungen gemacht“. Die erwarteten Synergieeffekte sollen „einen nachhaltig positiven Effekt auf den Wert des Gesamtunternehmens“ liefern, verspricht Cewe, ohne diesen Effekt allerdings genauer zu beziffern. Zur Profitabilität von Whitewall machen die Norddeutschen ebenfalls keine Angaben.

Cewe entsendet Geschäftsführer zu Whitewall

Nach der Cewe-Übernahme soll Whitewall als eigenständige Marke mit eigener Produktion erhalten bleiben. Cewe übernimmt von Avenso den Geschäftsbetrieb inklusive der Produktion sowie der vier Verkaufsstellen in Hamburg, Düsseldorf, Berlin und München. Die Sparte Lumas, die Galerien betreibt und kuratierte Kunst-Wandbilder verkauft, ist nicht Teil des Deals. Allerdings werden beide Marken weiter kooperieren: Whitewall soll weiterhin in verschiedenen Lumas-Galerien mit einem eigenen Shop vertreten bleiben, zudem werden die Lumas-Kunstwerke weiterhin am Whitewall-Standort in Frechen gefertigt werden.

Trotzdem bindet Cewe den Neuerwerb in seine Managementstrukturen ein. Der Konzern entsendet seinen Manager Thomas Alscheid in die Geschäftsführung von Whitewall, die künftig aus zwei Köpfen bestehen wird. Whitewall-Gründer Alexander Nieswandt soll seinen Geschäftsführerposten behalten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über die Vita des Cewe-CFOs im FINANCE-Köpfe-Profil von Olaf Holzkämper.