Die chinesische Ningbo Jifeng hat bei Grammer rund 38 Prozent der Stimmrechte eingesammelt. Ein starker Widersacher ist allerdings nach wie vor an Bord.

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24.07.18
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Chinesen erreichen gesenktes Ziel bei Grammer

Das Übernahmeangebot hat gegriffen: Mit einem Anteil von 38 Prozent dürfte die chinesische Ningbo Jifeng künftig eine Mehrheit auf der Grammer-Hauptversammlung haben. Aber wie weit reicht der Einfluss des Rivalen Hastor noch?

Der chinesische Konzern Ningbo Jifeng hat einen ersten Etappensieg bei dem Autozulieferer Grammer errungen: Über die deutsche Gesellschaft Jiye Auto Parts halten die Chinesen inzwischen rund 38 Prozent der Stimmrechte.

Damit haben die Chinesen bei ihrem Übernahmeangebot zumindest ihr gesenktes Ziel erreicht. Das ursprüngliche Vorhaben, mindestens 50 Prozent der Aktien einzusammeln, hatte Jiye in der vergangenen Woche revidiert und die Mindestannahmeschwelle auf 36 Prozent plus eine Aktie gesenkt. Die Chinesen bieten rund 60 Euro zuzüglich einer Dividende von 1,25 Euro je Aktie.

Die Annahmefrist läuft noch bis zum 6. August, so dass den Chinesen durchaus noch mehr Aktien angedient werden könnten. Zusätzlich zu den rund 26 Prozent der Anteile, die Jiye bereits vor seinem Übernahmeangebot gehalten hatte, wurden inzwischen weitere 12 Prozent der Stimmrechte angedient.

Die Chinesen waren im vergangenen Jahr zunächst über eine Pflichtwandelanleihe bei Grammer eingestiegen. Sie stützen die Aktionärsstruktur des Automobilzulieferers, der sich damals gegen den aktivistischen Investor Hastor wehren musste.

Ningbo Jifeng steht bei Grammer Hastor gegenüber

Für eine Mehrheit auf künftigen Hauptversammlungen dürften den Chinesen ihre 38 Prozent reichen – allerdings sieht Ningbo Jifeng sich nach wie vor der Investorenfamilie Hastor gegenüber. Die genaue Schlagkraft des Widersachers ist schwer einzuschätzen. Die Investorenfamilie ist über die beiden Vehikel Halog und Cascade bei dem Autozulieferer investiert. Einer Grammer-Präsentation von Mai zufolge hält Halog rund 9 Prozent und Cascade rund 13 Prozent der Anteile.

Zwar stehen Mitglieder der Hastor-Familie hinter beiden Vehikeln, dennoch werden diese getrennt voneinander gewertet. Sie erreichen daher jeweils erst bei 15 Prozent der Grammer-Anteile die nächste Meldeschwelle. Gemeinsam könnten sie ihren Einfluss damit auf gut 29 Prozent der Anteile ausbauen, ohne eine neue Stimmrechtsmitteilung abgeben zu müssen.

Die Übernahmeofferte aus China hatten die Bosnier als zu niedrig abgelehnt. Die Unternehmerfamilie schätzt den fairen Wert des Unternehmens ihren öffentlichen Verlautbarungen zufolge deutlich höher ein, als es der aktuelle Aktienkurs reflektiert – und damit auch das Übernahmeangebot der Chinesen.

Der Aktienkurs war unmittelbar nach Bekanntwerden des Jiye-Angebots auf bis zu 67 Euro geklettert, wohl in der Hoffnung auf ein Bietergefecht. Zuletzt pendelte er aber wieder um den Angebotspreis von 60 Euro.

Grammer-Aktie: Die Hoffnung auf eine Bieterschlacht schwindet

Chinesen hatten Grammer mit Rückzug gedroht

Das Grammer-Management hatte die Offerte der Chinesen dagegen stark unterstützt – aus naheliegenden Gründen. Ningbo Jifeng verspricht Grammer weiterhin ein hohes Maß an Eigenständigkeit sowie Garantien für den Vorstand, die Mitarbeiter und die Produktionsstandorte.

Dies alles wäre womöglich verloren gewesen, hätten sich nun nicht noch einige Aktionäre zur Andienung ihrer Anteile entschlossen. Für den Fall, dass ihr Angebot scheitert, hatten die Chinesen jedenfalls eine Drohkulisse entworfen: In diesem Fall sei es möglich, dass die hinter Ningbo Jifeng und Jiye stehende Familie Wang „ihre langfristige Position im Unternehmen überdenken“ könne, hieß es in der jüngsten Mitteilung der Chinesen. Dann hätte die Hastor-Familie einen neuen Anlauf nehmen können.

Dieses Szenario ist nun vorerst abgewendet. Wie komfortabel der Vorsprung der Chinesen vor der konkurrierenden Hastor-Familie letztlich ausfällt, wird spätestens die Hauptversammlung im kommenden Jahr zeigen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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