Der Eventveranstalter CTS Eventim braucht dringend volle Konzertsäle. Abhilfe soll ein Joint Venture in Israel schaffen.

CTS Eventim

19.02.21
Deals

CTS Eventim hofft auf Israel

CTS Eventim leidet schwer unter der Coronakrise, der finanzielle Druck ist enorm. Jetzt baut der Event-Veranstalter sein Israel-Geschäft aus. Die Hoffnung: Dort könnte es bald wieder volle Konzertsäle geben.

Der von der Coronakrise schwer gebeutelte Konzertveranstalter CTS Eventim sucht nach neuen Wegen, um die Umsätze schnellstmöglich wieder anzukurbeln. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, bauen die Hamburger ihr Geschäft in Israel aus. Dafür gründet der MDax-Konzern ein Joint Venture mit der Zappa-Gruppe und wird dadurch nach eigenen Angaben zum Ticketing-Marktführer des Landes.

Eventim gründet Joint Venture in Israel

Eventim will offenbar davon profitieren, dass Israel weltweit mit die größten Impffortschritte macht. Laut Mitteilung waren Mitte Februar 40 Prozent der Bevölkerung gegen das neuartige Coronavirus geimpft. Zum Vergleich: Deutschland liegt bei 3,5 Prozent. Man erwartet, dass der größte Teil der israelischen Bevölkerung bis zum Frühjahr gegen Sars-CoV-2 immunisiert ist und dass sich das Leben in dem Land noch im März normalisieren könnte. „Damit sind die Voraussetzungen für Live-Entertainment und Sportveranstaltungen gegeben“, so das Kalkül von CTS.

Zappa bietet sich als Partner an. Das Unternehmen ist laut Eventim der wichtigste lokale Promoter von Live-Events, darunter ein Dutzend populäre Festivals, und betreibt in Israel Veranstaltungsstätten mit bis zu 15.000 Sitzplätzen. Von der starken Stellung könnte Eventim profitieren. Im Gegenzug erhält Zappa Zugang zu den Technologien der Hamburger, darunter die Datenanalyse und der Web-Shop zum Ticket-Verkauf.

Wie groß der Anteil von CTS Eventim am neuen Gemeinschaftsunternehmen mit Zappa genau ist, teilte der MDax-Konzern nicht mit. Auf FINANCE-Nachfrage heißt es lediglich, Eventim sei mehrheitlich beteiligt. Zu einem eventuellen Kaufpreis will sich das Unternehmen nicht äußern.

FINANCE-Köpfe

Andreas Grandinger, CTS Eventim AG & Co. KGaA

Begonnen hat Andreas Grandinger seine berufliche Laufbahn im Jahr 1996 bei Bertelsmann Buch in München als Junior Consultant im Bereich Corporate Development & Controlling. Nach zweijähriger Tätigkeit wechselt er zu Stern Stewart & Co. Management Consultants und baut als Co-Founder und Partner die auf Wertemanagement spezialisierte Unternehmensberatung auf.
 
Seit 2003 ist Grandinger für den MDAX-gelisteten Einzelhändler Douglas Holding in Hagen tätig. Als Prokurist und Bereichsleiter Konzernentwicklung ist er für Konzernentwicklung, Konzerncontrolling, M&A, interne Beratung und IT-Strategie zuständig. Ab 2008 ist er dann zunächst CFO der internationalen Division der Parfümeriesparte und zuletzt CFO der gesamten Parfümerieaktivitäten des Douglas-Konzerns bei der Parfümerie Douglas mit einem Umsatzvolumen von über 2 Milliarden Euro.

Von Oktober 2013 bis Dezember 2019 ist Andreas Grandinger CFO des Onlinehändlers für Heimtierbedarf Zooplus mit Sitz in München. Seine Aufgaben umfassen dort die Bereiche Finanzen, Controlling, Investor Relations und Recht des SDAX-Unternehmens. Mitte März gibt der Konzertveranstalter und Ticketverkäufer CTS Eventim bekannt, dass Grandinger ab Mitte April neuer Finanzvorstand des Unternehmens wird.

zum Profil

Neu-CFO Grandinger drückte auf Kostenbremse

Eventim hat ein turbulentes Jahr 2020 hinter sich und will 2021 anscheinend schnellstmöglich auf Angriff schalten. Laut den aktuellsten verfügbaren Zahlen aus dem November zu den ersten neun Monaten 2020 ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 79 Prozent auf 229 Millionen Euro zurück. Der Verlust vor Zinsen und Steuern lag bei 61 Millionen Euro, im Vorjahr stand hier noch ein Gewinn von rund 134 Millionen Euro zu Buche.

Als Reaktion auf die Pandemie drückte der neue Eventim-CFO Andreas Grandinger, der im April auf den langjährigen Finanzchef Volker Bischoff gefolgt war, 2020 auf die Kostenbremse. So erzielte der Konzern eine Entlastung in zweistelliger Millionenhöhe. Die Investitionen fuhr Grandinger in den vergangenen Monaten auf das Minimum zurück.

Eventim verhandelt Aussetzung der Covenants

Auch finanzierungsseitig schlägt die Corona-Pandemie voll durch – und setzt das Unternehmen zunehmend unter Druck. Die liquiden Mittel beliefen sich Ende September zwar auf fast 800 Millionen Euro, was rund 8 Millionen Euro mehr waren als Ende 2019. Das gelang indes nur, weil Eventim im April vergangenen Jahres die revolvierende Kreditfazilität („RCF“) mit 200 Millionen Euro in Anspruch nahm. Der Kreditvertrag des RCF hat Eventim zufolge eine Laufzeit von gerade einmal zwölf Monaten.

Die Stabilisierung der Eventim-Finanzen hatte ihren Preis: Wie aus dem Quartalsbericht ebenfalls hervorgeht, musste Eventim mit seinen Banken im Sommer 2020 eine Aussetzung des Verschuldungs-Covenants aushandeln, da das Management das Reißen der Kreditklauseln als wahrscheinlich ansah. Dieser ist nun bis Ende Juni dieses Jahres ausgesetzt.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie die wichtigsten Punkte über die Karriere des Eventim-CFO und gehen Sie auf das FINANCE-Köpfe-Profil von Andreas Grandinger.