Broetje Automation plant und produziert Fertigungslinien für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Mit der Übernahme durch Shanghai Electric soll das Geschäft auch in China wachsen.

Deutsche Beteiligungs AG

15.08.16
Deals

DBAG verkauft Brötje-Automation nach China

Die Deutsche Beteiligungs AG trennt sich nach vier Jahren von Broetje-Automation. Der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric schlägt damit erneut am deutschen M&A-Markt zu. Die Rendite der DBAG ist stattlich.

Erfolgreicher Exit für die Deutsche Beteiligungs AG: Der Finanzinvestor verkauft den Luft- und Raumfahrtzulieferer Broetje-Automation an Shanghai Electric. Der chinesische Mischkonzern übernimmt auch die Anteile der Minderheitsgesellschafter, zu denen allen voran der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr sowie das Broetje-Automation-Management. Der Kaufpreis liegt bei 174 Millionen Euro, wie Shanghai Electric mitteilte.

Für die DBAG war es ein außerordentlich erfolgreiches Investment: Der Finanzinvestor teilte mit, man erziele mit dem Verkauf eine Rendite oberhalb der „üblichen Erwartungen“. FINANCE-Informationen zufolge hat die DBAG ihren Einsatz vervierfacht.

DBAG hatte Broetje-Automation im März 2012 für geschätzt etwa 60 Millionen Euro von dem Landmaschinenhersteller Claas erworben und das Produktspektrum erweitert: 2014 kaufte der Finanzinvestor dem MDax-Konzern Dürr sein Geschäft mit Flugzeugmontagetechnik ab und brachte es in Broetje-Automation ein. Dürr erhielt im Gegenzug eine 11-Prozent-Beteiligung an dem Luft- und Raumfahrtzulieferer sowie einen nicht bezifferten Kaufpreis in bar.

DBAG baute Servicegeschäft von Broetje-Automation aus

Unter der Ägide der DBAG hat Broetje-Automation, eines der kleineren Portfoliounternehmen des Mittelstandsinvestors, seinen Umsatz von 83 Millionen Euro im Jahr 2012 mehr als verdoppelt. Vor allem das Servicegeschäft hat der Finanzinvestor kräftig ausgebaut und die Erlöse dort nach eigenen Angaben vervierfacht. Inzwischen steht der Dienstleistungsbereich für mehr als 20 Prozent des Gesamtumsatzes von Brötje Automation.

Auch in China hat der Luft- und Raumfahrtzulieferer seine Aktivitäten verstärkt und einen Vertriebsstandorts in Shanghai eröffnet. Das Geschäft in Fernost will Brötje Automation unter dem neuen Eigentümer Shanghai Electric nun weiter ausbauen. „Shanghai Electric ist unser Wunschpartner, da er die unabhängige Entwicklung des Unternehmens in den Schlüsselmärkten Europa, USA, Japan, Russland und insbesondere China unterstützen wird“, lässt sich Broetje-Automation-Geschäftsführer Bernd Schröder zitieren.

Shanghai Electric kauft erneut in Deutschland zu

Shanghai Electric wiederum erhofft sich von Broetje-Automation direkten Zugang zu den weltweit tätigen Herstellern im Flugzeugbau. China hegt große Ambitionen im Flugzeugbau, spielt derzeit aber noch keine Rolle in dem von Airbus und Boeing dominierten Markt. Mittelfristig wollen die Chinesen aber zumindest mit den Herstellern von Mittelstreckenjets wie Embraer aus Brasilien und Bombardier aus Kanada konkurrieren. Angesichts der vollen Auftragsbücher der Flugzeugbauer gilt aber auch die Zulieferung von Flugzeugteilen und –komponenten als attraktiver Wachstumsmarkt.

Der börsennotierte Mischkonzern setzt aber auch auf andere Geschäfte. Shanghai Electric ist unter anderem in den Geschäftsfeldern regenerative Energie, Industrieausrüstung und Dienstleistungen tätig und erwirtschaftete 2014 umgerechnet 11,5 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die Chinesen sind in Deutschland keine Unbekannten: Im Frühjahr stieg der Konzern bereits mit 29,9 Prozent bei dem kriselnden Maschinenbauer Manz ein. 

Der Broetje-Deal reiht sich ein in zahlreiche Zukäufe chinesischer Unternehmen in Deutschland: Gerade erst hat der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea den Augsburger Rotoberhersteller Kuka geschluckt. Mit einer Bewertung von 4,3 Milliarden Euro war es der größte Zukauf eines chinesischen Unternehmens in Deutschland. Zuvor hatte bereits der Sinochem-Konkurrent ChemChina für fast 1 Milliarde Euro den Maschinenbauer KraussMaffei erworben.

DBAG wächst zum Milliardeninvestor heran

Die DBAG wurde bei dem Deal von Houlihan Lokey und CMS beraten. Broetje-Automation ist für den Finanzinvestor der zweite Exit des laufenden Jahres. Im April verkauften die Frankfurter den Industriedienstleister Clyde Bergemann – ebenfalls nach Asien. Die Ambitionen der Beteiligungsgesellschaft sind groß: Mit dem gerade erst lancierten neuen Buy-out-Fonds knackt die DBAG als erster deutscher Mittelstandsinvestor beim Fondsvolumen die Milliardenmarke. Damit dürfte bei den Neu-Investitionen das Augenmerk künftig eher auf Unternehmen liegen, die größer sind als Brötje-Automation.

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