Kurz vor Weihnachten kündigt Delivery Hero einen Megadeal an: Der Essenslieferant verkauft sein Deutschlandgeschäft an Takeaway.

Delivery Hero

21.12.18
Deals

Delivery Hero verkauft Deutschlandgeschäft an Takeaway

Für fast eine Milliarde Euro verkauft Delivery Hero sein Deutschlandgeschäft an Takeway und wird dadurch zum zweitgrößten Aktionär bei dem Konkurrenten. Die zuletzt enttäuschten Delivery-Aktionäre reagierten begeistert.

Milliardendeal am Markt für Essenslieferdienste: Delivery Hero verkauft sein Deutschlandgeschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway. Das haben die beiden Unternehmen in der Nacht zum heutigen Freitag bekannt gegeben. Demnach veräußern die Berliner, die erst vor eineinhalb Jahren an die Börse gegangen sind, die deutschen Dienste Lieferheld, Pizza.de und Foodora für insgesamt 930 Millionen Euro.

Diese Summe setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Zum einen erhält Delivery Hero 508 Millionen Euro in bar, zum anderen 9,5 Millionen an Aktien von Takeaway im Wert von 422 Millionen Euro. Dadurch wird das deutsche Unternehmen künftig rund 18 Prozent an den Niederländern halten. Es wird damit voraussichtlich zum zweitgrößten Aktionär bei Takeaway. Zudem darf Delivery Hero ein Mitglied für den Aufsichtsrat nominieren.

Über Delivery-Hero-Takeaway-Fusion bereits spekuliert

Über einen Zusammenschluss von Delivery Hero mit Takeaway wird schon seit Anfang des Jahres spekuliert. Damals dementierten aber beide Parteien Gespräche über eine mögliche Fusion. Der Markt für Essenslieferdienste ist durch einen starken Wettbewerb geprägt. Die größten Konkurrenten von Delivery Hero in dem margenschwachen Geschäft sind neben Takeaway – in Deutschland für die Marke Lieferando bekannt – noch die britischen Lieferdienste Just Eat und Deliveroo.

Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen werden. Beide Parteien haben sich auf eine Stillhaltefrist von vier Jahren nach Abschluss des Deals geeinigt. Sollte er nicht zustande kommen, hat Takeaway einer Break-Up-Fee in Höhe von 9,3 Millionen Euro zugestimmt. Beraten wurde Delivery Hero von Morgan Stanley als Finanzberater und Stibbe sowie Sullivan & Cromwell als Rechtsberater.

Delivery Hero erhöht Investitionen

In einem Pressegespräch am Freitagmorgen erklärte CEO Niklar Östberg, dass es schon lange klar gewesen sei, dass Delivery Hero bei einem potentiellen Deal der Verkäufer sein würde, zitiert das „Manager Magazin“ den CEO. Er sieht sich in dem Rennen mit Takeaway aber nicht als Verlierer: Man habe beweisen können, dass Delivery Hero in Deutschland stark wachse und ein großer Player sein könne. Das zeige sich auch im Kaufpreis, der mit 930 Millionen Euro neun Mal so hoch wie der Umsatz des Deutschlandgeschäfts sei. Zudem plane man, den Anteil an Takeaway langfristig zu halten.

Der Deal mit Takeaway bringe Delivero Hero „vielerlei Vorteile“ und verbessere die Positionierung, verspricht der CEO. Durch die Transaktion erhöhen sich die liquiden Mittel von Delivery Hero zum Stichtag 30. September 2018 auf rund 1 Milliarde Euro. Etwa die Hälfte der Barmittel von 508 Millionen Euro will das Management um CEO Östberg und CFO Emmanuel Thomassin reinvestieren. Zur Finanzierung der Barmittel hat sich Takeaway eine Fremdfinanzierung in Höhe von 680 Millionen Euro gesichert.

Im Zuge der Investitionen erwartet Delivery Hero für 2019 zusätzliche Erlöse von 45 Millionen Euro im Jahr 2019 und ab 2020 zusätzliche wiederkehrende Erlöse von 81 Millionen Euro pro Jahr. Davon ausgehend rechnen die Berliner 2019 mit einem Umsatz zwischen 1,08 und 1,15 Milliarden Euro sowie einem Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 270 und 320 Millionen Euro.

Delivery Hero hatte Aktionäre zuletzt enttäuscht

Damit bleibt nach wie vor unklar, wann Delivery Hero die Gewinnschwelle knacken wird. Im Sommer hatte das Management verkündet, dass man die Gewinnschwelle doch nicht wie geplant Ende 2018 erreichen werde. Das Ziel wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, stattdessen wurden die Marketingausgaben für 2018 und 2019 erhöht.

Der Aktienkurs, der zu dem Zeitpunkt noch bei über 50 Euro stand, brach daraufhin ein und hat sich bis heute nicht völlig erholt. Auch die Vorlage der guten Neunmonatszahlen im November und die Anhebung der Umsatzprognose auf bis zu 785 Millionen Euro für 2018 konnte die Aktionäre nicht nachhaltig positiver stimmen.

Im Zuge der Ankündigung des Deals mit Takeaway zeigten sich die Anleger nun aber sehr erfreut: Der Kurs schnellte zeitweise um 25 Prozent auf über 34 Euro in die Höhe.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

FINANCE-Köpfe

Emmanuel Thomassin, Delivery Hero SE

Emmanuel Thomassin ist nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Frankreich und Deutschland ab 2001 für sechs Jahre Finanzleiter der operativen Beteiligungen der Radioholding Regiocast und Mit-Geschäftsführer der zur Regiocast gehörenden Forschungsgruppe Medien sowie der TOP Radiovermarktung. 2007 wird Thomassin zum CFO von MetaDesign, einer Agentur für Markenberatung, -Management und –Design berufen. Dort ist er für den kaufmännischen Bereich, das operative Geschäft, Kundenbeziehungen und Personalentwicklung verantwortlich. 2013 beruft der Berliner Inkubator Team Europe Thomassin zum CFO. Dort leitet er das sechsköpfige Finance & Legal Department und ist daneben für Investor Relations und Portfolio-Management mitverantwortlich. Seit 2014 ist Emmanuel Thomassin CFO bei Delivery Hero. Der Essenslieferant ging im Sommer 2017 an die Börse. Der IPO hatte ein Volumen von fast 1 Milliarde Euro.

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