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Die Haldex-M&A-Saga lebt wieder auf

Neues Übernahmegebot für Haldex von SAF-Holland. Foto JohanSwanepoel - stock.adobe.com
Neues Übernahmegebot für Haldex von SAF-Holland. Foto JohanSwanepoel - stock.adobe.com

Übernahmekrimi 2.0? Nach sechs Jahren Wartezeit startet SAF-Holland einen erneuten Anlauf zur Übernahme des LKW-Bremsen-Herstellers Haldex. Das erste Angebot platzierte SAF-Holland 2016. Damals bot der fränkische Konzern 94,42 Schwedische Kronen je Aktie, was kurz darauf von ZF Friedrichshafen überboten wurde. Der Autozulieferer ZF wollte 100 Kronen je Aktie auf den Tisch legen – insgesamt hätte ZF damit 515 Millionen Euro für Haldex gezahlt.

Knorr-Bremse wollte Haldex unbedingt haben

Der scheinbare Gewinner des Bieterkampfes war dann jedoch Knorr-Bremse: Das Familienunternehmen übertrumpfte sogar noch das hohe Gebot von ZF und war bereit, 110 Kronen je Aktie zu zahlen. Der Gesamtpreis für alle Haldex-Aktien hätte sich auf 4,9 Milliarden Kronen (SEK) belaufen. Samt Nettoverschuldung über gut 500 Millionen SEK bewertete Knorr-Bremse Haldex damals mit umgerechnet 560 Millionen Euro.

Knapp ein Jahr nach diesem Angebot zog Knorr-Bremse das Angebot zurück. Als Grund gaben die Bayern die – für sie überraschende – fehlende Unterstützung durch das Management von Haldex an. Die Führungsriege des Übernahmekandidaten hatte sich kurz davor gegen den Deal ausgesprochen, da sie die Ablehnung der europäischen Kartellwächter fürchtete, die erhebliche Bedenken angemeldet hatten. Haldex war damals deshalb so begehrt, weil die Schweden zu den technologisch führenden Anbietern von Bremssystemen für LKWs galten, was damals als Schlüsseltechnologie für die Entwicklung selbstfahrender Lieferwagen und Trucks galt. ZF erwarb später für über 6 Milliarden Euro den Weltmarktführer auf diesem Gebiet, Wabco.

SAF-Holland probiert es erneut bei Haldex

Das aktuelle Angebot der fränkischen SAF-Holland liegt mit 66 schwedischen Kronen je Aktie um fast 50 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs, aber trotzdem noch deutlich unter den damaligen Übernahmeofferten. Insgesamt würde SAF umgerechnet 307 Millionen Euro auf den Tisch legen. Vor sechs Jahren boten die Franken noch 450 Millionen Euro. Eine Erhöhung des Gebots werde es nicht geben, stellte SAF aber heute schon klar. Das niedrigere Angebot spiegelt auch die schwache Performance von Haldex am Kapitalmarkt wider: Seit 2017 ist der Kurs des Unternehmens stetig gefallen.

Die Führung von Haldex reagiert positiv auf ein mögliches Zusammengehen mit SAF-Holland und empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Die Annahmefrist soll bis Mitte August laufen, damit könnte der Deal noch im dritten Quartal abgeschlossen werden, sollten die Kartellbehörden diesmal keine Bedenken anmelden.

Allerdings setzt SAF-Holland mit 90 Prozent eine außergewöhnlich hohe Mindestannahmeschwelle. Selbst kontrolliert der LKW-Zulieferer bereits 14 Prozent der Haldex-Aktien. Den Großteil davon (9,2 Prozent) haben die Franken Knorr-Bremse abgekauft. Für weitere 22,5 Prozent liegen SAF bereits Andienungszusagen vor. Finanzieren will SAF die Übernahme mit Barmitteln und Kreditfazilitäten. Nach Abschluss des Deals sei auch die Aufnahme von Eigenkapital in Form einer Kapitalerhöhung denkbar, teilt das Unternehmen mit.

SAF sieht Dealsynergien von 10 Millionen Euro im Jahr

SAF-CEO Alexander Geis erhofft sich viel von dem M&A-Deal: „Das fusionierte Unternehmen wäre in der Lage, eine Top 3-Marktposition bei Schlüsselprodukten und in wichtigen Regionen einzunehmen sowie eine herausragende Stellung im Aftermarket-Geschäft mit mehr Größe, Belastbarkeit und Profitabilität einzunehmen.“ Man könne gemeinsam zu einem globalen Champion für Nutzfahrzeugsysteme werden, so Geis.

Zudem könne man SAF zufolge der weltweit erste Systemlieferant werden, der Druckluftscheibenbremsen, Elektrofahrzeuge und komplette Radlagerungen aus einer Hand anbietet. In Zahlen ausgedrückt geht SAF-Holland davon aus, dass der Zusammenschluss ein Synergiepotenzial von mehr als 10 Millionen Euro pro Jahr erschließen könnte.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

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Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.

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