Niki

29.11.17
Deals

EU-Kommission torpediert Niki-Kauf durch Lufthansa

Die EU-Kommission erwägt, die Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki durch die Lufthansa zu verbieten. Offenbar macht ein britischer Konkurrent hinter den Kulissen mächtig Druck. Die KfW als Kreditgeber muss zittern.

Der eigentlich schon sicher geglaubte Kauf der Air-Berlin-Tochter Niki durch die Deutsche Lufthansa wackelt offenbar. Wie mehrere Medien berichten, will die EU-Kommission aus Brüssel die Übernahme von Niki durch die größte deutsche Airline aus Wettbewerbsgründen untersagen.

Angefeuert werden die Berichte dadurch, dass der Konkurrent Thomas Cook, zu dem die Fluglinie Condor gehört, hinter den Kulissen Druck macht. „Wir hoffen, dass die EU-Kommission ein Interesse an fairem Wettbewerb hat“, sagte Christoph Debus, Chef der Flugsparte des britischen Konzerns, heute der „FAZ“.

Condor-Chef: „Air Berlin darf nicht zum Marktführer“

„Die dominante Stellung, die die Lufthansa bekommen möchte, kann nur nach intensiver Prüfung und unter Auflagen genehmigt werden“, warnt Debus. Er verweist darauf, dass es für Niki weitere Interessenten neben der Lufthansa gegeben habe – Condor und die British-Airways-Mutter IAG. Auch der Unternehmer Niki Lauda zeigte Interesse an Niki.

Aus Sicht von Thomas Cook sind bei der Aufteilung von Air Berlin an Lufthansa und an den britischen Wettbewerber Easyjet Fehler gemacht worden: „Normalerweise darf dann eine gescheiterte Gesellschaft nicht vom dominanten Anbieter übernommen werden“, kritisiert der Condor-Chef. Niki Lauda kündigte heute Mittag an, im Falle eines Kartellvetos erneut zusammen mit Thomas Cook für Niki bieten zu wollen.

Genehmigt Brüssel der Lufthansa hingegen die geplante Übernahme von bis zu 81 Air-Berlin-Flugzeugen, würde der Marktanteil des Dax-Konzerns nach Aussagen von Condor im innerdeutschen Verkehr auf mindestens 80 und auf den für Thomas Cook relevanten Ferienstrecken ab Deutschland auf rund 50 Prozent steigen.

Die dominante Stellung, die die Lufthansa bekommen möchte, kann nur nach intensiver Prüfung und unter Auflagen genehmigt werden.

Christoph Debus, Chef der Flugsparte von Thomas Cook

Air Berlin hatte im August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad seine zugesagte finanzielle Unterstützung überraschend eingestellt hatte. Daraufhin musste Air Berlin Ende Oktober den Flugbetrieb einstellen.

Die Tochter Niki gilt als attraktiver Teil von Air Berlin, da die Airline mit ihren Maschinen unter anderem die beliebte Urlaubsinsel Mallorca ansteuert. Die Österreicher sollen bis zur Pleite Air Berlins profitabel gewesen sein.

„Spiegel“: Veto aus Brüssel bald möglich

Niki könnte noch vor Weihnachten Insolvenz anmelden. Denn momentan finanziert die Lufthansa den Flugbetrieb des österreichischen Ferienfliegers.

Auch der „Spiegel“ berichtet, dass die Warnungen der Lufthansa-Rivalen bei den EU-Wettbewerbsbehörden auf offene Ohren stoßen. Dem Spiegel zufolge erwägt Brüssel sogar, den Niki-Kauf schon kurzfristig zu unterbinden.

Ein Scheitern des M&A-Deals hätte erhebliche Auswirkungen, da Niki dann noch vor Weihnachten in die Insolvenz rutschen könnte. Noch finanziert die Lufthansa den Betrieb des Ferienfliegers. Aus eigener Kraft – nach einem Rückzug der Lufthansa – könne Niki den Flugbetrieb nur schwer aufrecht erhalten, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass dann die unterlegenen Bieter für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch bereit stünden. Thomas Cook hat bereits bekundet, dass der Konzern gerne Start- und Landerechte der Lufthansa zu attraktiven Uhrzeiten übernehmen würde, sofern der Marktführer diese als Auflage im Zuge der Air-Berlin-Übernahme abgeben müsste. Die Nachfrage nach Sitzen für den kommenden Sommer steige jetzt schon an, sagte Condor-Chef Debus.

Muss die KfW um ihren Notkredit zittern?

Ein Veto aus Brüssel hätte womöglich Folgen für den Bundeshaushalt, da in diesem Fall auch nicht der mit Lufthansa vereinbarte Kaufpreis in Höhe von 210 Millionen Euro fließen würde. Diese Gelder werden aber benötigt, damit Air Berlin den Überbrückungskredit der Förderbank KfW über 150 Millionen Euro zurückzahlen kann.

Über andere Geldquellen zur Rückzahlung des Staatskredits verfügt Air Berlin nicht. Sollte der Niki-Deal platzen, wäre die Rückzahlung des KfW-Darlehens daher massiv gefährdet.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

die zweitgrößte deutsche Airline wird zerschlagen. Davor hatte sich ein jahrelanges Drama um die Finanzierung der Fluglinie entwickelt, das Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Air Berlin nachlesen können.

Gewinnwarnungen, ein Streik nach dem nächsten, ein groß angelegter Konzernumbau – und jetzt auch noch das Coronavirus: Die Lufthansa ist im Krisenmodus. Wie die größte deutsche Airline um die Wende ringt, lesen Sie auf unserer Themenseite zur Lufthansa